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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1920-11-20 · Festnummer (20.11.1920) · p. Seite 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
37 (1920)
Issue
Festnummer (20.11.1920)
Date
1920-11-20
Page
Seite 15 (sequence 19)
Language
German
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Seite 15 zu versetzen, wo sie weiter jüdisch leben und fühlen könnte. Fr hat mich immer wieder aufgefordert, in seinem Blatt Feuilletons über amerikanische Wohlfahrtspflege zu schreiben, sodaß langsam in Herrn Heiniich Mendel s. A. nnd anderen der Gedankt zu reiten begann, voreint das Elend zu bekämpfen. .Vis Papier und Arbeiterinangel ihn zwang, diese Rubrik einzuschränken, sah man erst, was die ..W'oehenschrift" auf diesem Gebiet geleistet hat. Man hat das entschiedene Zurückgehen der Vereinstäiigkeit in den letzten zwei Jahren auf viele Ursachen zurückgeführt, aber "das eine vergessen, daß die mächtige Hand durch die Zeitumstände erlahmen mußte, die so viel zum Aufblühen des gemeiunüiz gen Wirkens, namentlich der Frauen, beigetragen hat. Auf diesem. Gebiet ist die Tochter Dr. Blochs, getreu den Traditionen ihrer Eltern, die würdigste Nachfolgerin: ich glaube aber der verehrten Präsidentin des Loupohistä'dter Frnuouveroinos, Frau Rabbiner Dr. Margarethe Gruuwald nicht nahezutreten, wenn ich sage, daß ihre Leistungen ohno den Rat und dieVerbindunger) von Vater und Gatten unmöglich wären. So müssen namentlich die Wiener jüdischen Frauen von ganzem Herzen ersehnen, daß die .."Wochenschrift" eine fröhliche Anierstetiung aueh in d"r Rubrik Wohlfahrtspflege feiere und das Ihre dazu beitrage, zwei politische Strömungen auf diesem Gebiet in treuer Schwesterlichkoit zu ein<-\i. DR. BLOCH - KEHRE ZÜRÜCK! VON DR. HEINRICH SCHREIBER. Seine letzte Schrift ist eine Apologie des Kolnidrei: es trifft sieh, daß ich diese Zeilen kurz vor dem heurigen Kol nidroi-Abend' zu Papier bringe, um einem Wunsche des geehrten Herausgebers dieses Festblattes, der auch bei mir einen Herzenswunsch auslöst, noch bei Zeiten zu entsprechen. Als Dr. Bloch vor etlichen Monaten den Deckel seiner „Wochenschrift" zuklappte, uns also geistig verließ und als er zudem auch körperlich sich über das •roße Wasser entfernte, hat dies offensichtlich viele und unter diesen auch mich wehmütig gestimmt. Mir gehen b eido ab: ich war beiden zugeht n und bin es unentwegt auch jetzt. Ich Aver de mich freuen, innig freuen, "die beiden Aviederzusehen. Nachdrücklich sage ich beide: denn sie umschließt das feste Band der Zusammengehörigkeit, das. was man in politischer Dialektik ein unzerreißbares „Junktim" nennt. Sie gehören zu einander. Avie das Avurzelechte Menschenkind des heimischen Volksdichters zu dem Ali gehört. Das ist ein Bekenntnis, das ich treu im Herzen A-orwahre und es laut an diesem Jubeltage Dr. B L o c h s ablege, weil es mich drängt, ihm bei diesem Anlasse ein trautes Wort A-erehrungSAroller Liebe und Treue zu sagen und Aveil mir beide, er und seine „Wochenschrift", ein gutes Stück eigenen jüdischen Lebens verkörpern, ein Stamm, der im Grunde meiner seelischen Verfassung seine Wurzel schlug und um den sich nachmals meine eigene, ach, so kümmerliche jiidenpolUiseh- Tätigkeil rankte. Wer die Geschichte des Kurienparlaments schreib:, kann Dr.B I o c Ii, den „Rabbi B1 ö c h", nicht vergessen und Aver die Geschichte des zeitgenössischen Werner Judentums schildert, muß ihm ein