Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
- Volume
- 1931-1932
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 33)
- Language
- German
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vollste unter den Synagogengesängen des vorigen Jahrhunderts geschaffen hat. Die Freundschaft, die Deutsch und Jadassohn verband, bestand bis zu Deutschs Tode. Von Breslau ging Jadassohn zu Franz Liszt, weil ihn, den Pianisten mit glänzenden Anlagen, die glänzendste aller Pianistenpersönlichkeiten magisch anzog. Aber der Ehrgeiz spielte dem jungen Breslauer einen bösen Streich: er „überspielte'4 sich die rechte Hand und verließ nun Weimar ohne Stelle, seiner gewählten Zukunft beraubt. Mit acht Talern in der Tasche kommt er nach Leipzig. Es gelingt ihm, einige Privatstunden zu bekommen. Er gibt, wie sichs trifft, Klavierspiel, aber auch elementaren Rechen- oder Sprachunterricht; denn er ist glücklicherweise Schulmeister. Jahrelang quält er sich, um die Mittel für den Theorie-Unterricht, den ihm der berühmte Thomaskantor Moritz Hauptmann gibt, aufzubringen, und es zeigt sich, daß sein Kopf ausdauernder ist, als seine Hand; daß er eine freilich vorwiegend kritische Begabung für musikalischen Stil und musikalische Form besitzt, wie wenige Zeitgenossen. Als 1866 die Bildung eines Synagogengesangvereins erwogen wird, empfiehlt Hauptmann den vorzüglichsten seiner Schüler mit Erfolg zum Dirigenten, ein Jahr später zum Dirigenten der musikalisch und gesellschaftlich hochstehenden „Euterpe-Konzerte", ein weiteres Jahr später, schon auf dem Sterbebett, zu seinem Nachfolger. Aber auf die Aufforderung, die Stelle des Thomaskantors, eine der ehrenvollsten der deutschen Musikwelt, und die, ebenfalls von Hauptmann bekleidete, eines Lehrers für Kontrapunkt am Konservatorium zu übernehmen, schreibt Jadassohn zurück: „Ich bin Jude4', Und nun folgt eine Unterhaltung, die inzwischen schon sagenhaft mit vielen bedeutenden Juden in Verbindung gebracht worden ist, in unserm Fall aber wirklich stattgefunden hat: „Das läßt sich ändern" und „Das läßt sich nicht ändern!" Die Ernennung unterbleibt; Schreck wird Thomaskantor, aber für die Stelle am Konservatorium findet sich keine Autorität, der Nachfolge Hauptmanns würdig. „Man" ist verschnupft, die „Euterpe" leidet darunter, die Konzerte hören 1869 auf. Aber 1871 tritt die Leitung des Konservatoriums aufs neue an Jadassohn heran, denn inzwischen ist sein Ruf als Theoretiker so gewachsen, daß zahlreiche auswärtige Musiker nach Leipzig kommen, um bei ihm zu studieren, das Konservatorium aber 33