Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
- Volume
- 1931-1932
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3140913-3140914--024-3140946- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Porges' wissenschaftliche Stärke offenbart sich weniger in'der Fülle selbständiger Schriften; weder ihrer Zahl noch ihrem Umfang nach stellen sie ein namhaftes Werk dar. Genannt seien u. a.: lieber die Verbalstammbildung in den semitischen Sprachen, Bibelkunde — Babelfunde, Josef Bechor Schor, Die Lehre von der Willensfreiheit, Rede auf Jellinek. Die ganze Gewalt seiner Gelehrsamkeit zeigte sich in einer großen Fülle von Beiträgen zu wissenschaftlichen Zeitschriften, größeren und kleineren geschlossenen Abhandlungen (beispielsweise: Zur Lebensgeschichte Uriel da Costas MGWJ. 1918) und einer nicht minder großen Zahl von wissenschaftlichen Besprechungen in der „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums", der „Zeitschrift für hebräische Bibliographie", der „Revue des Etudes juives", dem „Zentralblatt für das Bibliothekswesen" usw. Porges war einer der vorzüglichsten Kenner der weitverzweigten jüdischen Literatur. Er beherrschte sie bibliographisch: sein sachverständiges Urteil über Wert oder Unwert eines Buches, über Echtheit oder Unechtheit einer Handschrift wurde aus allen Teilen der Welt eingeholt. Weltberühmt war auch seine Privatbibliothek, die die seltensten Werke und viele wertvollen Inkunabeln aufwies; (sie ist leider nach seinem Tode nicht zusammengeblieben). Aber er war mit der jüdischen Literatur auch sachlich vertraut. Alle seine Arbeiten sind auf gründlicher, gediegener Kenntnis aufgebaut. Sie tragen Stein auf Stein zusammen, um erst auf festem Fundament ihre Schlüsse zu gründen. Diese Gediegenheit seines Wissens machte ihn besonders zu einem berufenen Kritiker. Seine Prüfung neuer wissenschaftlicher Arbeiten war, selbst da, wo er ablehnte, nicht zerstörend, weil er auch berichtigend immer anregend und ergänzend blieb. So liegt in seinen Arbeiten ein ungeheurer Reichtum an Feststellungen auf den verschiedensten jüdischen Forschungsgebieten, vorzugsweise der Exegese der Heiligen Schrift, aber auch der Literatur- und der Religionsgeschichte, der Sprachforschung usw. Seine Verdienste um die Wissenschaft wurden 1913 (anläßlich seines 25 jährigen Dienstjubiiäums) durch Verleihung des Professortitels seitens des Königs von Sachsen anerkannt. Es darf gesagt werden, daß die Auszeichnung einen Mann ehrte, der ihrer wahrhaft würdig war. Porges ist bis kurz vor seinem Tode noch auf wissenschaftlicher Höhe geblieben (die letzte veröffentlichte Arbeit ist wohl eine 23