Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- 2 (5.1913)
- Date
- 1913-05-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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2 Biau-Weiß-BIätter suchen, im Gegenteil, er wird ihr aus dem Wege gehen, wo er ihr begegnet. Aber es ist doch gut zu wissen, wo man sie am häufigsten antrifft, damit man sie rechtzeitig meiden kann. Nun gibt es einen Baum im deutschen Walde, den sich die Brennnessel mit besonderer Vorliebe zum Gesellschafter gewählt hat. Welcher ist das? Was ihr die Gesellschaft dieses Baumes so nützlich und angenehm macht, daß sie ihren Standort so gern in dessen Nähe wählt, davon später! Mancher von Euch glaubt sicher, ganz genau zu wissen, <jaß alle unsere Nadelbäume immergrün sind, d. h., daß sie ihre Nadeln „nicht jedesmal im Herbst verlieren, wie die Laubbäume ihre Blätter. Vielleicht werdet Ihr mich auslachen, wenn ich Euch sage, daß es in unserm Wald doch eine Baumart gibt, die ihre Nadeln in jedem Frühjahr von neuem treiben muß, genau wie andere Bäume ihre Blätter. Das werde ich Euch im nächsten Heft beweisen. Aber vielleicht weiß jetzt schon einer, welchen Baum ich meine. So, nun habt Ihr genug für heute, worauf Ihr auf Einten nächsten Wanderungen achten könnt. Und wenn einer glaubt, etwas richtig herausbekommen zu haben, dann soll er es uns sägen. Wenn 's stimmt, dann soll sein Name hier den anderen Wanderern mitgeteilt werden. Fritz Abraham, Berlin. Ein Brief an den Jüdischen Wanderbund „Blau-Weiß-'. Der berühmte Schriftsteller Max Nordau in Paris sandte an den vor kurzer Zeit gegründeten Jüdischen Wanderbund in Wien folgendes Begrüßungsschreiben: 8 rue Henner, Paris, 14. April 1913. Hochgeehrte Herren, „Der Jüdische Wanderbund!** Wejcher Name für eine Vereinigung von Juden! Auf den ersten Blick möchte man an eine Absicht schneidender Selbstironisierung im Geschmacke des Aristophanes oder Voltaires glauben. Ist nicht das ganze Judentum seit anderthalb Jahrtausenden ein „Jüdischer Wanderbund" gewesen, so weit es durch gemeinsamen Glauben und Gemeinbürgerschaft überhaupt ein Bund war? Ist nicht unsere ganze Geschichte in der Zerstreuung ein einziges, dauerndes Wandern? — Freilich — dieses Wandern, war kein fröhliches Umherziehen in der Natur. Es war ein wegemüdes Schleichen unter zermalmender Last, ohne Ziel% ohne. Rast» ohne Heimkehr; eine Flucht aus bekannten Qualen in unbekannte, vielleicht schlimmere.