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Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine · 1931-01-01 · 1931-1932 · p. Seite 51

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
Volume
1931-1932
Date
1931-01-01
Page
Seite 51 (sequence 51)
Language
German
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Zeit und ihrer Führer dazu bei, wenn sie die Juden in die als schimpflich angesehenen Wirtschaftsgebiete verwiesen und ihnen vor allem den Qeldhandel überließen, und wenn die auf diesen Weg Gedrängten im Leben des Ganzen nicht nur unendlich wichtige Arbeit leisteten, sondern auch eigenen Nutzen daraus zogen. Ihre unstreitbar großen Erfolge, die sie freilich im Mittelalter wegen der Rechtsunsicherheit und der steten Verfolgungen und Beraubungen nie recht ausnützen konnten, gingen aber auch auf eine seelische Disposition zurück. Der Jude ist I n d i v i d u a 1 i s t! So sehr er an seinem Ueberfluß die Allgemeinheit teilnehmen läßt, er weiß doch, daß er allein für seine Person verantwortlich ist, und er strebt nach wirtschaftlicher Selbständigkeit. Dieser Veranlagung kam die Individualwirtschaft des 19. Jahrhunderts in hohem Maße entgegen. Die neue Rechtssicherheit, die sich aus der Kräftigung der zentralen Staatsgewalt ebenso ergab, wie aus der Verleihung der gleichen Rechte an alle Bürger des Staats, tat dazu das Ihre, so daß der Jude des 19. Jahrhunderts in Deutschland auf dem Gebiete der Wirtschaft sehr erstarkte. Im Bankwesen wie im Warenhandel spielte er eine nicht unbeträchtliche Rolle. Er wurde der typische MittelständlerundBürger. Im großen und ganzen teilte er in allen Dingen das Schicksal des „besseren" Bürgerstandes, dem er sozial angehörte. Und so bedeutet das 20. Jahrhundert, dessen kollektivistische und kapitalistische Wirtschaftsformen den Mittelstand und das Bürgertum erdrücken, auch den unaufhaltsamen Niedergang der deutschen Judenheit. Nur ein kleiner Teil der Leipziger Juden fügt sich in den allgemeinen «Verlauf der Wirtschaftgeschichte der deutschen Juden ein. Es sind die deutschen Kreise, die zumeist aus Anhalt und Hessen-Nassau eingewandert sind, und die in der Wirtschaftsentwicklung der Stadt eine sehr bescheidene, im gesellschaftlichen und politischen Leben hingegen gar keine Rolle gespielt haben. Es ist ganz erstaunlich, daß es in Sachsen überhaupt und in Leipzig im besonderen kaum je Juden gegeben hat, die in der Politik des •Landes und der Stadt etwas bedeutet hätten. Und wenn man solches schließlich damit erklären kann, daß Sachsen ja am längsten den Juden die Gleichberechtigung vorenthalten hat — erst im Jahre 1869 fielen die allerletzten Schranken — so spielt doch auch die geringe Anzahl derer mit, die für einen solchen Einfluß überhaupt in Frage kamen. Die Zahl der Leipziger Glaubensgenossen war an sich schon immer gering, und zwei Drittel von ihnen machten die 4* 51

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