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Jüdische Rundschau · 1924-04-08 · Heft 28 (8.4.1924) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 28 (8.4.1924)
Date
1924-04-08
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Postsparkassenamt Prag, Konto Nr.59410, — Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. — OB ד׳ ניסן׳ תרפ״ד OcsrXlonlsraus erstrebt für das Jüdische Volk dl® Schäftung. einen־ öffentlich rechtlich goisleliartara llaltmsKHta Iri Palästina. XXIX. Jahr״. ,Osseter Prog ramm■44 Zur liieren Situation Nach der letzten Sitzung des Großen Actions-Comi- <& bestand allgemein die Hoffnung, daß auf Grund der nunmehr erfolgten Aussprache und Klärung, die zwar naturgemäß keine völlige sachliche Einigung 11er• beiführen konnte, die aber wenigstens nach außen hin die einheitliche Front wiederherstelltc, die Arbeit in den einzelnen Landesverbänden mit der größten Intensität aufgenommen werde. Man kann auch mit Genugtuung konstatieren, daß dies in den meisten Ländern wirklich der Fall ist. Die Berichte, die vor allem über den Fortgang und die bisherigen Erfolge der Keren Hajcssod-K.ampagnc in Amerika, für welche die Monate März und April die ausschlaggebenden sind, zu uns gelangen, sind ermutigend und vielversprechend. Der große 1.500.000 Dollar-Drive, der im März in New York durchgeführt wurde, hat starken Enthusiasmus ausgelöst. Besonders wertvoll war hierbei die tätige Teilnahme Mr. David A. Browns, der erklärte, aus Palästina zwar nicht als hundertprozentiger Zionist, jedoch als ein Zionist zurückgckehrt zu sein, der die Arbeit für den Keren Hajcssod als eine seiner wichtigsten Aufgaben betrachte. Brown ist seinerzeit durch den großen Erfolg des von ihm für das Joint Distribution Committee durchgeführten 14-Millionen-Drives bekannt geworden. Er ist ein Großkaufmann aus Detroit und scheint eine ganz besonders hervorragende organisatorische Begabung zu besitzen. Er hat nicht nur in New York, sondern auch in Washing* ton, in den Städten von New Jersey tisw. sowohl als Redner wie auch als Ratgeber in organisatorischen Dingen in den letzten Wochen bedeutsame Arbeit geleistet. Aus seiner eben erschienenen interessanten Broschüre ״Palästina, mit neutralen Augen gesehen“ werden wir nächstens einige markante Stellen veröffentlichen. Die Keren Hajessod-Kampagnc in New York erfreute sich auch der wirkungsvollen Unterstützung Dr. Joseph Silvermanns, eines angesehenen amerikanischen Reform- Rabbiners, der früher mn New Yorker Tempel Emanu-El gewirkt hatte. Dr. Silvcrmann, über dessen Eindrücke in Palästina wir bereits Mitteilung׳ gemacht haben, ist nicht nur in amerikanischen Tageszeitungen, sondern auch auf den jüngsten Keren Hajessod-Vcr- Sammlungen für die zionistische Palästina-Kolonisation mit großer Wärme eingetreten. Er gehörte auch zu den Rednern des großen Banketts, das als Höhepunkt des New Yorker Drives Dr. Weizmann am 24. März im Hotel Astor gegeben wurde und auf dem auch Louis Marsliall und Brown sprachen. Von den 1 *4 Millionen Dollar, die das Kontingent von New York bilden, ist bereits ein großer Teil aufgebracht Nach Mitteilungen des amerikanischen Keren Hajcssod-Sckrctiirs Mr. Neumann, ist mit Bestimmtheit anzunchmcn, daß von den 5 Millionen Dollar, die das Ziel der diesjährigen Keren Hajessod-Kampagnc in Amerika bilden, mindestens 3 Millionen Dollar im Jahre 1921 in den Vereinigten Staaten aufgebracht werden. Es hat sich gezeigt, daß die Palästina-Konferenz vom 17. Februar auch auf die Keren Hajessod-Arbeit in Amerika eine sehr günstige Wirkung hatte, vor allem infolge der dabei nach außen dokumentierten Einheit des amerikanischen Judentums in der Palästinafragc. Auch in Südafrika hatte der Keren Hajcssod, dessen Organisierung Dr. Alexander Goldstein obliegt, bisher erfreuliche Erfolge. Auf der letzten Konferenz der südafrikanischen Zionisten und der sich daran anschließenden