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Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine · 1931-01-01 · 1931-1932 · p. Seite 20

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
Volume
1931-1932
Date
1931-01-01
Page
Seite 20 (sequence 20)
Language
German
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Jellinek muß ein faszinierender Redner gewesen sein. Eine von der Natur ihm verliehene Begabung fand gerade in Leipzig eine Aufgabe von wohl ganz einzigartigem Reiz. Hörer seiner Predigten waren häufig — wie er selbst im Vorwort der ersten Predigt-Veröffentlichung von 1847 sagt — „die heterogenen Elemente eines Meßpublikums — das die religiösen Bewegungen unserer Zeit in allen Schattierungen und Abstufungen repräsentiert —........ Glaubensgenossen, die er nicht kennt, deren Bedürfnisse ihm fremd sind". — Eine begeisterungsfähige Zuhörerschaft ließ sich willig und dankbar von ihm fortreißen. Die oft geradezu schwärmerische Zustimmung zu dem Gehörten spornte naturgemäß an, so daß er sich rhetorisch wie gedanklich zu einer Meisterschaft steigerte, wie. wenn überhaupt, nur wenige Prediger seiner Zeit. Man forderte damals fast immer die Drucklegung solcher Predigten, die die Zuhörer gepackt hatten. Und so sind von Jellinek mehr als 200 Predigten festgehalten worden, die über die Sturide hinaus wirken konnten und gewirkt haben: Jellinek hat einer ganzen Generation von Predigern als Vorbild gedient; die älteren unter den heute lebenden Rabbinern haben noch vielfache Anregungen aus diesen Reden geschöpft. Jellineks Predigten waren, ja sind heute noch eine reiche Schatzkammer an wundervollen Deutungen der Schrift und geistvoller Verwendung des Midrasch. Besonders die schier unerschöpflichen Stoffe dieses letzteren Schrifttums beherrschte er als einer der besten Kenner. 1844 übersetzte er ein kabbalistisches Werk ins Deutsche („La Cabbale" von Franck) und vertiefte sich von da an immer' mehr in die jüdische Mystik. Eine Reihe von Schriften entstanden auf diesem Gebiete noch in seiner Leipziger Zeit: Mose ben Schern Tob de Leon (1851), Beiträge zur Geschichte der Kabbala (1852), Thomas von Aquino.in der jüdischen Literatur (1853), Philosophie der Kabbala (1854) u. a. Mit diesen seinen Arbeiten aber hing es aufs engste zusammen, daß er sich eingehend der jüdischen Religionsphilosophie widmete (1846 erschien seine Einleitung zu Clioboth hallebaboth nebst den Fragmenten der Kimchischen Ueber^ setzung), und daß er vor allem sein unvergängliches Midrasch- Ouellenwerk „Beth hammidrasch" schuf. Eine umfassende Kenntnis der Midrasch-Literatur kam ihm bei seinem unermüdlichen Suchen nach unveröffentlichten Handschriften zugute; eine große Zahl kleinerer Midraschim entdeckte er in den berühmten Handschriftensammlungcn in München, Paris und Oxford und gab sie in sechs 20

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