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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1920-11-20 · Festnummer (20.11.1920) · p. Seite 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
37 (1920)
Issue
Festnummer (20.11.1920)
Date
1920-11-20
Page
Seite 8 (sequence 12)
Language
German
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Seile S DL BLOCH ALS ABGEORDNETER VON DR. SAMUEL RÄPPAPORT, BADEN BEI WIEN. Der im Jahre 1883 erfolgte Einzug Dr. Blocks ins österreichische Parlament bildet einen Markslein in der politischen Geseliielite der galizischen Judenheit, Genau genommen, war Dr. B I o e Ii der eigentlich erste wirkliehe Vertreter der Jaden in der österreichischen gesetzgebenden Körperschaft. Wohl gab es daselbst auch, früher und gleichzeitig mit ihm .luden, die jüdische Mandate innehatten.- Im Parlamente jedoch waren sie eher alles andere als Vertreter der Juden. Unter vers<-luedenen Flaggen, als Polen, Deutschi'. Liberale usw. segelnd, wollten sie nach vollzogener Wahl zumeist an die Pflichten dem jüdischen Volke, als solchem, gegenüber gar nicht gemahnt werden. Durch manche Gefälligkeiten und sporadische Interventionen zu Gunsten einiger emfluß reicher Wähler — was übrigens auch viele niehtjüdisehe Abgeordnete nicht sehen und nicht ungern besorgtem — glaubten sie; ihren Pflichten vollauf Genüge geleistet zu haben. Verdankten sie doch eigentlich zu allermeist ihre Mandate nicht dein freien Willei] ihrer jüdischen Wähler, sondern dem mein oder weniger rücksichtslosen Drucke und den 31achenscliaften einer geiügi&'ei Behörde, sowie der Korruption einiger gut bezanlte.r Kahalspolentaten. Der an_ie, m Elend und geistiger JCneehtschaft lebende galizische Jude erfuhr es kaum, wie sehr man in seiner Bürgerrechte beraubte und Avie man seine vitalen Interessen an ehrgeizige, ihmseelisch fremd und seinem. Interesse gleichgültig gegenüberstehende Streber verschacherte. Eine Ausnahme hiervon machte zwar der Vorgänger Dr. Blochs, der Kiakauer Rabbiner Simon Schreiber. Er Avar grundehrlich, fromm und gelehrt. Ohne jede moderne Schulung nicht in der Lage, parlamentarischen Verhandlungen folgen zu können, hatte jedoch seine Anwesenheit im Parlamente während seiner kurzen Mandatsdauer mehr dekorativen und prinzipiellen Charakter und blieb im übrigen ohne jede Bedeutung und Einfluß. Dr. Bio ch Avar der erste, der die galizischen Juden aufgerüttelt und sie auf ihre ihnen gesetzlich ge- Avährleisteten Bürgerrechte sich" zu besinnen gemahnt hat. Wie durch eine höhere Sendung berufen, drängte es ihn, Vertreter und Sprecher der Juden im österreichischen Parlamente zu Averden. Ohne schweren Kampf jedoch war das Ziel nicht zu erreichen. Turmhohe, fast unüberwindliche Hindernisse, standen ihm entgegen- Diesmal, Avie auch bei seinen späteren Wahlen, sah er sich gold- und beziehungsreichen Konkurrenten gegenüber, die, unterstützt von einer Schar bezahlter WSahlhyänen, im Kampfe keine Rücksicht kannten und keine, noch so häßlichen Mittel scheuten. Der mittellose Floridsdorfer Rabbiner A'ermochte weder Geld noch hohe Beziehungen, dafür aber innige Liebe zum jüdischen Volke, reiches, tiefgründiges,, jüdisches und Aveitlieh.es Wissen, unbeugsamen Willen und Mannesmut soavj'c ehrliche, ausdauernde Arbeitsfreudigkeit für die jüdische Sache seinen Wählern als Wahlargumente zu bringen. Die Masse empfing ihn mit Jubel. Die Herzen aller schlugen ihm mit heller Freude entgegen. Doch die Gegner ruhten nicht. Terror und Korruption Avaren fleißig und unermüdlich am Werke. Der Kampf ward erbittert und rücksichtslos gefüiirt. Der Wahl kämpf Dr. Blochs Avard sozusagen über Xacbt zur jüdischen Sache. Der gute und edle Teil der galizischen. Judenheit identifizierte sieb mit derselben. Zum erstenmal sali man hier, im Kampfe für Doktor B1 o c h, die große Masse "der galizischen Judenheit sich auflehnen gegen die Vergewaltige!