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Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine · 1931-01-01 · 1931-1932 · p. Seite 31

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
Volume
1931-1932
Date
1931-01-01
Page
Seite 31 (sequence 31)
Language
German
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tischen und antisemitelnden Strömungen wurde, von denen nicht nur die Konservativen, sondern auch die Freikonservativen und die Nationalliberalen durchtränkt waren. 1893 sollten wieder Reichstagswahlen stattfinden. Da erschien 1892 bei Alexander Werthauer ein junger Journalist Paul Liman, der ihn auf die Gefahr des steigenden Antisemitismus hinwies, sich durch seine jüdische Frau als Judenfreund legitimierte, glänzende Aufsätze vorlegte und sich erbot, sich in den Dienst der Bekämpfung des Antisemitismus zu stellen, wenn man ihm ein Kapital zur Gründung einer neuen politischen Tageszeitung liberaler Richtung in Leipzig verschaffe. Alexander Werthauer lehnte ab, nachdem er sich mit den Prominenten seiner Gemeinde beraten hatte. Liman wandte sich an alldeutsche Kreise (wenn ich nicht irre, an den Führer des alldeutschen Verbandes, den Direktor des Statistischen Amts in Leipzig, Abgeordneten Prof. Dr. Ernst Hasse). Nach wenigen Tagen war ein beträchtliches Kapital beisammen, und — die „Leipziger Neuesten Nachrichten" wurden gegründet, die ganz besonders durch die unvergleichlich temperamentvollen, klugen und glänzend stilisierten Leitartikel Limans einen ungeahnten Aufschwung nahmen; leider enthielten viele der alldeutschen, aber häufig antipreußischen und noch häufiger antiberlinischen Leitartikel Limans auch antijüdische Wendungen oder Bemerkungen; oft bissiger und wirksamer, als es ganze Aufsätze hätten sein können, und ein übler Antisemitismus wurde nun erst recht großgezogen. Heute ist ja die Frage der Abwehr des Antisemitismus wieder besonders akut; auch die besondere Frage der Beteiligung der Gemeinden daran. Vielleicht bietet die „Affäre" Liman erwägenswertes Material. (Liman ging übigens 1899 nach Berlin und schrieb, ein glühender Verehrer Bismarcks, 1904 das großes Aufsehen erregende Buch „Der Kaiser", das ihm einige Wochen Gefängnis wegen Majestätsbeleidigung einbrachte). Eine bedeutende jüdische Persönlichkeit Leipzigs, die weit über Sachsens Grenzen hinaus Achtung genoß, war das Mitglied des Gemeinde-Vorstandes, der spätere Gemeindevorsteher Prof. Abraham Adler, ein bescheidener, sachlicher Süddeutscher. Er hatte in Süddeutschland (nach meiner Erinnerung Nürnberg oder Würzburg) an einer Handelslehranstalt gewirkt, war dann als stellvertretender Direktor an die 31

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