Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 37 (1920)
- Issue
- Festnummer (20.11.1920)
- Date
- 1920-11-20
- Page
- Seite 14 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 ich zu ihm, es wäre Zeit uns das antike Rom anzusehen: das Kolosseum, das Forum Romanum, die Via Appia etc. „Das alles habe ich mir schon gründlich angesehen" — antwortete er mir zu meinem Ersiaun.cn. ,,Wir waren doch immer zusammen" — rief '<oh verwundert aus —, „wann können Sie es schon gesehen haben?" — „Seitdem wir in Rom sind" — entgegnete <?r mir lachend — „habe ich täglich morgens 0 Uhr das antike Rom aufgesucht, und bis Sie mit Gott und der Welt fertig waren, war ich schon wieder da." Als ich hierüber ungehalten war, beruhigte er mich, er werde schon auch mit mir gehen und er war mir ein verständige]- Führer. Die wahre Freundschaft, welcher Bloch fähig is„ habe ich in Folgendem erfahren: Es war in den Neunzigerjahren, die Hetze gegen den Talmud und dessen angebliche Geheimlehre hatte wieder einen Kulmmationspimkt erreicht. Die Wiener Landstube widerhallte von Angriffe]], es lag sogar ein Antrag vor, der Talmud solle von einwandfreier christlicher Seite übersetzt werden, um die Mysterien desselben rat den angeblichen Gehässigkeiten gegen Christentum und Menschlichkeit aufzudecken. Ich drängte nun Bloch 'immerfort, er möge zu seinem Blatte eine Beilage mit einer fortlauionden Uebersetzung des Talmud erscheinen lassen, um so den Judenhassern und Talmudverieümdern' ein Prävenire zu spielen. Er wollte nie darauf eingehen. Es kam so weit, daß ich mit einigen hiefür gewonnenen Mitarbeitern selbst ein solches Blatt — ,,Der Reichsbote" — gründete, welches wöchentlich eine populäre Uebersetzung des Talmud brachte. Diese Arbeit, die sehr zeitraubend und. sehr verantwortungsvoll ist, leistete ich selbst, wälire-nd Leitartikel und Feuilletons den Mitarbeitern überlassen blieben. Un- Avillkürlich erkalteten nun unsere .Beziehungen, es kam so weit, daß wir eine Zeit lang uns nicht zu Gesicht bekamen. Einmal begegneten wir uns unversehens und ich dachte mir: „Jetzt wird es zu einer scharfem Auseinandersetzung kommen!" Es kam aber ganz anders. „Ich bin ganz enttäuscht von ihnen, seitdem Sie das neue Blatt herausgeben" begann er. lächelnd das Gespräch. — „Ja, warum denn" replizierte ich, „Sie kennen ja meine Ansicht bezüglich der Notwendigkeit einer von. jüdischer Seite ausgehenden populären Talmudübersetzung, um endlich den ungerechten Angriffen ein Paroli zu bieten?!" „Das meine ich auch nicht," sagte Bloch ganz ruhig, „sondern ich bin über folgendes enttäuscht. Immer wenn Sie für mein Blatt eine Arbeit lieferten, war der Leser von ihr entzückt: ich dachte nun, was werden das für Glanza.rtikel. sein, wenn der Badener Rabbiner für sein eigenes Blatt schreiben wird; über die schwächlichen. Arbeiten für Ihr Blatt bin ich nun enttäuscht.11 Und er lachte herzlich. — ich mit ihm, denn er hatte Recht. Da ich mit der Talmudübersetzung. vollauf beschäftig! war, hatte ich den anderen Arbeiten kein Augenmerk gewidmet und die ließen wirklich zu wünschen übrig. Nach diesem Zwiegespräch löste sich das Eis der Entfremdung und seither hat sich unsere Freundschaft immer mehr verinnerlicht; ich erkannte, daß Neid oder Eifersucht dem Dr. B1 o c h