Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
- Volume
- 1931-1932
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 35)
- Language
- German
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doch nach seinen eigenen Worten studieren mußte, weil es keinem ihm ebenbürtigen Lehrer für Kontrapunkt gab. Die Bemerktingen seines Schülers kamen Jadassohn zu Ohren, aber er ließ sich nichts davon merken. Da wurde der Steiermärker ernsthaft krank und ließ sich entschuldigen. Noch am selben Tage schickte ihm Jadassohn seinen Arzt, besuchte den Kranken, brachte ihm Erfrischungen und die Versicherung, daß 'er während der Dauer der Krankheit für ihn sorgen werde. Er sah auch fast täglich nach ihm. Als nun der Kranke nach einiger Zeit gestand, wie übel er sich gegen ihn, den berühmten und gütigen Lehrer, benommen hatte, und wie er heute alles bereute und ihm danke, sagte ihm Jadassohn in seiner burschikosen Art: „Liebster Sohn, machen Sie doch nicht so viel Wesens davon. Aber Sie müssen sich merken: hätte ich anders gehandelt, wäre ich kein Jude gewesen!44 So war er, der weitberühmte Mann, auch ein wackerer Kämpfer für das Judentum, was viel zu wenig bekannt, aber sehr bedeutsam ist für die jüdische Bewertung dieser hervorragenden Persönlichkeit. Jadassohn war seines scharfen Witzes wegen gefürchtet; aber auch sich selbst ironisierte er nicht selten: ein echter Jude. Seine Wohnung, wenn ich nicht irre, in der Elisenstraße, nannte er sein Mädchenpensionat, weil er 6 Töchter und nur einen Sohn hatte. Oder er bot auf einem Spaziergang durch die Nonne Homeyer und mir eine Zigarre an, und als wir ablehnten, sagte er: „Sie haben ganz recht, daß Sie meine Zigarren nicht rauchen. Früher einmal rauchte ich Fünfzehner-Zigarren, aber mit jedem Kind, das mir meine liebe Frau schenkte, wurden sie um einen Pfennig billiger. Seit Jahren rauche ich Achtpfennig-Zigarren — rechnen Sie bitte aus, wieviel Kinder ich habe." — Jadassohn war — eine verzeihliche Schwäche — besonders auf seine Kenntnis der Eigenarten der verschiedenen Instrumente eitel. Er hatte nicht umsonst eine weitverbreitete Instrumentationslehre geschrieben. Da hatte er vor der Aufführung eines eigenen Orchesterstücks, das er* selbst probierte, weil er es im Gewandhaus dirigieren sollte, einen kleinen Zusammenstoß mit dem jungen, aber schon in der ersten Reihe seiner deutschen Fachgenossen stehenden Flötisten des Qewandhausorchesters Maximilian Schwedler(?). Der behauptete, sein Flötenpart sei unspielbar, weil der Komponist nichts von der Flöte verstehe. 3< 35