Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- 2 (5.1913)
- Date
- 1913-05-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Blau-WeißrBlätter Jung-Juda hat gleichwohl nicht gezögert, seine neue Vereinigung „Wanderbund" zu nennen. Das war tapfer. Das war geistreich. Jung-Juda hat dem alten Wort einen neuen Inhalt geben wollen. Es hat, um der Modesprache einen mir widerwärtigen Ausspruch zu entlehnen, seinen Wert umgewertet. Das Wandern, zu dem Jung-Juda sich verbindet, ist ein anderes als das der Väter. Es ist ein genießliches Wandern. Es ist ein Wandern, nicht nur in der Natur, sondern zur Natur. Nicht mit scheuem, bangem Auslug nach verfolgenden und lauernden Feinden, sondern mit helläugigem Aufblick zu ziehenden Wolken, jungem Laub, holden Baumblüten, spielenden Vogelpärchen. Es ist ein Wandern, das die Glieder stärkt die Brust weitet, die Seele mit Bildern und Wonne füllt. Dieses neue Wandern ist ein Sinnbild des neuen Judentums, des lebenskräftigen, lebensfreudigen, das seinen Anteil ander Erde und seinen Platz in der Sonne fordert und bereit ist, die dazu nötigen Anstrengungen zu machen. Ich begrüße Ihren Bund und wünsche ihm viel Wanderfreude. Ihr aufrichtig ergebener Dr. M. Nordau. Der Jüdische Wanderbund „Blau-Weiß" in Wien. Diese Zeilen sollen den Zweck haben, einer Unzahl eingelaufener Anfragen als Antwort zu dienen, einen Einblick in unseren Wanderbund zu gewähren und in erster Linie richtunggebend für die Gründung neuer Bünde zu sein. Zu unserer größten Genugtuung hat der Aufruf, der die Gründung des Wanderbundes in Wien begleitete, in einer ganzen Reihe österreichischer Städte lebhaften Widerhall gefunden, der sich unter anderen in einer großen Anzahl schriftlicher Rateinholungen für gleichartige Vereinsgründungen äußerte. Da uns naturgemäß die Ausbreitung der jüdischen Wanderbewegung sehr erwünscht ist, und wir hoffen, baldigst neue Brudervereine begrüßen zu können, andererseits eine gewisse Einheitlichkeit dringend geboten erscheint, bitten wir. sich bei Neugründungen in Oesterreich nach dem Muster des jüdischen Wanderbundes „Blau-Weißin Wien zu richten. Wie jeder derartige Verein zerfällt auch der unsere in zwei Teile: in den sogenannten „Elternverband" und die „Wanderer*. Der „Elternverbandu hat die für den Zweck nötigen Mittel zu finden und die Leitung und Beaufsichtigung aller im Bunde bestehenden Einrichtungen durch einen Ausschuß zu üben. Diesem Ausschusse sollen womöglich Lehrer, Aerzte und Eltern von Wanderern angehören, finen solchen in Form eines Proponentenkomitees zu schaffeniist für eine Wanderbund-Gründung