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Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine · 1931-01-01 · 1931-1932 · p. Seite 34

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
Volume
1931-1932
Date
1931-01-01
Page
Seite 34 (sequence 34)
Language
German
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meiden; und nun stellt e r Bedingungen. Er ist bereit, die Stelle zu übernehmen, wenn er an jüdischen Feiertagen vom Dienst befreit wird. Auch das wird genehmigt, und so prangte zu meiner Zeit noch vor Peßach, Schawuoth, Sukkoth, selbstverständlich auch vor Roschhaschana und Jomkippur regelmäßig am schwarzen Brett des Konservatoriums die Mitteilung: «Wegen der jüdischen Feiertage fällt der Unterricht des Herrn Prof. Jadassohn am.....aus". Gewiß ein Einzelfall im Deutschland jener Zeit und ein Muster aufrechter Jüdischkeit, die sich allerdings vielleicht nur durchsetzen konnte, weil ihr Träger an seinem Platze unersetzlich war. Jadassohn war in der Tat ein in seiner Art frommer Jude. An jedem Freitag- Nachmittag war er lange vor Beginn des Gottesdienstes vor der Synagoge, oft bevor die Tür geöffnet wurde, und wenn das nicht rechtzeitig geschah, konnte er sehr giftig werden. Trotzdem seine von ihm aufs innigste geliebte und nach ihrem frühen Tode 1891 bis zu seinem Lebensende aufs tiefste betrauerte Frau, die tüchtige Sängerin Helene Friedländer, eine getaufte Jüdin, religiös gänzlich uninteressiert war, hatte er allen seinen Kindern — mit ungleichem Erfolg — privaten Religionsunterricht erteilen lassen, den er selbst überwachte. An sein Judentum erinnerte er auch im Unterricht absichtlich immer wieder. Da saßen jüngere und ältere Musiker, aus Deutschland und Oesterreich, England und Holland, Nord- und Südamerika, mitunter aus Asien und Afrika beisammen, die internationalste Gesellschaft, die man sich denken konnte, und Jadassohn fragte mich plötzlich: „Liebster Sohn, wann haben wir heute Schabbes?" Woran sich eine kleine Lektion über uns „Alttestamentarier" und unsern Schabbos, dessen Bedeutung, Beginn und Feier anschloß. Oder, am Chol hamoed Peßach: „Liebster Sohn, wie schmecken ihnen die Mazzes?*' mit folgender Unterhaltung über die Bedeutung des Auszuges aus Aegypten für Geschichte, Moral, Kultur der Menschheit, nicht nur der „Alttestamentarier44. Mehr noch: Ein. Konservatorist, Stipendiat der österreichischen Regierung, sehr begabter, aber armer Volksschullehrer aus Steiermark, ein rabiater Antisemit und Verehrer des damals (1898) gerade zum Bürgermeister von Wien gewählten christlich-sozialen (lies: antisemitischen) Politikers Lueger, hatte eine Reihe übler Bemerkungen über den „Juden" Jadassohn gemacht, bei dem er 34

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