Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
- Volume
- 1931-1932
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 38)
- Language
- German
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berichtete gelegentlich seinem Prager Operndirektor, dem jüdischen Wagner-Propheten und berühmten Entdecker von Gesangs-Talenten, Angelo Neumann, von seinem synagogalen Erlebnis. In einem Konzert des Synagogenchores unter Leitung Sternbergs, wenn ich mich recht erinnere, im Saal des Zoologischen Gartens, sang neben der bedeutenden Berliner Altistin Emmy Destinn „unsere" Gertrud Foerstel, und Angelo Neumann, von Perl eingeladen und anwesend, engagierte sie sofort für Prag, unter der Bedingung, daß sie vorher noch einige Zeit — auf seine Kosten — in Berlin zu studieren hatte. Nach wenigen Jahren Wirkens in Prag, war Gertrud Forstel schon in Wien bei Mahler. Aus der kleinen Klavierspielerin Gertrud war die große Sängerin Gertrude geworden, und im Leipziger Synagogenchor war ihr Stern aufgegangen. Die Befürchtungen des Vaters hatten sich in glücklichster Weise erfüllt! Gertrude Forstel war keine Jüdin. Aber es gab damals eine junge jüdische Sängerin am Stadttheater, die von jung und alt verehrt und geliebt wurde, wie man es sich kaum vorstellen kann. Es war die Altistin Adrienne O s b o r n e. Sie stammte, wie man hörte, aus Amerika, kam wohl unmittelbar aus England. So wurde der natürliche Reiz ihrer blütenhaften Erscheinung durch ihre ferne Herkunft irgendwie ins Exotische gesteigert. Sie wohnte, wenn ich nicht irre, bei der bekannten Frauenführerin Henriette Goldschmidt, der Witwe des einstigen Leipziger Rabbiners M. A. Goldschmidt und soll mit ihrem eigentlichen Namen Eisbein geheißen haben. Ihre Hauptrollen waren die Carmen und die Mignon in den gleichnamigen Opern. Später heiratete sie den bedeutenden Oratoriensänger Dr. Felix Kraus, ging selbst zum Oratoriengesang über und verlegte ihren Wohnsitz nach München. Irgendwelche lebhafteren Beziehungen zur jüdischen Gemeinschaft hat sie wohl nicht gepflegt. Aehnlich gings mit Bella Alten, Tochter des Gnesener Kantors Apfelbaum, die ebenfalls Altistin am Stadttheater war. Sie hatte nicht denselben Reiz der Erscheinung, sondern etwas Verhaltenes oder Herbes. Die Kritik war ihr im ganzen nicht hold, und doch machte sie ihren Weg: sie kam an die berühmte Metropolitain-Oper nach New-York. Zum Schluß sei noch eines Mannes gedacht, der, obwohl nicht Jude, sich um den Gottesdienst in der Gemeindesynagoge große Verdienste erworben hat: Prof. Paul H o m e y e r. Aus 38