großen Versammlung in Johannesburg wurden allein 8000 Pfund in ganz kurzer Zeit gesammelt. Die Arbeit in Deutschland ist ebenfalls in gutem Fortschreiten, Aber auch aus anderen Ländern kommen im allgemeinen befriedigende Berichte. Hingegen ist die rein zionistische, die organisato• rische Arbeit bisher noch nicht über die ersten Anfange hinausgekommen. Man muß es in diesem Zusammenhange auf das lebhafteste bedauern, daß Louis Lipsky, der das nach dem Rücktritt Dr. Soloweitschiks verwaiste Organisations-Departement der Leitung übernommen hat, wieder nach Amerika zurückkehrt und erst im Juli seine Arbeit in der Zentrale der •Organisation wieder aufnehmen will. Wir nehmen von vornherein an, daß nur die wichtigsten Gründe Herrn lip&ky veranlaßten, seine Tätigkeit in London zu unterbrechen. Anscheinend hat sich bereits in der kurzen Zeit seiner Abwesenheit gezeigt, daß er in Amerika nicht zu entbehren ist. Trotzdem müssen wir cs aber als unhaltbar bezeichnen, daß die leitenden Repräsentanten der zioristischcn Bewegung so läufig und für so lange Zeiträume von London abwesend sind und die Herstellung des Zusammenhangs der Zentrale mit den einzelnen Ländern, der ganze Komplex der organisatorischen Arbeit und zum großen Teil auch die politische Arbeit den Sekretären des Zcntralbiiros überlassen wird. Wie kt cs unter solchen Umständen überhaupt möglich, daß die Mitglieder der Leitung für ihre Arbeit wirklich eine ernsthafte parlamentarische Verantwortung übernehmen können? Es muß gefordert werden, daß das Amt eines Mitgliedes der Exekutive weder als rein dekorativ noch als sekundär angesehen werde, sondern als die wichtigste zionistische Aufgabe, die es überhaupt gibt. Wir glauben nicht zu irren, wenn wir annchmcu, daß Herr Lipsky und wir in der Einschätzung der Bedeutung der zentralen organisatorischen Arbeit ziemlich weit auseinandergehen. Um so nötiger erscheint cs, daß einmal prinzipiell die Frage gestellt und beantwortet wird, welches die Aufgaben der zionlstischcn Exekutive sind, und daß dann die Leitung gemäß der Entscheidung dieser Frage auf dem Kongreß auch entsprechend zusammengesetzt wird. Es handelt sich im Grunde um das Problem der Dezentralisation oder der Zentralisierung. Nach der Auffassung, die wir und wohl auch die meisten deutschen Zionisten von der Wichtigkeit eines organisatorischen Zentrums in der Bewegung haben, kommt heute der Führung der Organisation und der Durchführung der inncrorganisatorischen Arbeit die erste, die alicrwichtigstc Rolle zu. Es ist bekannt, daß gerade die Kontinuität auf dem Gebiet der organisatorischen Maßnahmen von größter Bedcutung ist. Wir müssen daher auch weiterhin der Exekutive gegenüber den Gesichtspunkt der stark hervortretenden Bedeutsamkeit des Organisations-Departements im Rahmen ihrer übrigen Arbeit besonders nachdrücklich vertreten. Und es erscheint uns als unerläßlich, daß bcrcits auf der Jahreskonferenz gegenüber einer vielleicht weniger bewußten als unbewußten Ncgligicrung dieses Tätigkeitsbereichs gerade die deutschen Zionisten wie bisher diese ihre Auffassung mit aller Entschiedenheit zur Geltung bringen. Wie notwendig eine Einflußnahme der Gesamtlcitung auch in rein organisatorischer Beziehung auf die einzelnen Landesverbände ist, zeigt die Entwickhing in Polen seit der A.-C.-Sitzung. Wir zitieren aus einem Artikel des zionistischen Zcntralorgnns ״liaolain“ die folgenden Ausführungen, die an Schürfe und Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lassen. Das polnische Zcntralkomllec, dessen Vorsitzender Abg. Grünbaum ist. hat eine Resolution angebracht, worin gesagt wird, daß die Richtlinien des A. C. die letzten Grenzen tcstlegcu, bis zu welchen die zionistischen Unter- ■ händlcr bei ihren Verhandlungen mit - den Niditzionistcn' gehen können, und daß das polnische Zentralkomitee auf׳ der Wacht zu stehen hat, daß diese Grenzen eingehaltcn werden. Es