Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
- Volume
- 1931-1932
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 79 (sequence 79)
- Language
- German
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liberale Judentum" zusammengeschlossen sind, zeigen eine rege Betriebsamkeit. Es ist also eine Frage des gesamten Liberalismus. Nur oberflächliche oder voreingenommene Kritik kann die tieferen Ursachen dieses Mangels an „Aktivismus" verkennen; wer Wesen und Werden der liberalen Bewegung eindringend betrachtet, erkennt, daß ihre Eigenart Tatsachen aufweist, die sich einer organisatorischen Festigung hemmend entgegenstellen mußten. Vorweg sei festgestellt: Das liberale Judentum ist nicht Negierung, nicht Preisgabe des Altüberkommenen; allen denen, die es ernst meinen mit ihrer religiös-liberalen Auffassung vom Judentum, liegt nichts ferner, als etwa alte Traditionen aufzugeben, nur um sich vom Alten loszusagen. Es sei an die geschichtliche Haltung erinnert, in der Abraham Qeiger den Liberalismus methodisch betrachtet. Wenn er kritisch zu dem Stellung nimmt, was im Judentum als Gebot und Brauchtum lange Zeiten hindurch in unbedingter Geltung stand, und aus solcher kritischen Wertung manches oder gar vieles als nicht verbindlich preisgibt, so gewiß nicht, um sich freizumachen, um Erleichterungen herbeizuführen, um das „Gesetz" aufzuheben. Der jüdische Liberalismus — wir betonen nochmals; wir denken in diesem Zusammenhange nur und ausschließlich an Juden mit ernster, zielsicherer Auffassung vom Judentum, die sich vollbewußt zu dieser Bewegung bekennen, und möchten auch in den weiteren Ausführungen nur in diesem Sinne verstanden sein, auch ohne daß dies weiterhin ausdrücklich betont wird —, der jüdische Liberalismus will Judentum, will Volljudentum, will begeisterte Erfülltheit, freudiges Bekenntnis und heilige Lebendigkeit, wenn er von seinem Judentum spricht. Aber er sieht das Judentum von einem besonderen Gesichtswinkel aus. Es ist dieselbe Stadt, ob ich sie von Norden oder von Süden oder gar vom Flugzeug aus betrachte; aber das Bild ist jeweils verschieden. So sieht der Liberalismus dasselbe Judentum wie die anderen religiösen Richtungen, es liegt ihm seine Wirklichkeit und seine Zukunft nicht weniger am Herzen als ihnen. Aber er gewinnt eine andere Betrachtungsweise als sie. Denn leitendes "Motiv ist dem Liberalismus dasPersönliche in der Frömmigkeit. 79