Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 10 (1938)
- Issue
- 6 (9.1938)
- Date
- 1938-09-01
- Page
- Seite 8 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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an Jaffa angrenzenden Handelszentrum, als Kameltreiber mit Sand und Kies in den Uferstraßen- und sonst gelegentlich als Kunden in Bekleidungsgeschäften, als Lieferanten in Lebensmittelgeschäften, und als Besucher von Cafes oder Kinos. Im öffentlichen Leben der Stadt spielten sie sdion damals keine Rolle, und nach Jaffa, so nahe es ist, kam der Tel Aviver nur, wenn er auf den Regierungsämtern oder mit den arabisdien Großhändlern zu tun hatte. So konnte man sagen: „Tel Aviv liegt nicht in Palästina". Dagegen hätte man nie sagen können, es läge nicht in Erez Israel. Im Gegenteil konnte es, schon lange ehe es die bevölkertste Stadt des Landes war, besonders stark seine jüdisch-kulturelle Note ausprägen. Wenn auch die Stellung Jerusalems als Sitz der Exekutive der Zionistisdien Organisation und der Jewish Agency, des Waad Leumi, des Oberrabbinats, der Universität unangreifbar ist, so ist Tel Aviv, das auch die Wohnhäuser Achad Haams und Eialiks birgt, der Sitz der jüdischen Theater (Habima, Ohel, Matate), der Presse (Haarez, Dawar, Hazofe, Haboker), der politischen Parteien. Sein Beth-Am und sein Ohel Schern hat beispielmäßig und befruchtend gewirkt, und der große Gedanke des Oneg- Schabbat ist hier entstanden und verwirklicht worden. Hier haben auch die großen Ausstellungen — wirtschaftliche und kulturelle — stattgefunden, hier die Makkabiaden, hier ist der Sitz des Orchestervereins. Wenn im folgenden über einiges aus dem religiös-kulturellen Leben Tel Avivs berichtet wird, so wird dies gleichzeitig erweisen, daß man nicht, wie es mandie Kritiker tun, das öffentliche Leben der Stadt als areligiös abtun kann. Wer nur kurz im Land ist und auf den Straßen flaniert, der kann, den Anblick der übrigen Flaneure vor Augen, leicht zu einem oberflächlichen Urteil kommen. Wer hebräisch nicht versteht, kann den kulturelle Schöpfungen sowohl des Landes wie dieser jüdischen Stadt ohnehin nicht näherkommen. Wer aber hebräisch versteht und die Institutionen aufsucht, wird viel des Interessanten und Erhebenden finden. Immer noch muß an erster Stelle des Oneg Schabbat gedacht werden. In dem Saal, der den prachtvollen, echt Bialikschen Namen Ohel Schern trägt, finden sich jeden Schabbat nachmittag mehr als 1200 Leute zusammen (mehr fast der Saal nicht, viele müssen an den geschlossenen Türen umkehren), viel Arbeiter, viel Jugend, um an dem einzigen freien Tag, den ihnen die Wochenarbeit läßt, einen Redner über ein geistiges Thema reden und danach den Chor der großen Synagoge singen zu hören. Schon dies Publikum zu sehen, hat einen großen Reiz, und unvergeßlich ist die Stimmung der hereinbrechenden Dunkelheit, in der man die Accorde des Chors, die hellen Alt-Stimmen der Solisten hört, ohne die Sänger unterscheiden zu können, bis ein gedämpftes Lichtchen etwa eine Viertelstunde 8