besonderes Kapitel nd din Ehrenblatt widmen. Eingez wängt in die strenge Regel des Polenklubs als Staatspolitiker, jedoch frisch, iroiiim und frei als JiidenpoliJker, hat er an allen Marksteinen des Judenschicksals unserer Zeit fest und treu die Wacht gehalten, angefangen von dem Tage, als die schärfere Tonart im österreichischen Abgeordnotenhause auch gegen die Juden gellte, als S c h ön e r e r den Antisemitismus des Rektors aller Deutschen nach Wien A-erpi'lanzte, dann weiters als L u eg e r, von dem Juden Fischhof abschwenke uu, die christlichsoziale Partei schuf, um die Stanipiglien- Schnei d e r, die G r e g o r I g s und V e r g a n i s et tutti quanii mit ihrem Monitour und ihrem .Anhang an seine Deichsel zu spannen, als ein B r i m a n u s mit dem Pfarrer Deckcrt das Gift der Verleumdung ausspritzte, als Rohling in ü"er Blutlüge watete und den Judenhaß zur Siedehu/a entfachte. Wer nennt sie alle, die furchtbaren Le; deusstatioJien, die die -luden in den letzten Jahrzehnton zu durchschreiten hatten und die sie nicht zur Ruhe und zu Atem kommen ließen, bis der Krieg" ausbrach, nur um mit neuen. Unsäglichen Qualen auf sie loszuhämmern, den Kelch des Ungemachs bis zum Rand zu füllen.! Und dazwischen formte sieh der neue Guß des Zionismus, der hier in Wien von Theodor H o v i Schliff und Rundung empfing. Wehr und Gegenwehr zeugte und züchtete und einen breiten Spalt in dei: Frieden der Gemeinschaft riß. In allen diesen Kämpfen stand Bloch im erstv'i (Mied, häufig allein und obenan und stellte gehörig seinen Mann. Mit Geistern, wie Siegmund i\Ieypr. mit dem er dem Rechtsschutz der Israelitischen Union Gevatter stand, hat er sich allzumal, weniger und nicht immer mit Dr. Alfred Stern, dem Leiter der ludengemeinde. vertragen. Unermüdlich und unvov wüstllch hat er gegen die Phalanx der Widersacher, gegen die Xüoken und Tücken der Judenhasser mit scharfen blitzblanken' Waffen die jüdische Sache verfochten, den glorreichsten Sieg aber im Falle R <> h i n g errungen, der kleine David, der mit seiner geistvollen kundigen Schleuder den vom Judenhaß aufgeblähten Goliath niederstreckte und sich damit unvevwelkliehen. wissenschaftlichen Lorbeer um die Stirne wand. Daß er dabei der jüdischen Familie des jüdischen Hauses nicht vergaß, mit Hingebung und Zartgefühl auch diese starke Seite des jüdischen Lebens pflegte und streichelte, beweist die Stellung seines Blattes, 'die Vorliebe, leren es sich erfreute, erweist die Tatsache, daß sein Schimmer zur Sabbatfreude und zur Feiertagssthnmung sich wölbte, der, dank :1er unermüdlichen Werbekraft seines getreuen Mitarbeiters Max Schwager, seinen Abglanz auf freudige und leid bewegte» Stunden Avarf. Sein Wort und seine Schrift sind klar, durchsichtig, klangvoll und schlagfertig, sie sprühen von Geist und sind gewürzt mit dem Salze überlegenen Witzes, der auch die Lacher auf seiner Seite hatte. Er wurde -^opulär und diese Volkstümlichkeit, die sich international bis in den neuen Weltteil auswirkte, blieb ihm treu: er hat sie sich erhalten, als er von der Tribüne des -Abgeordnetenhauses schied und auf jene seifte« publizistischen Organes sich zurückzog. Noch ein Detail mag dieses Bild retouohioreu: es gereichte ihm zur Genugtuung, daß der Toch.tercia.nn in Wien eine Kanzel bestieg, die diesem, dank senior Gelehrsamkeit und Beredtsamkeit, an hervorragendster Stelle gezimmert wurde. Er begrüßte es mit Freu-

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