Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
- Volume
- 1931-1932
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 37)
- Language
- German
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sich über jeden Erfolg seiner Beamten. So war es ihm eine besondere Genugtuung, als ich für unsern Synagogenchor eine Sängerin entdeckte, die seither einen großen und berechtigten internationalen Ruhm errungen hat, wohl auch noch in Leipzig wohnt: Die Sopranistin Qertrude Forstel, die Künderin Gustav Mahlers. Sie studierte auf dem Konservatorium, um Klavierlehrerin zu werden. Nach Jadassohns Rücktritt von der Leitung des Chores 1898 erhielt ich auf Grund einer von mir eingereichten Denkschrift, die die sofortige Errichtung eines neuen Chores forderte, den Auftrag, besoldete und freiwillige Sängerinnen und Sänger zu werben. Irgend jemand machte mich auf die junge Klavierstudentin Gertrud Forstel aufmerksam. Ich hörte sie zufällig, ich glaube, bei einem Ausflug des Konservatorium, ein harmloses Liedlein singen („Wenn der Vogel naschen will, braucht er nicht zu singen44) und erkannte das ganz seltene Material und die ganz große Musikalität. Aber ihrem Eintritt in den Synagogenchor stellte sich der Wille des Vaters entgegen, eines tüchtigen Klarinettisten im Gewandhausorchester, der aus seiner Tochter eine tüchtige Klavierlehrerin wie aus seinem Sohn einen tüchtigen Orchester-Cellisten machen wollte. Ich wanderte also eines glühend heißen Tages zu ihm in die Petersstraße, wo er im obersten Geschoß unter einem Glasdach wie in einem Maler- oder Photoatelier wohnte, erklärte, während mir in dem sonnendurchglühten Flur der Schweiß in Strömen vom Gesicht rann, dem mißtrauischen Herrn, worum es sich handelte; daß' kein Mensch daran dächte, seine Tochter ihrem Brotstudium abwendig zu machen, daß doch ein monatliches Taschengeld von 15 M. für seine Tochter auch ihm sehr willkommen sein müßte und — er willigte ein. Der Synagogenchor blühte dann unter der tüchtigen Leitung des von Jadassohn warm empfohlenen Benno Sternberg, der übrigens gleich seinem berühmten Vorgänger und Theorielehrer ursprünglich Pianist gewesen war und sich die Hand überspielt hatte, bald auf. Am Jomkippur 1899, zwischen Mincha und Nella, wurde die Gemeinde mit der Mendelssohn-Arie „So ihr mich von ganzem Herzen suchet44 überrascht, von Gertrud Forstel mit ihrer reinen Naturstimme unglaublich herzbewegend gesungen. Nun wußte man, daß eine große Sängerin oben war. Ein ehemaliger Tenorist der Prager Oper, Perl, der in Leipzig lebte, 37