Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- 2 (5.1913)
- Date
- 1913-05-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 einen wohlgepflegten Weg entlang und kamen bald nach Neuemühie. Wir überschritten dort eine altertümliche Kettenbrücke. Ungefähr 250 Meter davon entfernt lagerten wir uns. Zwei Leute stellten wir an der Brücke als Vorposten auf. Von Ferne horten wir in kurzen Akkorden tiefergreifende Trauermusik, die von einer lustigen Gesellschaft aus dem nahegelegen Restaurant herstammte. So hatten wir wohl eine Dreiviertelstunde gelagert, als unsere beiden Vorposten im hastigen Schritt angelaufen kamen und in kurzen Sätzen meldeten, daß die Feinde in größter Nähe seien. Wir hatten kaum Zeit, uns im nahen Gebüsch zu verstecken, als die verhaßten Feinde mit Kampfgeheul um die _ Ecke brachen. Jetzt stürmten wir aus dem Gebüsch hervor, und es entstand ein kurzer, aber blutiger Kampf, der nach unserer Ansicht unentschieden blieb. Doch die Feinde behaupteten, uns besiegt zu haben. So entstand ein kurzer Streit, welcher damit endete, daß wir friedlich-gemeinsam Kaffee tranken und das eben erlebte Kiegsspiel besprachen. Martin Keßler, Berlin. Der erste Tag unserer Pfing st Wanderung vom IL—13. Mai 1913. Am Sonnabend, den 10. d. M, trafen wir, 19 Wanderer an der Zahl, Abends mit unserem Führer Dr. Weißenberg am Stettiner Bahnhof zusammen, von wo aus die Fahrt nach Fürstenberg in Mecklenburg, dem Ausgangspunkte unserer Wanderung, angetreten wurde. Nach 10 Uhr fuhren wir ab; die Nachtfahrt, die. sich sehr lustig und munter gestaltete, dauerte bis ungefähr 12V2 Uhr. — Mit Hilfe von Taschenlampen erreichten wir in Fürstenberg unser vorbestelltes Quartier. Wir schliefen bis etwa zwischen 5 und 6 Uhr, dann weckte uns die liebe Sonne auf. Wir standen aber erst später auf; danach tranken wir im Gasthofe Kaffee. Wir gingen nicht sehr früh los; trotzdem war die Sonne noch leicht zu ertragen, als wir zunächst etwa 3/4 Stunden lang durch freies, hügeliges, bebautes Feld marschierten. Ein besseres Wetter, als wir es hatten, läßt sich gamicht denken. Bald winkte uns der kühle Schatten des Waldes, der zunächst nur aus Kiefern und Fichten bestand, die aber später immer mehr durch durch herrliche Buchen verdrängt wurden, die im Schmucke ihrer jungen, lichtgrünen Blätter standen. Der Waldboden war mit zahllosen Frühlingsblumen bewachsen, deren Namen und Art uns unser Führer erklärte. Wir gelangten bald an den idyllisch gelegenen Stechliner See» wo wir unsere erste Rast machten. Wir wärmten oder kochten Kakao, Tee usw. auf unseren Spirituskochern, was bei den Vorübergehenden große Begeisterung erregte. Wir marschierten dann durch ausgedehnte, tiefe" Forsfbestände. Die