ist absolut unverständlich, was eine solche Resolution bedeuten soll. Da das A. C. einen 13c- Schluß über die zionistische Taktik gefaßt tat, der jetzt in die Wirklichkeit umgesetzt werden soll, Ist cs eine leere Demonstration zu betonen, daß dieser ßvschloß die äußerste Grenze darstellt, bis zu der wir gelten können. Aber ein solcher Antrag im gegenwärtigen Augenblick bedeutet auch eine offenkundige Provokation. Grünbaums Resolution wurde vom Partei rat abgeiehnt und daraufhin wurde der Parteirat aufgelöst und eine neue Landeskonferenz für Ende!um cinberufcn. Der Charakter der Resolution wird noch deutlicher, wenn man die Artikel verfolgt, die Herr Grünhaum gleichzeitig im ״Naicn Hajnt“ veröffentlicht hat. Grünbamn sagt dort ganz offen, daß er den Tendenzen der Leitung mißtraut und den Verdacht hat, daß die Verhandlungen nicht so geführt werden, wie es im Interesse der Zionistischen Organisation notwendig wäre. Alle Diskussionen, alle Aussprachen in London scheinen also fruchtlos gewesen zu sein. Wir glauben, es wäre weit ehrlicher und loyaler;ewesen, wenn Herr Griinbaum nach seiner Rückkehr nach ׳olcn offen cingcst,inden hätte, daß er in London nach Anhörung der Berichte zu dem Ergebnis gekommen ist, daß wirklich wichtige Tatsachen vorlicgen, die cs als eine zionistische Pflicht erscheinen lassen, die gegenwärtigen Vc!haiullii ■:;;׳•! m Amerika mit grollten! Ernst zu behandeln, und darauf bedacht zu sein, sic zu einem günstigen Ergebnis zu führen. Er hätte auch sagen müssen, daß er sich überzeugt hat, daß nichts geschehen ist, was mit den Beschlüssen des Kongrcssesim Widerspruch steht, und daß die nächste Jahrcskonferenz die letzte Ent- Scheidung zu (reffen haben wird, wenn ein Bericht über die Verhandlungen mit den Nichtzionisten und über deren Haltung vorliegen wird. Statt dessen beginnt er von neuem Mißtrauen zu säen, und provoziert, ganz unnötigerweise, eine Krise, die den Zionismus in Polen von neuem in ein Chaos stürzen muß. Es scheint, daß der Zionismus in Polen ohne innere Kämpfe nicht leben kann. Mau bat jetzt eine neue Landeskonferenz für Ende Juni cinberufcn und die Folge wird sein, daß von neuem ein Wahlkampf entbrennen wird, in dessen Verlauf wahrscheinlich, •wie es bei jedem Wahlkampf üblich ist, die Wahrheit wieder in demagogischer Weise entstellt werden wird. Statt gesunder Aufbauarbeit, die der polnische Zionismus blutig notwendig hätte, wird Zwiespalt und Verhetzung in unsere Reihen getragen, wir fürchten, daß die Zeit kommen wird, wo die zionistischen Massen m Polen dieses fortwährenden Kampfes müde werden. Wir sagen, ״wir fürchten“, weil wir nicht wünschen, daß eine Entfremdung zwischen den Führern des polnischen Zionismus und den Massen cintritt. Aber der gesunde Instinkt einer 50 großen jüdischen und zionistischen Gemeinschaft, wie cs die polnische ist, muß allmählich begreifen, daß in diesem Augenblick atifbauendc Arbeit in Palästina und eine Stärkung unserer nationalen Bewegung nur erreicht werden kann durch wirkliche Leistungen und Opfer. Sic wird einen Weg finden, um endlich zu positiver zionistischer Aibdt zu gelangen. Wir haben den aufrichtigen Wunsch, daß dieser Weg über die Einigkeit des politischen Zionismus führt, Es muß aber gesagt werden, daß cs nicht genügt wenn die Exekutive solche Geschehnisse von London aus mit Kritik oder in einen! anderen Fall mit Zustiin* mung begleitet, sondern bei dieser konkreten Angelegen׳• icit zeigt sich wieder, wie notwendig eine wirkliche Inge* renz der zionistischen Leitung auf die Landcsorgnnisatio* nen ist. Eine solche Einwirkung ist aber nur möglich durch persönliche Verhandlungen. Seit Jahren aber hat das das Organisations-Departement in die verschiedenen Lär!« der nicht mehr Delegierte entsandt, die sich nur mit rcirt zionistischen Angelegenheiten befassen. Auch die Lcifcr, der organisatorischen Arbeit und der Finanzierung das Exekutive sind bisher kaum persönlich mit den Landes!