Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
- Volume
- 1931-1932
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
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sich dem „Judenspiegel" des (gleichfalls dem Judentum entstammenden) Johannes Pfefferkorn an und ist wie dieses voll von Schmähungen gegen die ehemaligen Glaubensbrüder des Verfassers. Auf Betreiben Joselmanns v. Rosheim wurde er 1530 aus Augsburg vertrieben. Aus einer im nächsten Jahre in Leipzig erschienenen Neuauflage seines Werkes geht hervor, daß er in Leipzig Aufnahme gefunden hat; er nennt sich auf dem Titelblatt: „Hebreyscher Leser (Lektor) der löblichen Universität und Fürstlichen Stat Leyptzigk". Dieser Buchtitel „hebräischer Lektor' mag dem Geschichtsschreiber vorgeschwebt haben, als er Margarita als einen jüdischen Lehrer der Universität kennzeichnete. Julius Fürst als Nachfolger dieses Vorgängers — kein ärgerer Schimpf konnte dem in seinem ganzen Wesen jüdischen und mit voller Begeisterung für des Judentums Stellung eintretenden Gelehrten angetan werden. Julius Fürst war am 12. Mai 1805 in Zerkow (ehem. Provinz Posen) geboren. Nach Erlangung des Reifezeugnisses am Berliner Gymnasium zum grauen Kloster entschied er sich nach einigem Schwanken (eine Zeitlang wollte er auch Rabbiner werden) für eine rein wissenschaftliche Tätigkeit. 1833 ließ er sich in Leipzig als Privatgelehrter nieder und veröffentlichte in den nächsten Jahren mehrere Werke zur chaldäischen und aramäischen Sprache. In diesen sprachvergleichenden Arbeiten kam er zu völlig neuen Theorien, die wohl nicht so große Bedeutung bewahrten, wie man anfangs meinen mochte, die aber doch unbestritten als beachtliche Förderung der Fachwissenschaft anerkannt wurden. Diese gelehrten Arbeiten rechtfertigten vollauf seine Zulassung zur Lehrtätigkeit an der Universität. Seine Zugehörigkeit zum Judentum und die Treue, mit der er an ihm hing und sich wissenschaftlich mit ihm befaßte, war ihm aber doch hinderlich; denn erst nach 27 Jahren erhielt er die Ernennung zum Professor; die ordentliche Professur blieb ihm immer versagt, trotz der Fülle wissenschaftlicher Leistungen, die er während seiner akademischen Lehrarbeit aufzuweisen hatte. Wir übergehen nach unserem Plane Fürsts Schriften auf orientalischem Gebiete, um in diesem Zusammenhange die Aufmerksamkeit auf seine Bedeutung für die Wissenschaft vom Judentum zu beschränken. Fürst gehört zu den führenden Persönlichkeiten, die an der Renaissance des jüdischen Geisteslebens und des jüdischen Lebens überhaupt zu Beginn des 18. Jahrhunderts starken Anteil hatten. 16