Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 10 (1938)
- Issue
- 5 (8.1938)
- Date
- 1938-08-01
- Page
- Seite 7 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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(Misrachi), die Schulen der Histadruth, die grundsä^lich den Faktor Religion ausschalten, und zwischen beiden die Clall-Schulen (nebenbeibemerkt mit der größten Schülerzahl). Diese haben wohl die Religion in ihr Unterrichtsprogramm mit einbezogen, verwenden sie aber weniger als Erziehungsstoff denn als Wissenstoff. Diese gilt im Grunde als eine folkloristische Erscheinung des jüdisch-nationalen Lebens, die lehrenswert ist nicht anders als die Daten der jüdischen Geschichte. Charakteristisch für diese Einstellung ist der Inhalt der an diesen Schulen eingeführten Lesebücher. Es ist dort viel von Sabbath und Feiertagen die Rede, von religiösen Bräuchen und Einrichtungen, aber bei näherer Betrachtung ergibt sich, daß diese Stoffe mehr musealen als lebenswirklichen Charakter tragen. Ihre Gestalten und Ideen existieren im Imperfektum, aber nicht im Präsens, werden in romantischen Erzählungen geboten, die wohl Stimmüng, aber keine Willensbildung erzeugen und lediglich den Eindruck hinterlassen, daß die von ihnen geschilderte Frömmigkeit einer vergangenen Epoche jüdischen Daseins angehört. Nirgends wird ernsthaft der Versuch gemacht, in einer pädagogisch adäquaten Form das Problem der religiösen Lebensgestaltung dem Schüler nahezubringen und ihn in die geschichtlichen Zusammenhänge der Tradition hineinzustellen. Unter diesen Umständen ist es nicht verwunderlich, daß an den genannten Schulen für die Disziplinen der Mischna, Talmud und Dinim kein Raum ist. Die ausschließliche Quelle unmittelbarer religiöser Belehrung bildet das Tenach. Aber auch hier ist für die sozusagen archäologische Betrachtungsweise bezeichnend, daß die Thora nicht in ihrer Totalität dem Schüler in die Hand gegeben wird, sondern in einem Auszug, der die Ethik und Antike des Judentums gleichsam zur Schau stellt, wie ein Museum seine Sehenswürdigkeiten, die man hinter ihren Glaskästen betrachtet, mit denen man aber nicht in Berührung kommt. Ich habe über die obigen Dinge ausführlich berichtet, weil sie wichtig sind für das Verständnis des Folgenden. Die Kreise der Clall-Schulen propagieren auf eifrigste die Idee der Einheitsschule und weisen auf ihr eigenes Lehrprogramm als den gegebenen Rahmen des vereinheitlichten Unterrichtes hin. Nach der Seite der Histadruth behaupten sie: Bei Euch ist das Rückgrat der Erziehung die Idee der Arbeit, auch bei uns wird die Jugend zum Arbeitsgedanken erzogen. Und den Misrachi bedeuten sie: auch an unseren Schulen bildet die Religion einen erzieherischen Faktor und die Belange der Religion sind bei uns wohlverwahrt. Warum also getrennte, warum nicht Einheitsschulen, das heißt natürlich: warum nicht Clall-Schulen. Es gehört nicht viel Erwägung dazu, um zu begreifen, daß der Misrachi diesen Bestrebungen gegenüber sich ablehnend verhält. Wer es allen Recht machen will, kann es keinem Recht machen. Wer 7