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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1920-11-20 · Festnummer (20.11.1920) · p. Seite 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
37 (1920)
Issue
Festnummer (20.11.1920)
Date
1920-11-20
Page
Seite 9 (sequence 13)
Language
German
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Seite 9 rade die Zeit des Anwachsens der antisemitischen Hochflut, die nicht nur die Juden, sondern gleichzeitig auch die jüdische Kultur und das ganze jüdische Schrifttum in den Kreis ihrer lügnerischen und böswilligen Angriffe zog. Es tat Not, einen Mann in die Schranken treten zu lassen, der, durch Geist und Wissen befähigt, den Feinden erfolgreich entgegenzutreten vermochte. Die Wahl traf das galizische Judentum, in dem aus seiner Mitte gekommenen und in seinem Beth-ha-Midraseh großgezogenen Doktor Bloch. Der junge, noch wenig bekannte Rabbiner der kleinen Floridsdorfer Gemeinde — Dr. Bloch war damals noch kein Abgeordneter — unternahm es, den einflußreichen und angesehenen k. k. ord. Prof. der Prager Universität August Rohling, der seil Jahren in seinen Schriften Juden und Judentum verunglimpfte, zum Kampf herauszufordern, ihn in einer angesehenen Wiener Tageszeitung als krassen Ignoranten, Lügner, Verleumder uud Meineidigen öffentlich zu brandmarken und ihn auf diese Weise zur Einbringung einer Beleidigungsklage und zur gerichtlichen Austragung zu zwingen. Wohl ist schon früher mancherseits schriftlich Rohling entgegengetreten worden. Dr. B I o c h wußte es aber, daß literarische Fehde nicht so selir den breiten Massen bekanntwird und nicht so objektiv durchgeführt werden könne, wie Verhandlungen vor dem Forum eines öffentlichen Geyehwornengerichtshofes. Dr. Bloch, der inzwischen zum-Abgeordneten gewählt worden war, zwang R o hing zur Klage. Die ganze"Kiillurwe.lt lauschte mit angehaltenem Atem dorn Gange dieses berühmten Prozesses und verfolgte ihn mit außergewöhnlicher Aufmerksamkeit in allen seinen Phasen. Auf der Bank der Angeklagton saßen freudig und freiw.ill.ig zur Klärung der Walirhe.it, in der Person des Dr. Bloch das Judentum und das ganze jüdische Schrifttum. Der Ausgang dos Prozesses ist bekannt. Unter der Wucht der Gegenbeweise zermalmt, sah sich R o Ii I i n g genötigt, die Klage zurückzuziehen. Entehrt als Ignorant. Verleumder und Meineidiger lag der .Judenfeind zu Füßen Dr. Blochs und des -ganzen Judentums. Die Prozeßakten Rohling kontra Bloch sind die unvergänglichen Zeugen für-die unsterblichen Verdienste Dr. B 1 o c h s im Kampfe für die Ehre des Judentums und seines Schrifttums. Mit Dankbarkeit und Bewunderung schaute die ganze jüdische Welt zu ihrem großen Kämpfer empor. Kein jüdisches Haus gab es auf dem ganzen Erdenrund?, in das nicht der Ruhm Dr. Blochs gedrungen. Er gehörte nicht mehr seinen galizischen Wählern allein, sondern dem ganzen Judentume. Das 1887 in Warschau erschienene angesehene literarische Jahrbuch „Ivneset Israel" brachte die Biographie Dr. Blochs samt Bildnis und darüber die bezeichnende Ueberschrift „I-Iarab et ribenu", d.h. Der Streiter unseres Streites. Die Persönlichkeit und Bedeutung Dr. Blochs wuchs mit jedem Tage. Eine Rede Dr. Blochs im Parlamente galt als Ereignis, dem nicht nur die ganze Judenheit. sondern auch ein gut Teil der nichtiüdi- :schen Kulturwelt aufmerksam lauschte. Wie Keulenschläge trafen seine Worte die Feinde des Judentums. Selbst die Gegner vermochten nicht seinem stolzen jüdischen Bewußtsein, seinem mannhaften Auftreten wie seinem umfassenden Wissen die gebührende Achtung und hoho Wertschätzung zu versagen. Freund und Feind sah in ihm einen der bedeutendsten Juden seiner Zeit. „Rabbi Bloch" galt als der Jude kar exoehen. Er war der Beschützer und Wächter der jüdischen Ehre. Sein Einfluß und seine Bedeutung w vKten weit h naus über die Gemarkung der österr.-ung. Grenzpfähle. Ueberau", wo es jüdische Ehre zu verteidigen und zu schützen gab, holte man beim Wiener Abgeordneten Dr. Bloch Rat und Unterstützung. Unermüdlich in Wort und Schrift, war er stets mit seiner überragenden Autorität am Werke, wenn es den Interessen der Juden und des Judentums galt. Dreimal, in den Jahren 1880, 1885 und 1891 ging Dr. B loch nach schweren und erbitterten Kämpfen aus der Wahlurne als Sieger hervor. Mehr als zwölf Jahre währte sein fruchtbares und verdienstvolles Wirken im österreichischen Parlamente für die Ehre und das Wohl seines Volkes. Nach mehrjähriger Unterbrechung bewarb sieh Dr. Bloch wieder um ein jüdisches Mandat im Wahi- ' kreise Sokal-Beiz. Es war im Jahre 1907 nach Einführung des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechtes. Ich stand damals als jüdisch-nationaler Mandatworber m Wahlkreise Brzezany-Rohatyn in hartem Kampfe in der Stichwahl mit dem späteren Minister Dr. Dille mba. Dr. Bloch stand damals als Mandatswerbor zwar nicht in unseren Reihen, aber hart neben uns. Wir unterstützton seine Wahl auf jedmögliche Weise. Ich bereiste damals seinen Wahlkreis und war tief gerührt von der Hingebung und dem geradezu fanatischen Opfermut, m t dem die jüdischen Massen an ,,ihrem- Dr. Bloch hingen. Alle Leiden und Qualen, die sie durch diese Anhängerschaft erdulden mußten, wurde ihnen reichlich "durch die. Hoffnung aufgewogen, Dr. B 1 o c h als ihren Vertreter im Parlamente zu sehen- Diesmal jedoch war der,, selbst in den Anna- Jen der berüchtigten „galizischen Wahlen" beispiellos dastehende Terror und die von den Lomberger jüdischen Assimilanten ausgehende im Verein mit den. Behörden geübte Korruption stärker als der jüdische Volkswille. Dr. Bloch erlag im Kampfe. Die Assimilation brachte es leichten Herzens über sich, einen über TU Prozent jüdischer Wähler zählenden Wahlkreis sowie auch andere jüdische Wahlkreise, eigener ihr anderwärts zugesagter Vorteile wegen, an Nichtjudeu auszuliefern. Wenn auch fern und abseits vom parlamentarischen Getriebe, wirkt Dr. I> I o e h noch immer ununterbrochen für Juden und jüdisches Interesse. Während der letzten Jahre sah mau ihn unermüdlich an der Arbeit für das Wohl der unzähligen jüdischen Opfer dieses furchtbaren Krieges. Die Redaktionsstube der „Oest. Wochenschrift" war ein Sammelpunkt jüdischer Tränen und jüdischen Leides, die er nach Möglichkeit zu lindern gesucht. Möge es ihm gegönnt sein, noch viele Jahre unter uns zu weilen!

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