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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1920-11-20 · Festnummer (20.11.1920) · p. Seite 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
37 (1920)
Issue
Festnummer (20.11.1920)
Date
1920-11-20
Page
Seite 13 (sequence 17)
Language
German
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Seite 13 PERSÖNLICHE ERINNERUNGEN AN OT- BLOCH VON OBERR'ABBINER \V. REICH IN BADEN BEI WIEN. In einein Buchladen war es. wo wir uns zuerst kennen lernten. Es war im .Jahre 1881, als ich die sehr bescheidene Buchhandlung des Ch. D. Lippe im Lloydhofe in der Praterstraße aulsuchte. Dort landen sieh die jüdischen Gelehrten gewöhnlich zusammen und Herr Lippe, seihst der Gelehrrenzunft angehörend, machte es sich zur Aufgabe, die aufstrebenden jungen Krä.fte anzueile rn und nach |e(der Rdch't]ung hin zu fördern. Dr. Bloch, dazumal Rabbiner in Fioridsdorf, und ich lernten uns also dort kennen, und wir schlössen uns sofort immer intimer aneinander. Ich merkte, daß Dr. Bloch auf seine äußere Erscheinung kein Gewicht lege, daß er sich noch immer so kleide, wie ein dürftig versorgter Studiosus und ich erlaubte mir, üin einmal darauf aufmerksam zu machen, mit dem Bemerken, er sei ja doch Bezirksrabbiner einer Vorstadt von Wien; die Welt sehe doch auch auf das Exterieur, auf Aeußerlichkeit der Kleidung und sie schätze die Mensehen auch nach diesen ein. Hierauf entgegnete mir Dr. Bloch mit blitzenden Augen: „Ich will die Achtung, die ich mir verdiene, nicht meinem Schneider \ erdanken!" Die Zukunft lehrte,-daß er sie tatsächlich nicht seinem Schneider zu verdanken brauchte. Bald nachher begann sein blitzartig einsetzender Aufstieg mit seiner unsterblichen Holle im Rohlingprozesse, mit der Gründung der „Oesterreichischen Wochenschrift" und sclilieBüch mit seiner Wahl zum Reichs r atsabgeordneten. Bei seiner Wahl in das Abgeordnetenhaus hatte Bloch keinen Kampf zu bestehen; die Begeisterung für ihn war noch eine unbegrenzte in jüdischen Kreisen. Bei den späteren Wahlen war durch die Gegenkandidatur des Dr. Byk, der sich mit seinen reichen Rütteln einsetzen konnte, der Kampf ein schwerer, besonders erschwert durch die Parteinahme desP.olenkiubs gegen ihn und durch die Machenschaften der immer mehr vordringenden Luegerkreise. Sehr maßgebend war hiebei die Stellung des Wunderrabbi in der Nähe des Wahlortes von Kolomea. Seine Protektion beherrschte die jüdischen Kreise Der Wunderrabbi war nun offiziell für ihn, jedoch seine Gattin und der Sohn bildölen eine im Stillen wühlende Ünterströmung. Bloch erzähite mir nun mit Vorliebe, wie es ihm durch ein „Thorawörtehen"' gelungen war, den Sohn des Wunderrabbi umzustimmen. Er sagte ihm,' als Abraham von seinem Kampfe mit den Königen siegreich zurückkehrte, begrüßte ihn Malkizedek, und die Bibel erzählt dies mit folgenden Worten: „Malkizedek, König von Salem, brachte Brot und Wem; er war ein Priester "des höchsten Gottes.*4 Dieser Nachsatz gehört eigentlich zum Vordersatz und es hätte richtiger heißen müssen: „Malkizedek, König von Salem, der ein Priester des höchsten Gottes war, brachte Brot und Wein." Unsere Weisen schließen daraus, es sollte mit dem Nachsatz besonders betont werden, nur er, Malkizedek, war ein Priester Gottes, seine Nachkommen jedoch, die sich an der Begrüßung des Gotteskärnpiers nicht beteiligt hatten, sollten dieso Wurdedeshalb auch nicht erben." Tableau!