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Jüdische Rundschau · 1924-04-08 · Heft 28 (8.4.1924) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 28 (8.4.1924)
Date
1924-04-08
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Saite 204 IUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 28 DricI aas Pnliislina Von unserem Korrespondenten. Jerusalem, 24. März. Purim verlieh der vergangenen Woche ihr Gepräge. Da in Jerusalem Purim einen Tag später gefeiert wird als im übrigen Palästina und da sich überdies ein Sabbat nnschloß, hatten wir drei Tage ״Giriieval“. Das Wetter Ist in Paläftinn zurzeit schon sommerlich und so waren die Stralk'11 erfüllt von einer Imaien Menge kostümierter und mnskierler Menschen, ln T c 1 - A w i w nahmen viele Araber an den Festlichkeiten teil. Milten in das bunte Treiben traf die ׳Nachricht von einem IJcbcrfall auf Juden und unmittelbar darauf von der Verwundung einiger Araber. Der offizielle Polizcihericht besagt; ״Gestern um sieben Uhr abends wurde nttf den Snmldüncn bei Tel-Awiw ein junger Mann namens Alexander Ro t h 81 r i n durch einen Revolvereehuß verwundet. Der Verwundete wurde Ins I ladassali-Spital gebracht. Er ist an seiner Huken Seite beim Zwerchfell verwundet. Willi* rend der Polizeikommandant von Tel-Awiw sich im Hadassah- Spital befand, wurde ein zweiter, am selben Orte ongcschossencr Verwundeter namens Baruch Ku rieh mann in das Spital gebracht, der zwei Luiigcnscliihse erhalten liatte und 11m ein Uhr nachts seinen Verwundungen erlag. Um 91/4 Uhr hörte man einige Schüsse. Die Polizisten, welche dorthin eilten, fanden bei der Eisenbahn einen durch einen Rcvolverschuß am Kopf verwundeten Araber. Er wurde Ins Hadassnh-Spital gebracht und starb dort um 123/י Uhr. Um 10 Uhr abends kamen in die Polizei von Tcl-Awiw zwei Araber, die beim Eiscnbaliutor auf dem Wege nach Snrona verwundet worden waren. Die Polizei ist mit der Untersuchung beschäftigt, ln der Nacht kamen Gendarmen aus Serafcnd zur Verstärkung der Polizei nach Tel-Awiw.“ So der Polizeibericht. Welches sind die wahren Ursachen der Ereignisse, die zunächst zu einem Ucberfall auf Juden und nachher zu einer Verwundung und Tötung von Arahcrn führten? Mau kann sich schwer der Vermutung verschließen, daß hier ein Fall beabsichtigter Provokation vorlag. Ein Raubmord auf zwei junge Burschen oder ein persön- Heber Racheakt ist wohl ausgeschlossen. Es dürfte wohl ein politischer Akt vorlicgcn, dessen Absicht klar war: die jiidi'sclic Festesfreude, an der nun sogar Araber teilnahmcn, zu stören. Alle politische Agitation und Verhetzung der letzten Jahre war nicht imstande, die einfache menschliche Regung der Neugierde zu ersticken, die den Araber aus Jaffa und auch den Fellachen aus den Dörfern bei Tcl-Awiw veranlaßt, in die jüdische Stadt zu kommen und den jüdischen Carncval mitanzuschcn. Tausende von Arabern, junge und alte, Frauen und Kinder, unter ihnen ganze Familien, mischten sich unter die Juden und eine ganze Anzahl arabischer Masken nahm an den Zügen teil. Die Tatsache, daß die Araber ihre Frauen und Kinder mit zu dem Feste brachten, spricht sicher dafür, daß die arabischen Mengen nichts mit dem Uebcrfall zu tun hatten, daß vielmehr die einfache und natürliche Annäherung?.wischen miteinander wohnenden Völkern stärker ist als die politische Agitation. So wollte man offenbar mit Gewalt diese Harmonie zerstören. Glücklicherweise ist der Versuch, soweit man wenigstens jetzt, drei Tage nach der Tat beurteilen kann, mißlungen. Die Tel-Awlwcr Tageszeitung ״H a are z“, hat anläßlich des Vorfalles unter dem Titel ״Vergebens“ einen sehr vernünftigen Artikel veröffentlicht, der das jü- Mische Publikum malmt, sich nicht provozieren zu lassen. ״Die Bluttat“, schreibt das Blatt, ״hatte nicht die beabsichtigte Wirkung. Audi an den Maskenzügen, die nachher stattfanden, haben sich Mengen von Arabern beteiligt Kein vernünftiger Mensch unter uns oder unter den Arabern hat die Absicht und Tragweite der Tat verkannt Es wird Iden Anstiftern dieser Mordtaten nicht gelingen, unsaus ,dem Gleichgewichte zu bringen.