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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1920-11-20 · Festnummer (20.11.1920) · p. Seite 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
37 (1920)
Issue
Festnummer (20.11.1920)
Date
1920-11-20
Page
Seite 5 (sequence 9)
Language
German
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Seite 5 einen Hand ein Predigtmanuskript, mit der anderen den Kinderwagen schiebend. Er gab seinen Kindern smeli später , ohne jedes, Training den imermiidliehen Begleiter' auf den gewagtesten Bergtouren ab. Bas Wort ..TTnmöirlioh" hat nie in seinem Lexikon gestanden. So wagte er sieh denn als junger Mann von Jahren an ein Werk, das die Haupttat seines bisherigen Lebens bildet und ihm in der Ehrenhalle des J7u]enfrims für alle Zeiten einen der erlesensten Plätze, aber auch in", der Geschichte des Kampfes gegen religiöse Verhetzung ein . goldumrändertes. Blatt sichert. An einem Jiüi'morgeh des Jahres 1883 erwachte er als beriihmfet Mann... '• . : . Bis dahin hatte sich sein Ruf als der eines geistvollen und scharfsinnigen Forschors auf die jüdische Gelehrtenwelt-' und den Leserkreis jüdischer Zeit- •schrü'ten beschränkt. Außer Aufsätzen in Wochen schvifien"waren als selbständige -Arbeiten von ihm. erschienen:, ..Ursprung"und' Entstellung des Buches Koholet", Bamberg 1872: „Studien zur Geschichte der Sammlung der althebräischen Literatur", Leipzig 1875; „Die Juden: in Spanien", Leipzig 1870: „HellenisUscho Bestand teile im' biblischen Schrifttum", Wien 1S80; „Quellen und Parallelen zu Lessmgs Nathan'-, Wien 1880: „Jean Bodin,. ein Vorläufer Lessings", Wien 1882 und „ G e g e n d .1 e A n t i s e m i t e n", Wien 1882. - - '' ' V ' / ' '' Mit .dieser Abwehrschi-ift war Bloch In eine Fehde eingetreten, die. sich" bis dahin nur auf-'literarischem Boden bewegt hatte, in' den Kampf zwischen den Juden und-ihröllyGegiiern um die Feststellung, ob die IUIilaImordanklage 'im jüdischen. Schrifttum ihre Begründung finde, ^icht nur jüdische''Gelehrte, sondern selbst eine so unanfechtbare' Autorität im christlichen Lager, wie F r a ti z D e. I i ( z s c h, hatten diese Anklage zur krassen, bodenlosen Verleumdung gestempelt. Diese Methode der Abwehr erwies sich aber dem Ansturm des Antisemitismus gegenüber als völlig unwirksam. Nur e i n Mittel konnte zum Ziel führen. Bloclrs Verdienst ist es, diesen Schachzug versucht und glänzend durchgeführt zu haben. Gegen den Haupt Wortführer der Judenfeinde, Rohling, Professor an der 'Prager theologischen Fakultät, erhob er in einer Reihe von Zeitungsartikeln die Anklage dos M eine i d e s. An den Vorsitzenden des Gerichtshofes im Prozesse Tisza-Eszlar hatte nämlich. Rohling ein Schreiben des Inhaltes gerichtet, daß er bereit sei, .zu beschwüren, dat.! die Ermordung christlicher Kin- . der, um ihr Biut zu rituellen Zwecken zu verwenden, im jüdischen Schrifttum als religiöses Gebot gelobri werde. Diese Erklärung hatte ein ungeheures Aufsehen hervorgerufen. Ein vom österreichischen Staat als Universitätsprofessor berufener und besoldete:' Fachgelehrter trat mit seinem Eide für die Wahrheit •einer Behauptung auf, die, wenn zutreffend, das Judentum als gemeingefährlich darstellen und die ganze Christenheit zum Kampfe gegen die Juden auf rufen mußte. Und dieser Kronzeuge der Ritualmordboschuldigung wurde von Bloch öffentlich nicht aibin als in diesen Dingen durchaus unwissend bezeichnet, sondern geradezu des bewußten, böswilligen Meineides beschuldigt. R o h 1 i n g konnte nicht ausAveichen. Er mußte klagen. Und diesem Goliath in den Augen aller Judenfeinde trat als David der bis dahin in den weitesten Kreisen unbekannte kleine Rabbiner Dr. Bloch entgegen. Nichts anderes war seine Waffe, als sein Wissen und seinGewissen! Mit welcher Umsicht er sich in dem trefflichen Dr. Kopp einen Anwalt, wie er sich in N u I d e k e nnd W ü nsche die wirksamsten Zeugen; gewählt. mit welcher sieghaften Treffsicherheit er den übermächtigen Gegner zur Strecke brachte, das verdient ein eigenes Kapitel. Das Wiener Schwurgericht, vor dein der Prozeß Rohling- Bloch ausgeioeh'en werden sollte, wurde vom Ankläger unter allerlei Ausflüchten von Termin zu Termin hingehalten. Endlich war für die Verhandlungen als unwiderruflich der 28. November 1885 festgesetzt worden. Man kann, es sieh lebhaft ausmalen, muß es aber doch sich von Zeugen jener Vorgänge bestätigen lassen, unter welcher Spannung, damals weil über Wien hinaus alle Welt auf den Ausgang des Prozesses gespannt war. Fi o h 1 i n g zog seine Anklage zurück und wurde 'Air Tragung der sehr bedeutenden Prozeßkosten verpflichtet Das war für ihn ein klägliches Fiasko, iür Bloch und damit für das gesamte Judentum ein Sieg nicht etwa nur von temporärer Bedeutung. Die Dr. Josef S. Bloch schlägt Rohling in die Flucht. Zeitgenössische Karrikatur von F. Graet: von Bloch herausgegebenen ..Akten und Gutachten im Prozesse R o h 1 i n g - B 1 o c h" liefern vielmehr die wertvollsten Bausteine zu einer wahren Apologetik'dos Judentums. Eine Fundgrube hie für bietet auch die 1883 von ihm ins Leben gerufene Oestorrcichische Wochenschrift", deren Bedeutung für die Pflege jüdischen Geistes erst ein späteres Gesohlecht wird vollwertig einschätzen können. Wieviel Begabung und Gesinnung aber auch immer aus ihren Blättern spricht, den Glanzpunkt bilden doch die Leitartikel aus der Feder des Herausgebers, unverkennbar B i o c h'seher Feehsung in jeder Zeile. End mit welcher Mühe, welchem Aufwand von persönlichen Opfern, ganz besonders auch seiner Gattin, legte Bloch den Grund zu diesem Work, in dem das jüdische Leben in Oesterreich seit Jahrzehnten seinen getreuesten Spiegel findet. Doch einen womöglich noch höheren geistigen Genuß gewährt die Lektüre seiner P a r l a m e nl s-

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