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Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine · 1931-01-01 · 1931-1932 · p. Seite 60

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
Volume
1931-1932
Date
1931-01-01
Page
Seite 60 (sequence 60)
Language
German
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jungen Menschen noch erträglich, weil vorurteilsfreie Klassengenossen sich hinter ihn stellen und die grundlosen Gemeinheiten des Lehrers verurteilen. Das angeführte Stück ist schon älteren Datums, nicht zur Zeit des Nationalsozialismus geschrieben. Die Milieuschilderung paßt auf Verhältnisse von vor. 30 Jahren. Da war es noch so. Man begegnete in deutschen Schulen immer einmal einem Lehrer, der Juden nicht leiden konnte und aus seiner Gesinnung kein Hehl machte. Aber auf die Kollegen konnte man sich meist verlassen; Juden und Christen kamen sich kameradschaftlich nahe und oft entwickelten sich echte Freundschaften für das Leben. Heute aber hat sich die Kluft zwischen den Angehörigen der Konfessionen, oder treffender gesagt, zwischen den Stämmlingen der verschiedenen Rassen in einem Maße erweitert, daß eine Ueberbrückung kaum mehr möglich ist. Die Kinder saugen das Gift des Judenhasses mit der Muttermilch ein, die gewissenlose Hetze beherrscht das ganze öffentliche und häusliche Leben — da ist wahrlich für das jüdische Kind in der nichtjüdischen Schule nicht viel Gutes zu erwarten. Da dürfen Eltern sich nicht selbst glauben machen, ihre Kinder würden bei Gehässigkeiten von Seiten der Lehrer an Mitschülern Rückhalt finden, oder bei Angriffen von Kameraden sich unter den Schutz der Lehrer stellen können. Die gewiß auch noch heute vorkommenden Fälle konfessioneller Eintracht und gegenseitigen Harmonierens sind Einzelerscheinungen, Ausnahmen, die die Regel bestätigen. Wenn sich die „Philantropinisten" mehr für eine Art Familienerziehung, als für Anstaltserziehung einsetzen, so vor allem deshalb, weil die Erzogenen eine möglichst innige, eine familienähnliche Gemeinschaft bilden sollen. Dies Ideal ist für das jüdische Kind in der jüdischen Schule am ehesten erreichbar, man darf ruhig sagen, unter den doch nun einmal nicht wegzuleugnenden politischen Verhältnissen der Gegen wari überhaupt nur dort möglich. Zwar bildet die verschiedene soziale Sphäre, der die Zöglinge entstammen, eine mehr oder minder fühlbare Scheidewand zwischen Kind und Kind, es entwickelt sich aber doch erfahrungsgemäß innerhalb kurzer Frist eine Art familiärer Zusammengehörigkeit in jedem Klassenverbande. Das Bewußtsein in einer Gemeinschaft zu sein, mit welcher man nicht nur durch Heimat und Muttersprache, son- 60

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