Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
- Volume
- 1931-1932
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
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der die verschiedenen Forschungsgebiete von grund auf neu aufzubauen waren, hatten sie ihren Wert, selbst wenn sie nicht mehr gaben als die Sammlung des Stoffes. Doch auch die lebhafteste Ablehnung hat sie immerhin doch höher gewertet. Fortleben wird Fürsts Name jedenfalls in der Geschichte der jüdischen Wissenschaft für alle Zeiten, weil er wegweisend gewirkt hat für die Pflege der hebräischen Sprachwissenschaft unter den Juden, und weil er mit seiner Zeitschrift „Der Orient" anregend und befruchtend gewirkt hat für die Kenntnis und die Erkenntnis des Judentums. Hier mit seinen sprachvergleichenden Untersuchungen hat Fürst den Anstoß dazu gegeben, daß Juden eine wissenschaftliche Aufgabe darin erblickten, bei der Betrachtung der hebräischen Sprache und ihres Aufbaus den Zusammenhang mit den verwandten Idiomen ins Auge zu fassen und andere Sprachen zur Erklärung heranzuziehen. Vielleicht noch bedeutsamer war der Einfluß, den Fürst durch seine Wochenschrift „Der Orient" auf seine Zeit zu üben vermochte. Sie hat gewiß nur 11 Jahrgänge durchgehalten. Aber das darf heute eher als ein Zeichen für ihre Gediegenheit gewertet werden, denn als ein Beweis für Unzulänglichkeit, Nur eine von den in jener Zeit entstandenen Zeitschriften, Ludwig Philippsons „Allgemeine Zeitung des Judentums", hat, weil sie sich besonders stark auf den Kampf um die täglichen Probleme eingestellt hatte, eine lange Dauer erleben dürfen. Alle anderen, die auf eine gewisse Höhe des Standpunkts bedacht waren, vor allem die vorwiegend wissenschaftlichen, mußten nach verhältnismäßig wenig Jahren ihr Erscheinen einstellen, da der Kreis der Interessenten zu klein blieb. Auch Fürst lag der populär-belletristische Ton weniger. Die Beilage seiner Wochenschrift „Das Literaturblatt", mit seinen Studien und Kritiken, stellte er, zweifellos mehr als der Entwicklung seiner Wochenschrift dienlich war, in den Vordergrund. Gleichwohl hat sie eine wichtige Aufgabe erfüllt, hat nicht selten in die schwebenden Tagesfragen — es war die Zeit der Kämpfe um die Gleichberechtigung der Juden (sie erschien 1840—1851) — sehr nachdrücklich und wirkungsvoll genug eingegriffen, hat sehr gediegene Gedanken in die Judcnheit der Zeit getragen und dadurch für die Gleichstellung der Juden Wichtiges geleistet. Von ihr ging eine reiche Fülle von Anregungen aus, und sie hat damit ihre Aufgabe durchaus erfüllt. 18