Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 10 (1938)
- Issue
- 5 (8.1938)
- Date
- 1938-08-01
- Page
- Seite 2 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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getroffen erscheint. Auch jene Ereignisse sind eingeschrieben im Buch des Volkes mit blutigen Lettern; aber nur dort, nicht im lebendigen Leben. Reichen sie auch nicht heran an jene Schwere, so sind sie doch so viel näher in der Zeit und dennoch gemahnt an sie kein Tisch'a b'aw, auch nicht das geringste Trauermal im jüdisdien Jahr. Es lehren unsere Weisen: „Man empfängt Trost nach Totem." Sie gebieten: „Man verbeiße sich nicht in übermäßiger Trauer um eines Toten willen." — Das Judentum kennt keinen Totenkult, kennt keinen Kult für längst Totes und Gestorbenes. — Höchstens seltene, nur kurze Gebete hat es., und auch die nicht aus alter Zeit. — Tot läßt der Jude, läßt auch das jüdische Volk das Tote sein. Und all jene Zeiten von Licht und Glanz und ihr finsteres Ende, auch sie sind ihm nur Ewig-Vergängliches, auch sie reiht es ein ins Ewig- Vergangene. Und — man empfängt Trost nach Totemi Und der Tisch'a b'aw? Es lehrt jener Spruch der Weisen weiter: „Nimmer aber empfängt man Trost nach Lebendigem." — „Er weigerte sich Trost zu finden", heißt es bei Jaakow nach seinem verschollenen, totgesagten Josef. — Erez Jisrael ist dem Juden nie tot gewesen. Es lebte und war in Schrift und Wort. Es war aber auch in der jüdischen Seele. In allen Gesdilechtern, in allen Zeiten, lebte es fort, das Unvorstellbare, und Unbegreifliche, das tiefe Fühlen um das Verlorene, das nicht ewig verloren ist, das nicht tot sein kann, das einmal zurückkehren muß. Und — sie weigerte sich Trost zu finden. Und weiter lehren unsere Weisen: „Der Tag, an dem das Heiligtum zerstört worden, ist der Tag der Geburt des Messias. Denn — trostlose Trauer, das ist Sehnsucht und Hoffnung. Sie wurde zum Willen, zum Drang nach Befreiung und Erlösung. Die Klagelieder des Tisch'a b'aw enden, münden in das Jahrtausende alte jüdische Sehnen, das, steigt es aus dem Herzen des ganzen Volkes auf, selbst die Ewigkeit zwingen muß, in die Bittforderung: Chadesch jamenu k'kedem. Erneuere unsere Tage wie einst. I. Mit Schmerz und Bestürzung lesen wir die Nachrichten aus Erez Israel. Der Terror hat eine nie gekannte Ausdehnung und Stärke erlangt. Gegenden, die bisher als sicher galten, sind je§t Ziele von Angriffen, neue Kampfmittel fordern ihre Opfer, Brandstiftungen, durch die bisher nur Felder und Pflanzungen bedroht waren, richten sich gegen Wohnhäuser und Geschäftsräume. 2