“ Gegenüber der Nervosität und Reizbarkeit, mit welcher sonst derartige Ereignisse in Palästina aufgenommen zu werden pflegen, kann man diese Ruhe unserer Presse als einen Fortschritt freudig verzeichnen. In derselben Purimnaclit ereignete sich oben in O a t i- I ä a um Mitternacht ebenfalls ein Uebcrfall. Auf der Straße hinter Kinercth wurde eine Diligence überfallen, die Pferde gestohlen, die Passagiere (Juden und Araber) nackt ausgezogen und in den Wadi geschleppt Die Räuber drangen dann in die Häuser der Jemeniten, die beim Purinttnahi saßen, ein, stahlen ihre Pferde und raubten alles aus. Ein Wagen aus Kinercth, der den Räubern zufällig begegnete, jagte sie in die Flucht. Die gestohlenen Pferde ließen sie zurück. Diese Sache hat natürlich keinen politischen Hintergrund, wenn nicht den einen: zu zeigen, wie sehr die Sicherheit des Landes auf manchen Straßen noch im argen ist. (Seit Ab* Sendung des Briefes haben neue Ucberfälle die Ansicht des letzten Satzes unseres Korrespondenten bestätigt. — Red. ü ״J. R/‘). h.b. * v Auf eine Anfrage über die Schießereien ln Jaffa gab der englische Kolonialministcr Thomas im Unterhause folgende 'Auskunft: ״Ich wurde vom High Com mlsaioner von Palästina informiert, daß am 20. März, einem jüdischen Karncvalstage, in dem Viertel Manscht bei Jaffa zwei Juden angeschosscn und verwundet worden sind Die Polizd leitete eine Untersuchung ein, während welcher man drei Araber angeschosscn und verwundet hat Ein Jude und ein Araber sind rhrcu Wunden erlegen. Unruhe wurde nicht ver* breitet Es gab eine kleine, rein lokale Aufregung, aber die Lage im ganzen Lande ist normal Die öffentliche Meinung beider Parteien ist in der Verdammung dieser Verbrechen einstimmig. Einige Verhaftungen wurden vorgenommen.“ Sieben Araber wurden unter dem Verdacht verhaftet, an dem Mord an dem tschechoslowakischen Journalisten ,Tatransky (wie der Ermordete richtig heißt), der mit seiner Frau auf einer Reise rund um die Wett zu Fuß begriffen war, beteiligt gewesen zu sein. Herr Tatransky »war kem Jude. t. ׳ .. f L » ״e Trf-־Afifentur erfährt, wird Ende dieses Mobats in Paris eine formelle Sitzung der Pica stattfinden, bi der die Konstituierung erfolgen wird. Baron IIollisclilH 1;!;נו der ״iatly-feprcft“ Kairo. (J.T.A.) Der biedge J.T. A.-Verlrc(er ist ermiichligt, die kurzlidi im ״Daily Expreß“ (dem Organ der engih.d’ien Antisemiten und der jüdischen Aguuistcn. — Red.) unter der Uebersclirift ״Eine Rüge fftrdlc Zionisten“ veröffentlichte Notiz, des lnlinlis, Baron Edmond de Rot 11 sc hi UI hätte sich geweigert, der Einladung der nalädiiieiisisclu'ii Zionisten ״;ich Palästina zu kommen, Folge zu leiden, zu dementieren. Der Dnron Imt die De 10• gatlnn der naläslineiii.hclien Zionisten, die zu seiner Ilegniiiinig nach Kairo gekommen war, in aller Freundschaft empfangen. Er ging deshalb nicht nach Palästina, well seine Acrz.te ihm empfohlen hatten, ln diesem Jahr die Reise zu unterlassen, iSa 1011 Edmond de Rothschild hat in Bcgleltimg (;einer Trau Kali» wieder verlassen und befindet sieh auf dem Wege nach England, * In Verbindung mit den ScnsnUonsgcrüchtcn (siche das oben wkxlergegehenc Dementi der Meldung de» ,,Daily Exprell“. — Red.) über das Verhältnis Union Ldntrmd de Rothschilds zu der z.fomstisrhcn Arbeit fn Palästina, wird jetzt das Protokoll der am 18. März zwischen Baron Edmoiul de Rothschild und der Delegation der palästinensischen jüdischen Kolonien in Kairo stattgclinhtcn UiiterhaHung bekannt