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Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine · 1931-01-01 · 1931-1932 · p. Seite 82

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
Volume
1931-1932
Date
1931-01-01
Page
Seite 82 (sequence 82)
Language
German
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IRI
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Aufbauen will auch das liberale Judentum. Kein größerer Irrtum, als es so hinstellen zu wollen, als hätten — um nur einige Namen der richtungweisenden Männer zu nennen — Israel Jacobson, Abraham Geiger, Ludwig Philippson den Weg aus dem Judentum heraus ebnen wollen. Den seelischen Nöten von Qlaubensbrüdern und -Schwestern, die in Gefahr waren, mit dem Judentum zu zerfallen, wollten sie Helfer sein. Wollten im Judentum jene unvergänglichen religiösen Werte retten, an denen auch diese ehrlich Ringenden sich begeistern könnten, weil sie die Herzen ergriffen. Und hielten sich nicht nur befugt, sondern verpflichtet, das Persönliche in der Frömmigkeit freizumachen, weil es ja nicht das erste Mal in der jüdischen Geschichte war, daß Gruppen innerhalb der Judenheit von der festgewordenen Form der Religiosität zur beweglichen hindrängten. Was war denn im Ursprünge der Pharisäismus anderes als eine Flüssigmachung der uralten jüdischen Werte! Und waren es nicht die gleichen Momente, die zur Entwicklung des Chassidismus führten! Indem der Liberalismus zum leitenden Grundsatz den der religiösen Gesinnung erhob, indem er die „ewigen Wahrheiten" des Judentums von den dem Wechsel der Zeiten unterworfenen „Erscheinungsformen" schied und ihnen gegenüber das Recht der persönlichen Ueberzeugung kündete, hat er Tausende und Abertausende dem Judentum bewahrt, hat er einen Abfall aufgehalten, der schon lawinenartig ein Werk traurigster Zerstörung begonnen hatte. Diese Betonung des Persönlichen hat vielen, vielen Juden, die unserer Gemeinschaft zur Zierde gereichen, ihr Judentum lieb und teuer gemacht. So wertvoll, daß sie hingebend für die Rechte unserer Gemeinschaft wirken, daß sie keine Opfer scheuen, wenn es gilt, den Notleidenden, den Verfolgten Hilfe zu leisten, daß sie rüstig die geistige und sittliche Hebung der Juden dort fördern, wo äußerer Druck oder wirtschaftliche Not den Mut oder die Fähigkeit zerstört haben, dies aus eigener Kraft zu tun. Liberale Juden sind treue Juden, die sich stolz zum Judentum bekennen, weil es ihnen Herzenssache ist. Wenn sie beten, ist ihr Herz ganz dabei; sie beobachten pietätvoll häusliche Bräuche und schaffen sich mit ihnen erhebende Stunden. 82

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