Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 37 (1920)
- Issue
- Festnummer (20.11.1920)
- Date
- 1920-11-20
- Page
- Seite 10 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 DR- BLOCH - EIN KÄMPFER FÜR DIE WAHRHEIT VON PROFESSOR DR. J. M. KLIMONT, WIEN. Der siebenzigste Geburtstag des Herrn Doktor Bloch, kann nicht würdiger begangen werden, a!.-> wenn man diesen'hervorragenden Mann unter der/, einzig umfassenden Blicke würdigt, dal.) er ein Kämpfer für die Wahrheit gewesen, und zwar für diejenige Wahrheit, welche Unwahres selbst dann nicht zugibt, wenn es nur nebensäelilieh ist, welche einen Widerspruch nicht zu begreifen sucht, weil sie dadurch toleranter erscheint, für jene Wahrheit, welche nie!".! für abgegrenzte Gebiete und Zeiträume, sondern überall, und ewig gilt. Wann ich dies als Wesenheit d(-> Charakters des Jubilars, seiner Bedeutung und seines Kuhines hinstelle, so geschieht es, weil solche Kämpen bei jedem Volke selten sind und daher außergewöhnliche Ehrung verdienen. Herr Dr. Bloch trat stets nur.für Tatsachen selbst, nicht für deren Auslegung ein, ob sich diese nun auf Anfeindungen seines. Volkes, auf Unrichtigkeiten der Geschichte oder auf solche der Literatur bezogen. Sein Werk war aber auch durch den Erfolg gekrönt; denn jedermann erwog genau, ehe er Lügen, ja selbst Unrichtigkeiten! oder Oberflächlichkeiten vorbrachte. 1 Herzu war sicherlich großes Wissen erforderlich, 'und wer wollte leugnen» daß Dr. Bloch es in staunenswertem Maße besaß! Ich habe, da es mir gegönnt war, ihm näherzu treten, in stets wachsender Bewunderung die Fülle seiner Kenntnisse zu ehren, seine Beobachtungsgabe zu. würdigen, seinen politischen Scharfblick zu schätzen gelernt und bin dessen sicher, daß alle, weiche des wärmenden Glanzes seines Intellektes teilhaftig wurden, in gleicher Weise wünschen, es möge ihnen vergönnt sein, noch oft seinen Worten zu lau so neu und aus dem Schatze seines Wissens und seiner Menselsenkenütnis noch viel des Edlen als Gescheide zu er. halten. DR- JOSEF BLOCH ALS JOURNALIST VON PROFESSOR DR. HEINRICH LÖWE, BERLIN. Die jüdische Journalistik ist reich und arm» wie mau s nehmen will. Wenn man an die unübersehbare Menge jüdischer Journalisten und Publizisten in allen Ländern und in allen Sprachen denkt, so muß man gestehen., daß das jüdische Volk einen verhältnismäßig weit höheren Anteil an der Tagesschriftstellerei hat, als jede andere Nation. Wenn man aber nach solchen Journalisten sucht, die sich um Juden und Judentum bekümmern, die Sorge tragen um die Geschicke der eigenen Nation, so muß man das direkte Gegenie.il feststellen- Daun gibt es kaum irgendwo eine Kulcurnation, die so wenig eigene Journalisten hat, wie die jüdische. So groß die Zahl der Schriftsteller ist, die wir für alle europäischen und verschiedene andere Nationen liefern, so. erschrecklich armselig ist die Teilnahme der jüdischen Journalistiii und Publizistik an den eigenen Schicksalen und am weiteren Werden des eigenen Volksstammes. Und doch ist schon eine erhebliche Besserung (.'ingetreten. Der wiedererwachte nationale Sinn der Juden sorgt da-für, ■ daß-• -sk-hjefet-atteh- -wiedereingrößerer Teil ihrer Intelligenz jüdischen Problemen und den Stammesinteressen des eigenen zuwendet. Da hat namentlich der Zionismus Waudei geschalten. Immerhin sind wir auch dort erst an einem Anfange. Ganz anders aber war das vor rund einem Menschcnalter und mehr. Da war der Zug aus dem Judentume heraus so stark, daß die eigentliche jüdische Journalistik gleich null war. Die Ansätze aus den Vierziger- und Dreißigerjahreu waren nicht über Anfänge hinausgekommen. Als die antisemitische Flut einsetzte, hatien die Juden ihr nichts entgegenzustellen, als den oft recht zweifelhaften guten Willen, jener liberalen Blätter, die als sogenannte „Judenblätfei— durch die Art ihres Gehabens dem ohnehin werdenden Judenhasse neue Nihnmg und immer wi'ikommene Vorwände geliert h.itv3u. Uaaber nicht als Judenblätter zu erschein an, hüteten sie sieh sehr wohl, sich als .,Judenblätter" zu erkennen zu geben. Daher schwiegen sie in den uli'3<meisiea Fällen gegenüber den judenfeindlichen Ang.;Ufe.*i oder sie taten so, als ginge sie das gar nichts an, und sie waren „objektiv-. Wo sie aber für die Juden eintraten, da geschah das in so würdeloser Weise, daß ihre Verteidigung rAi nicht "weniger dem Juden-um-s schadete als die feindlichen Hiebe. Daneben gab es einige jüdische Wochenblätter, die im Verborgenen blühten und deren engge zirkelter Leserkreis wenig bedeutete. Das Judentum als solches hatte in Mitteleuropa keinen eigentlichen politischen Vcrireter im Journalismus. Da trat J ose! Bloch in die Bresche. Kr wurde nach dieser Richtung hin epochemachend. Er verleitiglo das Judentum nach außen Inn gegen antisemitische Angriffe. Aber ein grundlegender Unterschied seines Eintretens gegenüber der bisherigen Kampfesweise jüdischer und liberaler Tagesschriltsleller war sofort zu buchen. Bloch vergab bei seiner Verteidigung" der jüdischen Ehre nichts. Er fand nichts^ für Wils er um Entschuldigung bitten sollte. Er war nicht fromm. Aber er sah in der tiefen jüdischen Frömmigkeit kein Zeichen der Zurückgebliebenhcit. Er erblickte nicht in dem polnischen Juden den zu verleugnenden Bruder, dessen man sieb, seiner Mundart und seiiief Sitten "wegen" zu" schämen habe. Er stritt mit .dem ganzen Wissen eines jüdischen Gelehrten — der er trotz jedem hätte sein können, w.enn er sich nicht ganz und gar dem Tageskampfe für Juden und Judentum hingegeben hätte — für die Ehre und das Recht der Juden. Ja, er scheute gelegentlich nicht einmal d.;svoizurück, sich als Nationaljude zu bezeichnen. Mit dem großen jüdischen. Wissen, das 'er von der galizischen Heimat, mitgebracht hatte, verband er eine gründliche europäische Bildung' und vereinigte beides mit einem so glänzenden Stile, daß er schon dadurch eine Bedeutung gewinnen mußte. Hierzu kam aber ein Kampfesmut, der seine Worte als von einen.1, starken und mutigen Charakter getragen erscheinen ließ. Ein feuriges Temperament trieb ihn an. Er war der Streiter par excellence. In den Kämpfen gegen Ii o Illing, bei seinem Eintreten für Hilsner, bei seinen zahlreichen Prozessen, bei seiner Wahl zum Abgeordneten und bei seiner Tätigkeit im Reiehsrat erwies er sich als ein ebenso glänzender Redner und Schriftsteller, wie als ein ganzer Mann. Er ging überall von der Verteidigung zum Angr ff über. Tapferkeit