gegeben. Daraus ist zu entnehmen, da» sieh der Baron über die lk־grüßung$adres׳m der Zionisten, die ihm von Herrn Melrowitz. französisch Vorgelegen wurde, tief gerührt zeigte. Er antwortete in einer längeren Ansprache, in der er seiner Befriedigung über die Btiiiüiliiingcn Dr. weizinanns, immer mehr Männer und Finnen für die Arbeit zugunsten Palästinas bcranzuzichcii, Ausdruck gab. Er sagte, er freue sieh zu hören, daß eine neue Generation in das Land gekommen sei, um das Werk der ersten Pioniere fortzusetzen; er hoffe, daß die religiösen Gefühle unter den C h n 111 z i m vorherrschen würden, da nur die Religion die über die ganze Welt zerstreuten Juden einigt und sie Zusammenhalt. Der Baron erwähnte weiter die Gründung der Pica und seine Absichten, in Samnria Land zu kaufen, über die wir bereits in der vorigen Nummer berichteten. Die Kolonien, sagte er zum Scli'ull, müßten allmählich in den Stand kommen, sich selbst zu erhalten und mit der Abzahlung ihrer Schulden zu beginnen. Die Rtickzahlungssiimmen würden für die Errichtung' neuer Siedlungen verwandt werden. Husseins KnIEtnt Reuter meldet aus Dschldda, daß König Hussein In seiner Eigenschaft als Kalif die leitenden religiösen und wissenschaftlichen Persönlichkeiten 111 Mekka sowie die hervorragenden Persönlichkeiten aus anderen mohammedanischen Ländern, die dort wohnen, eingeladcn hat, eine ratgebende Körperschaft im Kalifat zu bilden. Die französischen Behörden teilen mit, sic hätten eine Organisation nufgedeekt, die unter den syrischen Mohammedanern eine geheime Propaganda bctreibt, daß auch in Syrien die Prokiamicrung König Husseins zmn Kalifen erfolge. Wie ferner mitgctcilt wird, stammen die Gelder für diese Organisafion aus Transjordanien. Antisemitische Exzesse in Rumänien Während einer Vorstellung des jüdischen Theaters Theaters in Czcmowitz, stürmten antisemitische rumänl sehe Studenten in großer Zahl die Eingänge zum Theater, drangen in den Saal ein, sprangen auf die Bühne und demolierten sowohl den Bühnenraum, als auch den Zuhörerraum. Sie schlugen auf die Schauspieler und auf das T h c a t c r pu bll k u m wild los. Die flüchtenden Theaterbesucher wurden bis in Mas Hauptzentrum der Stadt verfolgt. Später stürmten die faseistisclien Studenten auch noch eine Milchhalle am sogen. Mchlplatz und trieben die jüdischen Besucher auseinander. Zehn der exzedierenden Studeuten wurden verhaftet. * In Verbindung mit dem Schwurgerlchtsprozcß gegen die seinerzeit verhafteten studentischen Verschwörer fanden In Brasso und Bukarest ausgedehnte nntijüdischc Exzesse statt. Die!״!geklagten faseistisclien Studenten wurden sämtlich frclgcsp rochen. Eine Ifltlische Universität In Ranzig? Wie die jiddische Tageszeitung ״Moment“ mitteilt, begibt sich der Warschauer Finanzmann Diottcrowitz nach Genf um die Errichtung einer jüdischen Uni ver sl• tat in Europa in die Wege zu leiten. Der ״Moment" fügt noch hinzu, daß der Präsident des Volkcrbundrates Signor Salandra sich über diesen Plan günstig geäußert habe. Der jüdische Ingenieur Sticfclmann Kat bereits einen Plan für das Üiiivcrsitütsgcbäud« fcrtiggcstcllt, der auch Unterkimfisräume für die Professoren umi Studenten vorsieht. Der J. T. A. - Vertreter erfährt, daß die Universität in Danzig errichtet werden soll, wo bereits ein Grundstück erworben worden ist. (Wir geben diese Nachricht mit allem Vorbehalt wieder. Von einer Zustimmung der Dan zig er Regierungsstelle« ist nichts bekannt geworden. Solange diese nicht gesichert ist, ist die vorzeitige Veröffentiiehung überdies ein schwerer Fehler. — Red. ״J. R,“) Die Völkerlirmtlllp und der Numerus clausus Paris. (J.T.A.) Während ihrer letzten Sitzung Im Haag hat die Minoritäten-Kommission der internationalen Union der Völkerbundsligcn die Numerus clausus-Fragc, die schon während