Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
- Volume
- 1931-1932
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 89 (sequence 89)
- Language
- German
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Die Beratungen wurden mit der Aufstellung eines provisorischen Programms, in dem als Zweck der Agudas Jisroel die Lösung der jeweiligen jüdischen Oesamtheitsaufgaben im Geiste der Ueberlieferung formuliert wurde, beendet. Einem provisorischen Kommitee mit dem Sitz in Fankfurt a. M. wurde die Aufgabe, Landesverbände und Ortsgruppen zu bilden, und die Vorbereitungen zur ersten K n e s s i o G e d a u 1 o h für den August 1914 zu treffen. In großzügiger Propaganda erweiterte sich der Kreis der Anhänger mehr und mehr, selbst ein Teil der lange widerstrebenden Chassidimrabbis mit ihrer großen Gefolgschaft waren gewonnen, und mit gespannten Erwartungen sah man dem ersten Kongreß entgegen, als der Ausbruch des Krieges zur Einstellung der Arbeiten zwang. In der nun folgenden vierjährigen Epoche wurden die Beziehungen von Ost zu West um so enger geknüpft, als die Berührung mit der ursprünglicheren ostjüdischen Kultur infolge des breiten Rahmens, den der Weltkrieg vermittelte, zu gegenseitigem Verständnis der Eigenarten und dem Gefühl innerer Verbundenheit führte. Der Mangel jeglicher organisatorischen Durchbildung hatte bei der veränderten politischen Konstellation die Schlagkraft der orthodoxen Massen nicht zur Entfaltung kommen lassen; Schäden, die sich aller Orlen zeigten. Mit um so größerer Energie unterzogen sich der Kölner . Rabbiner Dr. Emanuel Carlebach s.A. und Rabbiner Dr.Kohn, Wien, der Aufgabe, die Kräfte zusammenzufassen, und wenn ihre uneigennützige Tätigkeit ihnen auch viele Anfeindungen einbrachte, so darf heute mit Befriedigung festgestellt werden, daß sie überaus segensreich war, und das feste Gefüge der Agd. Jisr. im Osten mit ihrer Arbeit verwurzelt ist. Der Einfluß des Ostens war es andererseits, der bald nach Beendigung des Krieges zur Verlegung der Zentrale nach Wien führte, wo sie bis auf den heutigen Tag blieb. Hier fand dann vom 16. bis 20. August 1923 die erste Knessio Gedaulo statt, jene erste denkwürdige Konferenz der orthodoxen Judenheit, an der Vertreter aus fast allen europäischen und außereuropäischen Ländern teilnahmen. Der greise Führer Rabbi Meier H a k o h e n aus Radin — bekannt unter dem Namen seines moralpädagogischen Buches Chofez Chaim —, an seiner Seite , die bedeutendsten talmudischen Großen der Jetztzeit bildeten das die Versamm- 89