Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
- Volume
- 1931-1932
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 88 (sequence 88)
- Language
- German
- Belongs to
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worden. Der Gedanke eine selbständige, von anderen Einflüssen unabhängige, Vereinigung aller thoratreuen Juden zu schaffen, ist im Schöße der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums Deutschlands" gereift. Diese selbst, noch eine Gründung« des großen Frankfurter Rabbiners Samson Rafael Hirsch s. A., war auf engem Gebiet durch Sammlung und Zusammenschluß aller thoratreuen Elemente bemüht, überall die gesetzestreuen Belange in der Oeffentlichkeit, vor Behörden, zu vertreten, damit so auch dem Einzelnen die Möglichkeit zur Erfüllung seiner religiösen Pflichten gegeben würde. Sie hat, in diesen Bahnen sich bewegend, während des Weltkrieges unendlich Segensreiches geleistet. Da demnach die Keimzelle für die neue Organisation in der „Freien Vereinigung" lag, ist begreiflich, daß die dort führenden Kreise zunächst auch in der Agudas Jisroel an hervorragendster Stelle standen. Insbesondere war es der Hamburger Historiker Isaac H a 1 e v y, bekannt durch sein kritisches Geschichtswerk Dorot Harischonim, der zu den Verhandlungen mit den Führern der breiten orthodoxen Massen der östlichen Länder geradezu prädestiniert schien. Selber aus dem Osten stammend, halte er als Gelehrter mit immensem talmudischen Wissen nicht nur die Beziehungen zu den großen rabbinischen Autoritäten seiner Zeit, insbesondere zu dem berühmten, einflußreichen, von Kennern aller Welt als Gaon der Diaspora anerkannten und verehrten Rabbi Ghaiin Soloweitschick in Brest Litowsk, er selbst war gewissermaßen der Garant, daß das Programm der neuen Bewegung den religiösen Forderungen bis ins Kleinste entsprechen werde. Dieses etwa zwei Jahre währende Vorbereitungsstadium war soweit gediehen, daß im Mai 1912 die Kattowitzer Tagung, als erste Konferenz der Weltorthodoxie, bei der man etwa 300 Delegierte aus den verschiedensten Ländern zählte, eröffnet werden konnte. Vertreter aus Polen, Deutschland, Litauen, Oesterreich, England, Ungarn, Rußland fanden sicli dort ein, um den Boden für den internationalen Zusammenschluß der Gesetzestreuen in der ganzen Diaspora zu bereiten und ein einigendes Band aller derer zu schaffen, die in der Thora den zentralen Punkt des Judentums erblicken. 88