fremde Begriffe sind und wenn ich zu den vielen anderen Wünschen zu Blochs 70. Wiegenfeste noch einen hege, in welchen ich mich mit einschließe, so ist es der, daß unsere Freundschaft sich dauernd ungetrübt, erhalte. d^: bloch als förderer und zentralisator der jüdischen wohl^ Tätigkeit in wien und Österreich VON CLOTILDE BENEDIKT. In der mächtigen Förderung, die Dr. B l o o Ii bewußt und unbewußt der Wiener gesamten Wohlfahrtspflege angedeihen ließ, ich sage absichtlich der gesamten, weil die jüdische Armenpflege für die öffentliche oft ton- und richtunggebend gewesen ist, erblicke ich das dauerndste Monument, das er sich geschaffen. Dr. Bloch erkannte, daß die Wohltätigkeit das einzige Gebiet ist, auf dem sich alle Parteien des Judentums zusammenfinden- So öffnet er seine Spalten weit den Veröffentlichungen der jüdischen Vereine. Erst durch die „Wochenschrili;", so unglaublich es klingt, erfuhren die hunderte Wiener jüdischen Vereine gegenseitig von ihrem Bestände, wurden langsam, leider sehr langsam jene Vereinigungen nach amerikanischem. Muster angebahnt, die heute als Zentralstellen für jüdische Armenpflege und Weibliche Fürsorge die Wohlfahrtspflege auf gesündere Basis gestellt, mit den veralteten Traditionen des Ghettos gebrochen haben. Ich will viele meiner Glaubensgenossen nicht auf Hex z und Nieren prüfen, ich möchte aber naclirechnen können, wieviel Gelder aus dein Besitz der Reichen in den der Armen geflossen sind, weil sich die Betreffenden, frei nach Goethe zu sprechen, im Wochenblättchen lesen konnten. In keiner Wiener Zeitung nahm diese Rubrik einen so großen Umfang an. wie in der „Wochenschrift". Durch sie wurden reiche Quellen in der Provinz, in Deutschland und Amerika •erschlossen, der Kontakt zwischen Wiest- und Osijudentum hergestellt. Ais Dr. Bloch in Frau Ludmilla W e 11. i s c h und dann in mir zwei selbstlos» uneigennützige Berichterstatterinnen fand, die ke n? Generalversammlung, kein Begräbnis, kernen Nachruf derjenigen vorübergehen ließen, die still und laut zugunsten der Armen wirkten, da hatte die jüdisch« Oeffentüchkeit das Organ, welches der Gesamtheit leider zum Schaden der Armut so fehlt, das Organ der gesamten jüdischen Wohlfahrtspflege. Auch der unermüdliche Administrator Max Schwager hat seinen reicldichen Anteil an diesem mühevollen Wirken. Dr. Bloch hat sich aber nicht damit begnügt, durch sein weitgelesenes Blatt die Arbeitsbiene, die er auf jedem Gebiet ist, zu sein, die das Gute vom Palast zum Massenquartier trägt; eigene Großzügigkeit; und die Beziehungen zu Amerika und seine Publikationen haben ihn auch befähigt, mit senöpferischen Anregungen ans ' Licht zu treten. Wenn ihn drei u n ddre,i.ßig Wiener Vereine zum Ehrenmitgiied ernannt haben, so ist es darauf zurückzuführen, daß ein hingeworfenes Wort Dr. Blochs in einer der Generalversammlungen, die er früher fleißig zu besuchen pflegte,, daß eine in einem Bericht im Blatt angeknüpfte Bemerkung oft den Keim unendlich vieles Guten in sich trug. So will ich nur erwähnen, daS die großartige Schöpfung der Tischnowitzer Ferienkolonien der Frau Sofie Grünfeld auf Dr. Bloch zurückgehen, der diese tatkräftige Frau beschwor, doch die zarte Kinderseele, die in den Ferien fremde» Einflüssen besonders zugänglich ist, in eine Unweit