*) i Bloch ist ein geborener Journalist; seine raseho _ Auffassung, schnelle Bea-rbe^tuaig und sein richtiges. Erfassen von Situationen prädestinierte ihn dazu. All das verlangte er auch von seinen Mitarbeitern. Auch ich lernte dies in einer Episode an ihm kennen. Er hat die suggestive Macht der Anspornung auch über mich ausgeübt. Es war eine kurze Zeit vor Ausbruch des Weltkrieges, als die Zerwürfnisse in Albanien Oesterreich und Italien oft aufeinander stoßer* ließen. Der Fürst von Wied, Essad Pascha, Serbien. Montenegro, im Hintergründe die beiden gegeneinander arbeitenden, Scheinbar alliierten Großmächte. Albanien war Tagesgespräch der hohen Politik, dieses geheimnisvolle, bis dahin unbekannte Ländchen. Bloch und ich waren dazumal in Merau; e:-> war an einem Freitag Nachmittag. Ich hatte als Reisefektüre das hebräische Geschichtsbüchlein von Josef Hakohen mit mir und zeigte ihm, was dort über Albanien geschrieben wird; über die Zusammenhänge der alten Geschichte von dem romantischen Häuptling Jv s a n d e r - B e g, der Feste Kroja, vom albanischen Wappen usw. Da kam Bloch sofort in Ekstase. ,,Hören Sie," begann er aulgeregt, „das ist ein Artikel für mein Blatt, schreiben Sie ihn, jetzt gleich, noch vor Schabbos kann er auf die Post komm«») und noch diese Woche wird er erscheinen-" „Aber lieber Doktor" — replizierte ich — „was denken Sie, jetzt ist 4 Uhr, um sechs schließt die Post, um dieselbe Zeit muß ich schon zu Kabbolath-Schabbos, bedenken Sie, wie ist das möglich." Kv lief weg, bracht« Papie.i,. Tinte und Feder, drückte sie mir quasi in die Hand und ich mußte schreiben und er wich uich;, bis alles druckfertig war, lief selbst zur Post — der Artikel erschien zur Zeit und wurde vielseitig besprochen. Bloch ist ein Frühaufsteher. Das ist mir einmal sehr unangenehm zum Bewußtsein gekommen. Wir waren zusammen in Rom. Nachdem wir das neue Rom schon durch einige Tage durchwandert hatten, sagt« *) Blochs Schlagfertigkeit in der Erfindung den Nagel auf den Kopf treffender Gleichnisse in der alten Maggidim-Manier mögen noch folgende zwei Beispiele beleuchten. Man warf ihm auf einer seiner Kandidatentourayes vor, daß er in seiner Jugend in bibelkritischen Arbeiten arge Freigeisterei an den Tag gelegt, habe. ..Bloch antwortete mit folgendem Maschal. Ein Schneider N. N. hatte :ds Anfänger einmal eine Hose verpfuscht. Was tat sein Konkurrent? Er kaufte die alte, verschnitteue Hose auf und hängte sie in sein Schaufenster mit der Unterschrift: ..So arbeite: N. X." Die alte Hose des Dr. Bloch ist /.um geflügelten Wor. geworden. Ein andermal wurde gegen ihn geltend gemacht, sein Gegenkandidat sei der Sohn eines angesehenen llabbiuers. In momentaner Eingebung erwiderte Bloch: „Die Söhne. Aharons, des Hohenpriesters, hätten doch, zumal Moses Söhne hierfür nicht in Betracht kamen, gewiß beraten sein sollen, der eine oder der andere ihres großen Oheims politischer Nachfolger zu werden, ihn in der Abodath cht«, der ä u ß e r e n Leitung desVolkes, abzulösen.Gott bestimm'.e aber: „Können sie sich darauf berufen, die Söhne eines Priesters zu sein, eines Mannes, dem Abodath p'nim. die innere Leitung Jsraels obliegt, so werden sie gewiß dort besser an ihrem Platze sein. Die Politik sollen sie änderen überlassen! Mögen sie auch Priester werden!" Dr. G r u n w a I d-

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