Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 10 (1938)
- Issue
- 3 (4.1938)
- Date
- 1938-04-01
- Page
- Seite 2 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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schrecklichs^n Erscheinung in der Völkergeschichte des Altertums, sur völligen Entwurzelung eines ganzen Volkes oder eines großen Teiles desselben von seinem heimatlichen Boden und seiner völligen Deportation, deren Folgen oft der völlige Untergang, die endgültige Vernichtung des besiegten Volkes waren. Zuerst Unterjochung mit all ihren Begleiterscheinungen und dann Galut, die zu Assimilation und Untergang führte. Der normale historische Vorgang ist: Volk eigener Prägung auf eigener Scholle, in eigener Heimat, Freiheit und Selbständigkeit, — alsdann evtl. Exil und Knechtschaft. Wie war es aber mit unserem Volk in den Vorzeiten seines Werdens und Seins? Die historische Überlieferung der Bibel sagt uns, daß nicht nur °y hso n»itr onwn sondern daß oy -»d fiww orrnnipi. Wir gewahren hier das merkwürdige Phänomen eines ethnischen Werdegangs in umgekehrter Richtung. Galut vor der Volkswerdung oder Volkswerdung in der Galut. „Mit siebzig Seelen kamen unsere Vorfahren nach Ägypten". Eine winzige Familie, bar aller Gegebenheiten eines Volkes aus eigener Scholle, bar aller nationalen Mittel eigener Prägung und Macht, bar aller jener Faktoren, die ein Volk zu einem solchen machen, wandert infolge wirtschaftlicher Umstände in ein fremdes, völkisch und staatlich hochentwickeltes Land, verfällt dort dem Druck der Xenophobie und der Versklavung schlimmster Art und entwickelt sich dort zu einem Volke, dessen Sprößlinge in die erstickende Atmosphäre des Exils mit ihren schrecklichen Folgen hineingeboren werden. Israel erlebt die Galut vor und bei seiner Volkswerdung. Und Wunder über Wunder! Trotz schwerer Galut „Die Kinder Israel vermehrten sidi, wurden zahlreich allzusehr". Auf fremdem Boden, unter fremder Kultur und Sprache, unter fremden Sitten, unter allen der jüdisdien Volkswerdung entgegenwirkenden Kräften, wird die Nachkommenschaft Israels, die B'ne Jisrael, zu einem Volksganzen sui generis, zu einer Gemeinschaft mit völkischen Bestrebungen und Eigenheiten, beherrsdit von der Sehnsucht nach Erlösung und Befreiung, nach einer Heimkehr in die nationale Heimat, das von Gott ihnen zugesicherte Erez Israel, das für ewige Zeiten das nationale Territorium des jüdischen Volkes erst werden sollte. In den Herzen der B'ne Iisrael lebte durch Jahrhunderte die unvertiigbare Sehnsucht nadi der Heimat, die keiner je gesehen, in der kein Israelit seinen Wohnsitz hatte. „Sie besaßen eine Überlieferung, die besagte, daß sie einst erlöst werden würden und nach Erez Israel kommen." Die Überlieferung lebte in ihnen und bestärkte in ihnen jene Sehnsucht nach der Heimkehr, der ersten Heimkehr eines Volkes, das seine Heimat gar nicht kannte. — Das war bei Beginn unserer Volksgeschichte. Jene Hoffnung und Sehnsucht hat die erste Galut, die Galut zur Zeit des Jugendalters unseres Volkes überwunden.