der letzten Sitzung in Zürich besprochen worden war, wieder in Erörterung gezogen. Dar. Komitee der jüdischen Delegationen hatte Herrn Tsntskls nacii dem Haag gesandt, damit er die Mitglieder der Minoritätcn-Kommission über die mit dem Numerus clausus in den verschiedenen lindern in Verbindung stehenden Tatsachen informiere. Zu Beginn der Bestrebungen wurde eine Zuschrift Professor Aulards verlesen, in welcher dieser energisch gegen den die Minoritätcnvcrträge und die Rechte des Individuums verletzenden Numerus clausus protestiert. Auch Herr Prud• hommcaux unterstrich den ungesetzlichen Charakter des Numerus clausus. Der polnische Delegierte erklärte, der Numerus clausus werde in Polen nicht durch administrative Methoden zur Anwendung gebracht. Die Kommission sprach sich ztim Schluß gegen die Einschränkung der Zahl der den Rasse- und Religion«- Minoritäten angchörcndcn Studenten aus und beschloß, weitere Erkundungen über diese Angelegenheit einzuzichen, auf der Im Juni in Lyon statttindenden Sitzung die Frage nochmals zu behandeln und in einer Resolution die Stellung der Korn• mission endgültig zu präzisieren. preßoeoebau Ans der pnliisfincnslsclien Presse Im ״Kuntres" schreibt Ben Zwl über ״Unsere politischen Angelegenheiten“. Er beklagt die gegenwärtige Untätigkeit der Arbeiterschaft und besonders der A ch d u t h- H a a woda 11 f n pol i t i scheu F rugc n Im Gegensatz zu der Zelt vor zwei bis drei Jahren, wo sie die treibende Kraft im politischen l eben I'aia.tmns war. Line licsondere Verantwortung fällt jetzt auf diese Partei in folge ihrer internationalen Verbindung mit der englischen Arbeiterpartei. ,,Wir müssen jetzt unsere wichtigsten politischen Forderungen formulieren und sie der englischen Arbeitcrrcgicrung voi legen." Die Hauptpunkte sind: lieber, lassung von Rcglerungslandcrcien, Aufhc• hu n g der Ei nwanderungs beschränk11 ״ gen, Ucbert Tagung von öffentlichen Arbeiten an die einzige Arbeiter-Kooperative des Landes (So I cIbo n e h), Arbeiterschutzgesetz, Legalisierung der jüdischen Autonomie. Bezüglich der Konstitution sagt Ben Zwi, sie müsse nicht nur die Interessen der gegenwärtigen Bewohncr, sondern auch die Interessen der Einwanderung und Kolonisation garantieren. Er verlangt ferner sofortige Re- Vision der Verwaltung der Munizipalitäten, die noch heute, wie im Kriege, von ernannten Kommis, saren statt von gewählten Behörden ge'eitet werden. Eine notwendige Forderung sri ferner die Erteilung der Steuerholicit an den wand Leumi. Der ״Doar Hajom“ berichtet über eine Audienz der Agudas Jisrocl (Rabb.S o n n c n f c Id) bei Kardinal Bourne, (Wir haben bereits davon Milteilung gemacht. — Red.) Die Agudah hat zwar die Nachricht dementiert, aber das arabische Blatt ״Lissan el A r a b“ behauptet mit Bestimmtheit, daß de Haan dein Kardinal dasselbe Memoranduni überreicht hat, wie dem König Hussein. Dasselbe Datt berichtet über den Besuch eines gewissen Levi beim Kalifen Hussein, bei welchem der Kalif folgendes gesagt hat: ״Dieses Land ist Euer Land; wenn Ihr irgend eine Bitte habt, so teilt sic mir mit, ich werde den Befehl geben, daß sic erfüllt wird. Sowohl die Araber als auch die Juden sind Söhne Sems. Sie haben einen Vater, und daher sind sie Brüder. Sie müssen Seite an Seite in völliger Harmonie leben. Dies wünsche Ich im Interesse des Landes.