Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
- Volume
- 1931-1932
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 32)
- Language
- German
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Höhere Handelslehranstalt in Leipzig berufen worden, hatte als solcher den Plan zur Errichtung einer Handelshochschule der Regierung unterbreitet und mit allen Einzelheiten durchgearbeitet. Aber als die neue Hochschule errichtet wurde, wurde nicht e r der Leiter, obschon er damals schon der erste Fachmann Deutschlands auf dem Gebiete des Handelsschulwesens war. „Denn ich war Jude", sagte er mir selbst. So wurde er wieder nur „stellvertretender" Direktor. Direktor wurde Prof. Raydt, ein hochvornehmer Mann, der an den nachgeordneten Kollegen an Autorität und organisatorischem Talent bei weitem nicht heranreichte und ihm deshalb möglichste Freiheit zur Entfaltung seiner großen Fähigkeiten gab. Erst nach Raydt's Tode erhielt Adler, mittlerweile Hofrat geworden, die Leitung der Schule, deren Prinzip von ihm stammte, und deren Beispiel eine Reihe anderer Handelshochschulen in Deutschland entstehen ließ. Aehnliche Erfahrungen hatte Jahrzehnte vorher eine andere noch bedeutendere jüdische Persönlichkeit Leipzigs machen müssen, mit der mich Empfindungen der Verehrung und besonders reiche Erinnerungen noch heute verbinden: Salomon Jadassohn, Professor am damaligen Königlichen Konservatorium, Dr. h. c. der Leipziger Universität, der, als ich nach Leipzig kam, noch Leiter des Psalterion war. Manches, was ich über ihn weiß und von ihm selbst erfahren habe, wird seinem einstigen Biographen wertvolles Material liefern. Denn hoffentlich findet zum 13. August 1931, seinem hundertsten. Geburtstag, dieser Mann, dessen Wirksamkeit unter seinen Fachgenossen über die Grenzen aller Kulturländer reichte, wenigstens unter uns Juden die Würdigung, die er verdient. Jadassohn war ein seif made man, wie er sich mir, seinem Schüler, gegenüber in vertrauten Stunden eines Spazierganges zu zweien oder zu dritt, wenn Paul Homeyer dabei war, bezeichnete. Bekannt ist von ihm vielleicht, daß er als Sohn des Gastwirts „zum goldenen Hut" in Breslau das dortige Lehrerseminar besuchte und auch das Volksschullehrer-Examen bestand. Seine Neigung zur Musik wurde — und das ist weniger bekannt — durch den berühmten Oberkantor Felix Deutsch nicht nur gefördert, sondern vor allem veredelt und vertieft; denn Deutsch war ein ausgezeichneter Theoretiker, Bachkenner und Bachsänger, der wohl das musiktheoretisch Wert- 32