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Zion · 1938-04-01 · 3 (4.1938) · p. Seite 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
10 (1938)
Issue
3 (4.1938)
Date
1938-04-01
Page
Seite 9 (sequence 11)
Language
German
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der Ehrfurcht fehlt, dem gegenüber fehlt auch der Wille zur Unterordnung, dem fehlt auch die Fähigkeit zur Leitung und Herrschaft. Jung bin und verachtet (Ps. 119, 141), klagt der göttliche Dichter, der fühlt, daß Jugend verbunden ist mit persönlicher Geringschätzung. Hiermit sind wir in das Zentrum der so wichtigen Frage des Wertes der Jugend gelangt. Das ist die Frage nach der Fähigkeit der Jugend zur Herrschaft und Führung entsprechend der Forderung der Jugend in unserer Zeit, der Forderung nach Selbständigkeit, der Forderung, allen auf der Tagesordnung stehenden Fragen eine selbständige Lösung zu geben, eine Lösung, die sich auch auf das Leben der Erwachsenen auswirkt, auf Väter und Mütter, auf das Wesen der Menschheit, auf das Schicksal der Ordnung ihres Familien- und Gemeinschaftslebens, des politischen, kulturellen und nicht zuletzt des religiösen Lebens. Gerade in dieser Hinsicht finden wir klare Worte, die bis in den Grund unserer Seele dringen, die bis heute in unserem Ohr klingen, die eine deutliche Warnung enthalten, auf die wir hören, und nach der wir uns richten sollen. Das erste Wort finden wir in dem Bericht über das so wichtige Ereignis in der Geschichte unseres Volkes, der Empörung Jerobeams und dem Abfall der zehn Stämme vom Hause David, der zur Teilung unseres Volkes in zwei Reiche mit den bekannten unheilvollen Folgen führte. Wir lesen die Erzählung wie Jerobeam und das ganze Volk Israel zur Rechabeam kommen und zu ihm sprechen: Dein Vater hat uns ein schweres Joch auferlegt, erleichtere du nun den harten Dienst deines Vaters und sein schweres Joch, das er uns auferlegt, so wollen wir dir dienen. Die Stunde war eine einzigartige historische Entscheidungsstunde. Jetzt bestand noch die Möglichkeit, die Einheit des Hauses Israel zu erhalten. Rechabeam forderte sie auf fortzugehen und nach drei Tagen wiederzukommen, dann werde er ihnen eine klare Antwort geben. Während dieser drei Tage beriet sich Rechabeam mit den Alten. Sie rieten ihm, dem Volk mit guten Worten zuzureden, dann werden sie dir für immer Untertan sein. Aber Rechabeam ließ den Rat der Alten, den sie ihm gegeben, unbeachtet, und betriet sich mit den Jünglingen, die mit ihm aufgewachsen waren (Kö. I 12,8). Und diese Jünglinge, die mit ihm aufgewachsen waren, sprachen zu ihm: „So sprich zu diesem Volke... Mein Vater hat euch ein schweres Joch aufgeladen, ich will es euch noch mehr erschweren, mein Vater hat euch mit Ruten gezüchtet, ich will euch mit Skorpionen züchtigen, (a. a. 0. 10—11). Das Temperament der Jungen trug die Oberhand davon. Als am dritten Tage Jerobeam und das Volk zu Rechabeam kamen, sprach er zu ihnen nach dem Rat der Jungen und antwortete dem Volk streng. Die schlimmen, entscheidenden Folgen in der Geschichte unseres Volkes traten bald ein. Das Verlassen des Rates der Alten und die Beachtung des Rates der Jungen verrichteten ihr zerstörendes Werk: Das Volk gab dem König folgende Antwort: Wir haben keinen Anteil an David und keinen Besitz am Sohne Jischai. Zu Deinen Zelten Israel... und Israel ging in seine Zelte... so fiel Israel ab vom Hause Davids bis auf den heutigen Tag (a. a. 0. 16—19). So entstand der furchtbare, unheilbare Riß in der Mauer des Hauses Israel. Die Lehre aus dieser Erzählung ist jedermann ersichtlich. Der Verfasser des Königsbuches gab den künftigen Generationen ein erschreckendes; Beispiel. Seit jener Zeit herrscht im jüdischen Volk die Ansicht, daß die Jugend, auf sich allein gestellt, nicht fähig ist, Führer in den entscheidenden Lebensfragen zu sein. Es geht so weit, daß unsere Weisen sagen, wenn die Jungen sagen, bau auf, und die Alten sagen, zerstöre, höre auf die Alten und nicht auf die Jungen, denn der Aufbau der Jungen ist Zerstö- 9

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