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Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine · 1931-01-01 · 1931-1932 · p. Seite 58

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
Volume
1931-1932
Date
1931-01-01
Page
Seite 58 (sequence 58)
Language
German
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Wem also im Ernst sein Judentum das Teuerste auf der Welt ist, wem es um alle Schätze der Erde, um Qeld und Gut, um Ehre und Stellung nicht feil ist, der kann in der Tat nicht im Zweifel darüber sein, ob er einer jüdischen Erziehungsanstalt vor der nichtjüdischen den Vorzug geben soll. Der Versuch, ob es ihm nicht vielleicht gelingen werde, die für die religiöse Entwicklung ganz unzweifelhaft vorhandenen Schädigungen durch die nicht jüdische Schule auf dem Wege häuslicher Gegenwirkungen auszugleichen, ist einem frommen Vater viel zu gewagt, als daß er sich auf ihn einlassen möchte. Aber es sollte hier von rein religiösen Argumenten nicht in der Hauptsache die Rede sein. Viele jüdische Eltern, und zwar solche aus allen Lagern, sind folgender Ansicht: Das Leben ist nun einmal ein Kampf für Jedermann, ganz besonders aber für die Juden. Wir sind dazu verurteilt, unter unseren Wirts Völkern eine Minderheit zu bilden, und das Bestreben, sich als Minorität zu behaupten, sich durchzusetzen, sich Geltung und Anerkennung zu erkämpfen, ist ganz eigentlich die Aufgabe der Judenheit in der Diaspora. Die Erziehung dazu soll in der Schule beginnen, das Kind soll wissen, daß es vor Lehrern und Mitschülern den Beweis erbringen muß, daß der Jude hinsichtlich der Erfüllung aller Pflichten mit dem Nichtjuden gleichen Schritt hält, daß es durch Vernachlässigung der an es herantretenden Aufgaben, durch Schwächen in seinem Verhalten nicht nur sich schädigt und seinen Eltern Verdruß bereitet, sondern auch das Ansehen des Judentums beeinträchtigt, und es soll schon durch den Gedanken vor jeder Pflichtverletzung bewahrt werden, daß es nicht den Anlaß zu ungünstigen Rückschlüssen von ihm auf die Gesamtheit geben dürfe. Ganz gewiß können Kinder, denen von Hause aus mit Ernst und Nachdruck solche Gedankengänge eingeimpft werden, sich früh zu Schrittmachern ihrer Glaubensgemeinschaft, zu Kämpfern für deren Ehre entwickeln. Sie vertreten ihr Judentum in fremder Umgebung. Sie rechnen von vornherein, mit einer gewissen Gegnerschaft, die es zu besiegen, mit Verkennung, die es zu beseitigen gilt. Wenn Lehrer oder Mitschüler sie ihr Judesein feindselig fühlen lassen, so leiden sie deshalb nicht schwer darunter, weil im Elternhaus betont wurde, daß mit solchen Gegebenheiten zu rechnen sei, daß man 58

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