Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
- Volume
- 1931-1932
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 83)
- Language
- German
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So erwies sich die Betonung des Persönlichen als ein erfolgreicher Weg für die Wahrung religiöser Werte. Aber in ihr liegt doch zugleich auch die tiefste Ursache dafür, daß eine Vereinigung liberaler Juden größeren Hemmungen gegenübersteht als die der Juden anderer religiöser Richtung. Gleichartige Lebensgestaltung war noch immer ein starkes natürliches Band. Die alte jüdische Tradition schafft eine solche Gemeinsamkeit. Darum konnten jene Organisationen, die auf dem Boden der alten Gesetze stehen, feste Gefüge mit lebendiger organisatorischer Arbeit werden. Liberale Juden leben ihr Judentum in individuellem Gepräge, ob es ihnen Ausdruck persönlicher Frömmigkeit bedeutet oder Bewährung auf den verschiedensten Gebieten des Lebens. Im Vollgefühle ihres Judentums lassen. sie sich von jüdischen Grundsätzen leiten, wenn sie sich sozialer Arbeit hingeben, wenn sie das Wissen um Juden und Judentum zu mehren, zu vertiefen und zu verbreiten trachten, wenn sie für das Wohl der Gemeinde in deren Verwaltung oder deren Ausschüssen wirken. Aber sie tun es als Einzelne, jeder auf seine Art, die oft genug grundverschieden ist von der Art des anderen und dadurch Gemeinschaftsbildung schwer zur Entfaltung kommen läßt. Es kann und darf nicht in Abrede gestellt werden, daß die Voraussetzung für die Bewahrung solcher Auffassung vom Judentum, ernste Versenkung in unsere Lehre und tiefe Kenntnisse von ihrer Geschichte und ihrem Inhalte, bei einem großen Teile derer nicht gegeben ist, die gefühlsmäßig dem Liberalismus huldigen, die in ihm nur die freie Stellung zur Tradition, nicht aber auch die Verpflichtung zur Verwirklichung jüdischer Forderung erkennen. Es soll nicht geleugnet werden, daß es eine viel zu große Zahl von „liberalen" Juden gibt, die, durch welche Momente auch immer, allem Jüdischen gegenüber gleichgültig geworden, von der bewußten liberalen Bewegung nicht so wirkungsvoll erfaßt werden konnten, wie es im Sinne ihrer ernsthaften Vertreter erwünscht wäre. Dies ausspechen, bedeutet keineswegs ein Eingeständnis, daß die liberale Idee als solche grundsätzlich falsch koncipiert sei: Es handelt sich um Menschen, die ihrem ganzen Wesen nach noch viel weniger einem Judentum folgen würden und könnten, das von ihnen fordert, sich in die ganze Ueberlieferung einzufügen, 83