Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1920-11-20 · Festnummer (20.11.1920) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
37 (1920)
Issue
Festnummer (20.11.1920)
Date
1920-11-20
Page
Seite 6 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/3020846-3022397-3022398--28177-3161212
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 6 r e d e ri. Man liest sie wie ein B 1 e i b 1 r c u'sehcs Seldachtenbild. JSüt der gleichen Spannunix verfolgt man Zug und Gegenzug. Nur daß hier nicht Schwer', auf Schwert, sondern Geist au£ gei'stieindlich'e Roh-' lieit, Schlagkraft einer edlen Sache auf Verscldy.göne Winkelzüge reagiert. '; Dreimal, 1884, 1885 und 1801, wurde B ioc ii ins österreichische Parlament .gewählt. Was er :dort 'als befürchteter Gegenpart der Judenfeinde, durch sein_unerschrockenes Aultreten mit dem ganzen, stete sehari geschliffenen Rüstzeug souveräner- Beherrschung des jüdischen Schrifttums wie der jüdischen Geschichte geleistet, wie er, ohne jem.a lg si c h, e i n e n 0 r dnungsruf zuzuziehen,, den. Gegnern zu Leibe .ging, wie er auf der anderen Seile, im eigenen Lager .die Fahnenflucht, die feige Assipol]iöHings*ueht gegeißelt, wie er als erster die- Juden /.u einer rein. jüdischen Politik aufgerüttelt hat, das kann ihm niemand vergessen, der seine leuchtenden Taten anders als mit den Augen kleinlichen Neides oder,, schäbigen Schmarotzertums betrachtet. Seine Verständnisvollen Freunde und Förderer aus den Tagen eines Fis.ehhof und Ignaz Kur an da, sie liegen draußen aui dem Friedhof. Was übrig geblieben, hat für seine Größe das Augenmaß verloren. Wie viele dieser Zwerge 1 iahen ihm redlich das Lehen verbittert!■ Darunter so manche Geister, die er selbst gerufen ... Mit dem Eintritt in die. parlamentarische- Tätigkeit hatte Bloch sein rabbihisehes Ami ausgegeben. Für die Welt, besonders aber "für:seine Gegner blieb er der „Rabbi" Bloch. Und er hatdiesen Titel-, wie kein zweiter, auch später außerhalb des Abgeordnetenhauses zu Ehren gebracht. Wie ein Jahrzehnt vorher gegen einen Rohling, erhob er, der einzig dazu Befähigte, sich gegen; " das Konsortiuni Deckert, Mayer und den-Herausgeber des „V aterlan d", die R oh 1 i n g s geistiges Erbe angetreten hatten. Sein Einsehreiten-' erwirkte ihre-- Verurteilung. Den vereinten Bemühungen der Regierung,-. <{.ir.' Ghristlichsozialen und 'des 'Polenklubs gelang" es,' eine Wiederwahl Blochs in den Reichsrat zu hinter treiben. Trotz aufreibender Arbeit als Abgeordneter und. . HerausgebeL* der ,,Wochenschrift" hatte er Zeit gebunden,seine F o r.s <rh e r a r b o i t iorczuseizen. Er •veröffentlichte: ' - ". - ,,Prof. Rohling und das Wiener Rabbinat", Wien 1882-1888; „Die Arbeiter bei Griechen, Römern und •Pälästiiiern'", Wien 1882; „Elementarschule oder Evziehiihg.swe'sen :bei den alten Völkern", Wien - 1883;. Armenpflege und Heimatsreeht, eine, sozialetaimmlisc'lie Studie:',; Wien 1884; „Einblicke in die Geschiente der Entstehung der' talmirdischen Literatur", Wien 1884; „Des k. k."Prof."Rohling neueste Fälschungen"-, Wien 1885; „Aus' 'der. Vergangenheit für die Gegenwart", Wien 1880: „Der nationale Zwist und die Juden -in Oesterreich", Wien -188G; „Akten und Gutachten ira Prozesse Rohling-Bloch", Wien 1892; „Open lettor to \ly Esteemed Colleagues of the llalian Parliamani", London 1895 .(auch italienisch und deutsch veröffentlicht); „Talmud, und -Jüdenthum m der ösierr. Volksvertretung-', Wien 1900. in den letzten, zwei- Ja'hrzehnton widmete sich unser Jubilar ausschließlich seinem journalistischen Bernde, sowie einer staunenswert ausdauernden Hilfstätigkeit für notleidende Stammesgenossen, vor allem seine galizis.chen Landsleute;. Jeder von ihnen führt sich natürlich, bei ihm damit ein, daß sein Großvater /bei irgend' einer Reichsratswahl für Bl och agitiert oder wenigstens seine.;Tante für ihn gebetet habe. Einen Besuch bei seinen Anverwandten in A m er i k a schilderte Dr. B I o e h in Vorträgen, die 1Ö12 .im Druck erschienen'sind.• Das \iel umstrittene „Kol j^idre1' behandelte er 1918 in einer. Broschüre, da) alle ..Vorzügeseinestief eindringenden Blickes und seiner lichtvollen , Darsiellungsgabe aufweist. Nun -weiher wieder, und zwar in einer humanitären Aktion zugunsten der ostjüdisehen Kriegsopfer. , in -Newyork. Dort soll, er am 2U. N o v e m b e r .1. J. seinen 70. Geburtstag feiern. Wir, die wir ihm dies* .Festesga.beüber das Weltmeer senden, werden au .diesem seinen Jubel- und Ehrentage im (leiste bei ihm sein. Und so sehr wir ihn. in unsere Nähe zurückwünschen und so freudig wir seine Rückkehr erwarten, die er für diesen Winter in Aussicht gestellt hat, so herzlich gönnen wir ihm die Anerkennung, die ihm Dr.Josef S. Blodi<X> als Abgeordneter des österreichischen Parlaments (1881—1894)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.