« Organisationen in Fühlung gekommen, I>ie Folge dieses mangelnden Zusammenhanges waren auch die fortdau* ernden Differenzen in den verschiedenen Ländern und die großen finanziellen Schwierigkeiten der Exekutive. Man sollte doch endlich schon wissen, daß mit Korrespon« denzen und Zirkularen kaum ein Kontakt herzustelien, noch weniger aber eine Einwirkung und eine Förderung der Arbeit zu erzielen ist. S. K. Rückkehr Lipskys nach Amerika Mr. Louis Lipsky, Mitglied der Zionistischen Exe« kutive, hat am 5. April London verlassen, um in New York die Vorbereitungen für die nächste Konven« tlon der Zionistischen Organisation Amerikas aufm« nehmen. Er hofft, in den ersten Wochen des Monats Juli wieder in London zurück zu sein. Dr. Rappln nach England abgereist Dr. Arthur Ruppln hat New York am 2. April verlasse« und trifft in London am 9. April ein. Das Jewish Agency Komitee der amerikanischen Joden In das auf der New Yorker Konferenz vom 17. Februar eingesetzte Komitee zur Behandlung der Frage der Jewish Agency wurden nach ofii/ieUer Mitteilung folgende Herren von Marshall berufen: Dr. Cyrus Adler, A. G. Becker, (Chicago), Jacob B111 i k o p f (Philadelphia), David A. Brown (Detroit), Dr. Lee K. Fracnkel (New York), Dr. Abraham Simon (Washington), Judgc HoraceSiern (Philadelphia) und Samuel Untermycr (New York). Russische Juden nach Palästina Kon s tant inopc 1. (J.T. A.) Der Dampfer ״Umbria‘* mit 312 jüdischen Flüchtlingen aus Rußland, von denen 120 aus dem Kaukasus kamen, ist vor kurzem aus Konst,mtlnopel nach Palästina abgegangen. Die Auswanderung ans Palästina Im Januar und Februar Jerusalem. (J. T. A.) Während der Monate Januar und Februar haben 439 Juden Palästina verlassen. Eine palästinensische Währung? Wie die Pal Tcl.-Agentur erfährt, hat die Regierung ein Komitee zur Behandlung derFrage derEinführung einer palästinensischen Währung eingesetzt. Vorsitzender des Komitees ist der Schatzmeister der palästincnsischen Regierung, Herr Davis. Demselben gehören noch an: die Direktoren der palästinensischen Banken, unter ihnen Jacobus Kann, der jetzt holländischer Konsul In Jerusalem ist, sowie der Schatzmeister der zionistischen Exekutive, van Vriesland, ferner zwei Araber und der Zolldircktor. Neue Veränderungen In der palästinensischen Beamtenschaft Der Pal. Tcl.-Agentur wird offiziell mitgctcilt, daß der stellvertretende Staatssekretär bei der Palästina- Regierung, Herr Edward Kcith-Roach, als Ver« tretcr der Palästina- Regierung beim Kolonialamt nach London berufen worden ist Es wird angenommen, daß Herr Kdlh-Roach der erste Ratgeber für Palästina-Angelegenheiten iin Kolonialamt sein wird Herr Max N u rok , der Privatsekretär Sir Herbert Samuels und früherer Sekretär der zionistischen Kommission beim Kolonialamt, wurde rum stellvertretenden Staatssekretär bei der Palästina-Regierung ernannt. * Außer dem stellvertretenden Staatssekretär bei der palästincnsischen Regierung Edward Kcitli-Roach sind noch folgende britische Beamte zurückgetreten: Der stellvertretende Schatzmeister Mr. Llttle: der Präsident des palästinensischen Landgerichts Mr. Ongley; der Schwadron-Kommandant der palästinensischen Gendarmerie Licut. Popkcss; der Direktor für die Einwanderung Mr. H. M. Morris und der Gouverneur des Subdistrikts von Bccrschcba Mr. Cartwright. Die Reduzierung der Zahl der britischen Beamten in Palästina geschieht in Ucbcrcinstimmung mit der von der palästinensischen Regierung befolgten Politik der Sparsam« keit Die Gesamtzahl der bei der Regierung beschäftigten Beamten ist um mehr als 100 reduziert worden. Sie beträgt hn April 1924 : 271 gegenüber 377 im April 1921. Die Stadtverwaltung von T e 1 - A w 1 w hat soeben die Benennung einer Straße der Stadt zu Ehren des jetzt in , Tei-Awiw, weilenden Dichters Ch. N. Bialik vollzogen.

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