Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- 4 (7.1913)
- Date
- 1913-07-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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3 müssen. Bescheidenheit und dabei Ruhe und vornehme Sicherheit. Zurückhaltung, wenn ältere da sind und reden und dabei doch eine eigne klare Ansicht. 4. Aber auch andere Anschauungen gelten lassen. Nicht jeden gleich einen Idioten schelten, weil er anders denkt als Ihr. Das wird schon irgendwo in seiner Erziehung, seiner Umgebung, seiner Veranlagung einen Grund haben. Der Wandrer wird sich bemühen, jeder Seele die guten Seiten abzulauschen, wie er es vom Wandern her gewohnt ist, nur die Schönheiten der Natur in jedem Lebewesen, in jedem Stein zu suchen. Ihn wird selbst das Häßliche nicht gleich unmutig machen. Er fragt nach dem Grunde: Woher kam das? Warum ist das so? Denkt er so freundlich, dann wird es ihm fernliegen, alles gleich -in den Staub zu ziehen, weil es ihm gerade nicht gefällt. Er wird häufiger das Gute sehen und anerkennen und wird sich dadurch Vertrauen erwerben. Auf sein objektives Urteil wird man Wert legen. Erkennt er so ohne Neid die Fähigkeiten anderer an, zeigt er Verständnis für seinen Kameraden, so wird sich viel leichter der fröhliche Ton, die herzliche Wanderstimmung •einstellen, weiß doch jeder, hier denken alle so wie er, hier ist keiner, der seine Schwächen zum Spott ausbeuten könnte. Hier setzt die W a n d e r f r e u n d s c h a f t ein. Jeder will dem andern nahe, herzlich nahe kommen, ihm helfen, ihm geben, was er selbst hat. Und wie häufig zeigt sich das wenn auch nur beim Teilen des letzten Bissens, des letzten Trunks. Kommt dann einmal eine schwere Stunde, eine Gefahr, dann halten die Wanderer .zusammen wie ein.Mann, dann werden die schönen, gemeinsam verlebten Stunden zu Banden, die durchs Leben halten. 5. Ein echter Wandrer sieht alles, aber er spricht nicht von allem, besonders nicht von Schlechtem. Aber auch wenn er einen wunderschönen Fleck Erde, einen erquickenden Waldausschnitt, einen erhebenden Bergabhang sieht, hält er keine langen Reden. Er hält inne und sieht hin — unverwandt. Und die ihn sehen und verstehen, werden eine Saite mitklingen fühlen und werden den Redeschwall zur rechten Zeit einmal verstummen lassen. Und dann ein schönes, flottes Lied, denn nichts wäre verlockender, aber verderblicher, als sich etwa einer sentimentalen Stimmungsduselei hinzugeben. Viele haben eine solche Angst vor der Duselei, daß sie nie zu einer Stimmung kommen, die Armen. Der Wandrer aber hat den Gradmesser gesunder Bewunderung alles Schönen und Großen in sich. Fröhlichen Sinnes neigt er sich dem Gewaltigen, ohne die Freude am kleinsten zu verlieren. Der Wanderer liebt die Sonne, liebt den Sturm, wie er die Natur in allen ihren Erscheinungen liebt. Jeden Sonntag ist er draußen in den Feldern und Wäldern, da leint er die "Stimmen der Vögel können, lernt, was draußen