“ Der ״Haare/." vom 16. März veröffentlicht einen bereits in Amerika erschienenen Brief von Ittamar Ben A w i, dem früheren Chefredakteur des ״Doar Hajom“, an Alexander Aronsohn, den Vorsitzenden des Ver- Randes ״Bnc Benjamin“ und Direktor der Gesellschaft ״Ilasolcl“ (Verlag des ״Doar Hajom"). Aronsohn hatte erklärt, er bereite den Weg für eine neue Bewegung, welche das Erbe des verstorbenen Zionismus antreten »oll. Die* will Ben Awi nicht mitmachen. Trotz aller Fehler, die der Zionismus gemacht hat, kann er nidit die ganze Vergangenheit von vierzig Jahren verneinen. Daher müssen sich ihre Wege trennen. Aus der amerikanischen Presse Die New Yorker Wochenschrift ״The Nation" bringt ln einer ihrer letzten Nummern zwei Artikel zur Frage: ״Ist der politische Zionismus tot“? Als erster *!',!?'1L?a,״KwiH die Frage. Er betont noch einmal, daß Palästina, da es nicht in der Lage *ei, mehr als ein Viertel der Juden aufziinchmen, die jüdische Frage als solche nicht lösen könne. Den Diaspora-Nationalismus besonders scharf angreifend, wiederholt er seine Auffassung, daß der einzige Weg, Zionist zu sein, der sei, in Zion zu leben. Aber cs gibt keinen jüdischen Staat, sondern b!oß_ eine Weiterentwicklung der jüdischen Nationalit.it in Paiästina, wie sie vor Jahrtausenden bestand. Ja, der ״Berg Zion hat eine Maus geboren". Der Streit über die ״Jewish Agency“ am letzten Kongreß war belanglos, da man über eine Machtbefugnis stritt, die man eigentlich nicht voll besaß. Und solange man diese eigentliche Macht nicht besitzt, solange der neuen Heimstätte keine Autonomie gewährt wird, solange ist jede Kolonisation auf Sand und vulkanischem Boden gebaut. Zangwill beschuldigt ferner die zionistischen Führer, sie hätten keinen Protest erhoben, als sic von den Auswüchsen der palästinensischen Administration Kenntnis erhielten und auch nicht, als die Verwaltung des Oberkommissärs zur Abschwächung der Dalfour-Dckiaration führte. Die Führer haben versagt und die politischen Chancen versäumt. Darum ist der politische Zionismus tot. Aber für Palästina muß gearbeitet werden. Die Pro-Palästina-Partcien sollen miteinander und nicht gegeneinander arbeiten. In einem zweiten Artikel tritt Prof. Welzmann Zangwill entgegen. Er betont, daß es nur einen Zionismus gibt, und dieser umschließt den politischen, praktischen und kulturellen Zionismus. Denn der politische Zionismus erstrebt die Schaffung von Umständen, die für die jüdischen Siedlungen in Palästina günstig sind. Die Männer, die vor 50 Jahren in Palästina die ersten Machtpositionen schufen, waren die eigentlichen Schöpfer des politischen Zionismus. Ein Land kann ebensowenig gegeben werden, wie eine Geschichte oder eine Kultur. Das Land muß durch Arbeit erobert werden. Die Freundschaft mit den Arabern sei von grundlegender Bedeutung für Palästina. In Palästina entsteht durch jüdische Arbeit eine neue Kultur und neues 'üdischcs Leben, das zur Genüge beweist, daß der Zionismus ebt und triumphiert. Amerika Sollte Senator La Fo 1 c 11 c von Wisconsin die Wahl der ״dritten Partei" zum Präsidentschaftskandidaten annelunen, besteht für den Richter Brandeis vom Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten große Aussicht, von der gleichen Partei zum Vizepräsidenten kandidiert zu werden. Jedenfalls hat Senator La Follette erklärt, daß er, falls die republikanische Konvention In Clcveiand einen ״rcaktionären“ wahlvorschlng machen würde, bereit wäre, die Kampagne für eine unabhängigcWahllistezu führen. Der Plan ,einer dritten Partei würde dann ernsthaft in Er« wägung gezogen werden. Oberrabbiner Kook, Rabbiner Schaplro Und Rabbiner Epstein, die das Zcntral-Hilfs-Komitec in der Einc-Million- Dollar-Kampagne zur Unterstützung der orthodoxen jüdischen Lehranstalten vertreten, sind am 19. März in New York ein* getroffen. Die Delegation wurde auf der Yacht des Bürger* meistere von New York nach dem Landungssteg gebracht, wo sie von einer großen Menschenmenge begrüßt wurde. Die Straßen waren beflaggt. Eine Automobilkolonne brachte die Oäste nach der Stadthalle, wo ihnen ein offizieller Empfang durch den Bürgermeister der Stadt bereitet wurde. r~ s, ךיי׳.*~'-ן ךי״י״׳ן p■—»•יי% # Lz Ji^ fr« Cj U

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