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Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine · 1931-01-01 · 1931-1932 · p. Seite 52

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
Volume
1931-1932
Date
1931-01-01
Page
Seite 52 (sequence 52)
Language
German
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Ausländer aus. Auch heute gibt es kaum r/2 Prozent Juden im ganzen, und die deutschen Staatsbürger verschwinden im Leben der Allgemeinheit mit ihrem knappen halben Prozent fast vollständig. Für die soziale Struktur der Ausländer gelten aber ganz andere Gesetze. Die an sich auffallende Tatsache, daß die sächsische Regierung, deren Antisemitismus in Deutschland vor dem Kriege fast sprichwörtlich war, so starke Anhäufungen von Ostjuden geduldet und gefördert hat, erklärt sich ganz einfach aus der W i r t - schaftspolitik des Staates! Alle seine Bemühungen gingen darauf hinaus, die Leipziger M e s s e zu stützen und zu vergrößern, dann aber auch den Rauchwaren - und Borstenhandel Europas in Leipzig zu konzentrieren. Zu beiden Zielen bedurfte man aber der Ostjuden und die weit ausschauende Wirtschaftspolitik der Staatsmänner konnte sich durch den Judenhaß und den Konkurrenzneid der Krämer in den Städten nicht beirren lassen, wenn er ihnen auch in vielen Aeußerlichkeiten Konzessionen machte. So ergab sich der groteske Zustand, daß in manchen Zeiten die ausländischen Juden in Leipzig mehr Rechte besaßen und mehr Förderung genossen als die einheimischen. Die Ostjuden waren für die Messen von größter Bedeutung, solange es noch wirkliche Waren messen und noch nicht Mustermessen gab. Den Verkehr in das Ausland vermittelten sie, und da sie die Geschäftsverbindungen mit dem Osten angeknüpft hatten und unterhielten, kam es ganz von selber, daß sie sich in Leipzig Stützpunkte zu schaffen versuchten und sich hier ansiedelten. Auch der Rauchwaren-undBorstenhandel war aber ganz auf Rußland eingestellt, und es war nur allzu natürlich, daß in immer wachsender Zahl Händler aus dem Osten entweder in Leipzig Filialen errichteten, die dann bald die ursprünglichen Firmen an Größe und Bedeutung übertrafen, oder aber in Leipzig neue Geschäfte gründeten, die nicht nur Waren aufkauften und weiter in den Handel brachten, sondern sie auch veredelten und verarbeiteten. Die internationale Geltung Leipzigs war so von den Ostjuden in hohem Maße abhängig. Das bedeutete aber, daß eine große Menge von Kräften aus dem Osten herangezogen wurden, die nicht reine Händler waren. Stärker als in anderen Städten bildete sich ein Handwerker¬ und Arbeiterstand heran. Sehr viele Juden widmeten sich dem Kürschnerhandwerk, andere wurden Pelzschneider. Eine ansehnliche Menge betätigte sich als Arbeiterin 52

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