Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- 4 (7.1913)
- Date
- 1913-07-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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2 Blau-Weiß-Blätter Stärke. Die unbedingte Unterwerfung unter einen freiwillig anerkannten Willen ist überhaupt die Grundlage jedes geseiligen und gesellschaftlichen Zusammenseins. Wertlos ist diese Disziplin, wenn sie unwillig und unangenehm ertragen wird. Sie muß freudig sein. Der Wandrer muß eine Ehre darin sehen, den Befehl des Führers so schnell, so gut wie möglich auszuführen. Der Wandrer weiß, daß es einen Grund hat, wenn der Führer grade ihm und keinem andern grade diesen Befehl gegeben hat. Darum darf er nicht eine Sekunde zögern, ihn auszuführen. — Der Führer muß aber auch schon deshalb die Gruppe, mit der er wandert^ in Gewalt haben, weil es ihm die Verantwortlichkeit erleichtert. Wenn ich als Führer nicht wüßte, daß meine Jungen mir bis ins letzte folgen, so würde ich es nicht wagen, mit ihnen zu wandern. Wenn ich befürchten müßte, daß sie z. B. hinter meinem Rücken auf einer anstrengenden Tour Wasser trinken, obwohl ich es verboten habe, ich würde die Last des Führerseins nicht ertragen. 2. Der Führer muß sich deshalb auf jeden Wanderer unbedingt verlassen können. „Sei zuverlässig.* Darin liegt der Kern unsrer Idee. Wir wollen Menschen erziehen, die sich der Verantwortlichkeit auch der geringsten Tat ihres Lebens stets bewußt sind. Der Wandrer führt das, was ihm aufgetragen wird, oder was er zu tun übernommen hat, mit peinlicher Sorgfalt, mit Liebe und Eifer aus. Er ist militärisch pünktlich, er ist wie im Denken so auch in seinem Aeußern sauber und gefällig, er ist p f 1 i c h t g e t r e u. Der wahre Wandrer tut immer seine Pflicht. Darum ist der gute Wandrer immer ein guter Schüler, ihm macht ja die Arbeit Freude. Darum hat der Wandrer auch nie Sorgen. Er ist gesund, fröhlich und offen. Der Wandrer ist daher auch w a h r. Er hat es nicht nötig zu lügen. Er ist stark genug, die Folgen seines Tuns zu ertragen. Darum verschleiert er nichts. In seiner peinlichen Ehrlichkeit, in seiner Offenheit und Wahrhaftigkeit beruht nicht zum letzten seine Zuverlässigkeit. 3. Der Wandrer wird schon aus seinem Wesen heraus kein Duckmäuser sein. Sein offenes Wort, seine freie, natürliche Art werden ihm das Leben erleichtern. Mit fröhlichen Weisen, mit freundlichem Wesen kommt er überall durch. Wenn er sich ein Brot vom Bauern kauft, das Holz zum Abkochen holt, wenn er sein Nachtquartier sucht, überall hilft es ihm. Er erkämpft sich lachend seinen Tag und seine Nacht. Dabei bittet er nie. denn der Wandrer ist stolz, nicht etwa auf seine Person, aber "auf die Wandersache, die er vertritt. Er fordert Respekt vor seinem Tun. Und er hat ihn, wenn er fest und bestimmt und dabei doch bescheiden auftritt. Bescheidenheit ist eins der wichtigsten Güter, das sich grade unsere Jungen erwerben