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Zion · 1938-08-01 · 5 (8.1938) · p. Seite 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
10 (1938)
Issue
5 (8.1938)
Date
1938-08-01
Page
Seite 1 (sequence 3)
Language
German
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O N Berlin, August 1938 <~ « . Nn 5 Menadiem/Aw 5698 ^.Jahrgang. Tag der» Tvauer Dr. Israel Weinstock, Wien. Wie der Griedie gekennzeichnet war durch seine Lebensfreude, so war und ist der Jude gekennzeichnet durch seinen Ernst. Ernst ist sein Charakter, Ernst erfüllt sein Leben und Schaffen; Ernst wohl, aber niemals Trauer. Ernst und Trauer, scheinbar so nahe, nirgends sind sie so weltenweit voneinander entfernt, nirgends tritt ihr innerer Gegensatz, ihr gegenseitiges Sich-ausschließen so klar zutage, wie gerade im jüdischen Menschen. Trauern, feiern der Trauer liegt dem Juden nicht. Die Trauertage des Volkes sind eigentlich nur Fasttage, mehr Tage des Entsagens als der Trauer. So sind sie alle bis auf den einen, den Tisch'a b'aw. Sonderbar ist die Art, in der der Jude diesen Tag begeht. Einzigartig ist dieser Tag im Ablauf des ganzen jüdischen Jahres. Lange vorher wirft der Tisch'a h'aw seinen düsteren Schatten voraus. Die „Drei Wochen", die „Neun Tage" sind ein immer stärker werdendes Ankünden des Kommenden, ein Vorbereiten auf ihn. Und an dem Tage .... Im Heim ist der Spiegel verhüllt und in der Synagoge der Schmuck von der heiligen Lade genommen. Keine Speise, kein Trank, nicht einmal Lernen in der Schrift und im Talmud. In Trauer, in altem Kleid und ohne Schuhe kauert der Jude auf der Erde, das Buch der Klagen in der Hand. Leise liest er und weint. Er liest von Jammer und Leid, von Hunger und Tod, vom großen Brand des heiligen Tempels, von den Schrecken der belagerten und zerstörten Stadt. Der Tag der Trauer, das ist Tisch'a b'aw überall wo jüdisches Leben noch lebt. So trauert der Jude, wenn er einen teuren Toten zu Grabe getragen; so trauert er zwei Jahrtausende, als wäre es gestern geschehen. Wohl ist es ein Ereignis von großer Schwere und Bedeutung, das der Jude an diesem Tage beweint, die Zerstörung von Heiligtum, Heimat und Reich, die Besieglung zukünftigen Volksschicksales. Aber der jüdische Weg kennt manch trauriges Geschehen, kennt Katastrophen, Zertrümmerungen des Volkszentrums, des Schwerpunktes des geistigen und materiellen Seins, Zeiten, in denen das Volk ins Herz

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