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Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine · 1931-01-01 · 1931-1932 · p. Seite 59

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
Volume
1931-1932
Date
1931-01-01
Page
Seite 59 (sequence 59)
Language
German
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aber durch entsprechendes Verhalten alle Vorurteile scheuchen, sich Sympathien ertrotzen könne und solle. Hat dann einmal ein solcher Schüler sich innerhalb seines Schulkreises eine Position geschaffen, so daß auch die antisemitisch Verseuchten sich gnädig zu dem Zugeständnis herbeilassen, daß dieser jüdische Junge eine Ausnahme bilde, und daß ihre Antipathie sich nur gegen die anderen Juden richte, dann ist — das soll nicht bestritten werden — ein gut Stück Vorarbeit für den Lebenskampf geleistet; zum Manne gereift, wird er vermutlich seinen jüdischen Ehrenschild rein halten und in dem Bestreben nicht erlahmen, Andersglaubenden Achtung für sein Judentum abzunötigen. Aber dieser Kampf um Selbstbehauptung in der Schule, die Auseinandersetzung mit der Dummheit und dem Fanatismus judengegnerischer Vorurteile kostet einen hohen Preis. Es geht um die kindliche Unbefangenheit, um den Frohsinn der Jugend. Vom werdenden Menschen kann man noch keine Heldennatur, noch keine Bereitschaft zur Uebernahme eines Martyriums erwarten. Das normale Kind unterliegt in diesem Ringen. — Die Jugend hat meist ein stark ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden. Der Schüler, der sich redlich um Annäherung an die Kameraden, um das Wohlwollen des Lehrers müht und bei den Genossen Zurückhaltung, vielleicht gar schroffe Abweisung findet, sich vom Lehrer strenger, unfreundlicher, jedenfalls anders behandelt sieht, als er es nach seinem Betragen und seinen Leistungen zu erwarten berechtigt war, fühlt sich als Opfer von Verhältnissen, an deren Herbeiführung er nicht schuld ist, zu deren Aenderung er nicht beitragen kann, er trägt einen Stachel im Herzen. Seine Arbeitsfreude wird gelähmt, die Heiterkeit seines jugendlichen Gemütes verkümmert. Er kann nicht begreifen, daß sein Judentum ein Schandfleck, Veranlassung zu Zurücksetzung und Mißachtung sein soll. Er fühlt, daß die „anderen" ihre Uebermacht, ihre zahlenmäßige Ueberlegenheit über ihn ausnutzen und sieht sich wehrlos auf Gnade und Ungnade ihnen ausgeliefert. In dem reizenden Drama aus dem Schulleben „Die Trojaner" wird die Tragödie eines jüdischen Primaners geschildert, dem der Ordinarius sein Judentum in rohester, gehässigster Weise zum Vorwurf macht, und doch ist das Schicksal dieses 59

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