Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 37 (1920)
- Issue
- Festnummer (20.11.1920)
- Date
- 1920-11-20
- Page
- Seite 16 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 16 den, daß jener es verstand, sieh mit stolzen wissenschaftlichen Erfolgen .selbst die Bahn zu glätten. So ist er auch durch diese Familienbeziehung mit dem Wiener jüdischen Boden innig verwachsen. Heute bückt Dr. B 1 o c h auf ein arbeits- und ehrenreiches Leben im Dienste für die jüdische Sache, iür die Gemeinde und für die staatliche Stellung seiner Glaubensbriider zurück. So stark sein Geist, so kräftig sein Wille sich entfaltet haben, so ländlich und sanft ist sein Gemüt geblieben: da hat er das treuherzige Wesen des Rabbiners nicht abgestreift. Dankerfüllt schlagen daher dem ehrwürdigen und noch viel mehr verehrungswürdigen Mann an seinem .Jubeltage 'die jüdischen Herzen entgegen, für die auch das seine stets warm und kräftig gefühlt und gewirkt hat. Sie entbieten ihm in die Ferne über den großen Teich die innigsten Glück- und Segenswünsche und werden sich freuen, ihn, wenn ihn die schaukelnde Welle wieder zum Gestade der Heimai trägt, ein brausendes Willkommen entgegenzurufen. Wir brauchen ihn in diesen ernsten, trüben Tagen, wir möchten ihn nicht länger missen. Seinen Freunden bangt nach ihm; wer möchte s ch ein schöneres und menschlicheres ■ Zsieben von Anhänglichkeit und ehrlicher Würdigung wünschen? Dr. Bloch — kehre zurück! DER EHEMALIGE DEUTSCH-NATIONALE.. STUDENT TEUTOBOLD») AN DL J. S. BLOCH ZU SEINEM 70. GEBURTSTAGE Yor Jahren schrieb ich Brief um Brief An Sie — vor langen Jahren — Doch leider ging's mit mir dann schief, Mußt" mancherlei erfahren! Heut seh. ieh\s ein: Ich war ein Tepp! Nun schäm' ich mich zu Tode Mit nationalem Hepp-Hepp-Hepp Kam selbst ich aus der Mode. Hab als Studenio nie studiert -- Betätigt' mich politisch — Ich hab' auch niemals proinoAdert Examina sind kritisch. Jawohl, mein guter Dr. Bloch, Mir ward mein Maß gemessen — Die Juden leben alle noch, Die einstens ich gefressen. Mit Schönere r und derlei Herrn Ging ich auf Judenpirsehe, Erlegt hätt' ich mir gar zu gern: Wölf. Bären, Löwen, Hirsche! Doch hatte ich kein Jäger glück, Ich habe nichts getroffen — Die Kugeln flogen mir zurück — Ich war ja meist besoffen! . . . . Die meisten Gegner, die ich fand, Die schätze ich geringe — Doch einer zeigte Mut, Verstand Und eine scharfe Klinge! Der Mann wird heute 70 Jahr? Viel besser solches weiß ich — Ein Irrtum — er ist offenbar Bloß 2 X 35! Der Wodansdienst mit Heil—Heüo Zu seinem Festtag send' ich gern Erwios sich nicht rentabel — Dem Doktor meine Wünsche Ich wetzte mir frisch — fromm — frei ~ froh Und braue mir zu seinen Ehr'n Am Judentum den Sehnabel. Den stärksten aller Pünsche. Zuerst da gab's Spektakel rings, Das diente unser'm Zwecke, Doch dann ließ man mich liegen links In der Cafehausecke. Das Kampfglück, bleibe Ihnen hold, Das niemals ich besessen" — Vergessen. Sie nicht Teulobold — Er wird Sie nie vergessen •..... *) Eiu heute sehr bekannter Dramatiker, der vor Jab.ie.ii allwöchentlich unter dem Pseudonym Teutobolü in der „Wochenschrift", die antisemitischen Auswüchse in paro distischer Form glossierte, sendet uns in alter Weise den letzten Teutobold-Gruß. Der Herausgeber. Verantwortlicher Redakteur: Max Schwager, Wk-n, Ii. - Druck „Adria", "Wien, II. Bez.