* und Räuber ihrer bürgerliehen. Rechte. Die Wogen der BegeisterunEr gingen hoch und rissen lawinengieich die Massen mit sich. Um den Sieg Dr. Blochs zu sichern, mußte auch der Himmel mit in die Reihe der Kämpfer gezogen Averden. Die jüdische Masse griff zu-den alten, hi den Zeiten der Not stets gut bewährten, frommen Mitteln. Es wurde für den Wahltag Fasten und inbrünstiges Psalmensagen in den Bethäusern angeordnet. Auf " den Friedhöfen sah man unzählige Frauen, auf Grübern Inngestreckt, unter Weinen und Jammern die Toten aufrufen, daß sie vom Mm irdischen Vater der. Sieg Dr. Blochs erflehen. (Bilder die man nur noch 1907 AA^ährerid des großen zionistischen Wahlkampfes in Galizien wieder sah.) Unvergeßlich und. Irisch blieben mir bis heute manche Eindrücke aus jener großen Zeit. Ich Avar dazumal ein Kind von etAva 9 Jahren. An einem Sabbat Avar es, als Dr. B 1 o c h auf der Reise nach seinem Wahlkreise in der großen, sogen. Vorstadt-Synagoge in Lemberg zum Morgengebet erschien und neben meinem Vater, der Vorstand dieser Synagoge AA*ar, an der Ost wand Platz nahm. Die Synagoge, die Raum für einige tausend Personen hat. Avar buchstäblich zum Ersticken Aroll. Tausende Per sonen standen draußen, da sie keinen Einlaß finden konnten. Alles drängte sich, um einen Blick des großen Gastes zu erhaschen. Ein Zittern ging durch die Menge, als Dr. B loch zur Tor ah gerufen und durch das spontan, nicht ohne Mühe, gebildete Spaller die Stufen zum Ahnemor emporstieg. Lautl.cs lauschte alles den Worten des Scgensspruches, den er feierlich nach traditioneller Art vortrug. Jeder Avollte die Stimme des Großen in Israel, zu dem die Augen aller in Lieb«? und Ehrfurcht emporblickten, hören. Am Abend verließ er die Stadt. Er ging in seinen Wahlkreis: der Wahlstatt" des bevorstehenden schweren Kampfes. Am Wahltage herrschte ungewöhnliche Bewegung. Die Gemüter Avaren rah ruhig und gespannt. Gegen Abend ging alles aiü den Ringplatz, avo man durch die im Rathause einlangenden telegraphisehen Berichte den Wahlausgang erfahren konnte. Ich bat meinen Vater mitkommen v/u dürfen; auch, ich konnte mit meinen neun .Jahren nicht teilnahmslos ruliig zu Hause bleiben. Ich'AVußte es, ein f ür das Judent um Aviehtiges G e- S c h eben soll heute entschieden w e rd e n. Der große Lern berger Ringplatz wimmelte von einer ungeheuren Menschenmenge. Von Spannung un'd Unruhe getrieben,--schickte man alle Minute einen Boten in die Rathauskanzlei, zu erfahren, ob schon Berichte aus dem Wahlkreise Kolonien-B uezaez angelangt seien. Plötzlich ging eine mächtige Bewegung durch die Menge. Stimmen Averden laut: „Hurrah Dr. Bloch!" Vom Balkon verkündete ein Mann mit fast übermenschliche]- Stimme: Dr. B 1 o c h sei im Wahlkreise Kolomea-Buczacz mit überwiegender Mehrheit gewählt. Was jetzt geschah ist nicht zu beschreiben. Wie mit eruptiver GeAvalt brachen laute Freude und Jubel empor, die bis zum Morgen kein Ende nehmen Avollten. Grund zur Freude Avar genug vorhanden. Zum ersten Mal ist in Galizien bei Wahlen freier jüdischer VolksAville zum Durehbruche gelangt. Das jüdische Mandat Avar in berufenen Händen geborgen. D r. ß loch saß i m ö s t er reie hi-s che n P a r 1 a m einte nicht nur als M andat a v seine r W ä hier, sondern g 1 e i c h z e i t i g a 1 s V o r t rete r d e s J u dent u m s. Es Avar go-

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