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Zion · 1938-01-01 · 1 (1.1938) · p. Seite 6

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Journal
Zion
Volume
10 (1938)
Issue
1 (1.1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 6 (sequence 8)
Language
German
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religiösen Motiven. Im Zionismus wurde der jüdische Staat in der Organisation vorweggenommen. Theodor Herzl war es, der«in besonderer Betonung des politischen Momentes der zionistischen Organisation von vornherein die breiteste Basis gab. Die Existenz der Organisation sollte auch dem einzelnen Juden das Bewußtsein von der Existenz einer jüdischen Nation vermitteln. Von jeher fühlte sich der „Misrachi" keinesfalls nur als zusätzliches Element im Zionismus, als Partei, sondern auf Grund seiner religiös-nationalen Geschichtsauffassung als die zionistische Richtung, die den zionistischen Gedanken im Sinne einer jüdischen Legitimität und Totalität am konsequentesten zu Ende dachte. Die nationale Renaissance wird dem historischen Begriff als einer Struktursynthese von Nationalem und Religiösem nur gerecht in unlösbarer Verbindung mit einer organischen religiösen Renaissance. In diesem Zusammenhang ist es bezeichnend, daß orthodoxe Rabbiner, Kalischer, Gutmacher, Rülf, zu den geistigen Initiatoren des zionistischen Gedankens gehören. Zionismus und „Misrachi" stehen zueinander im Verhältnis einer Wechselwirkung. Der Zionismus lehrte das religiöse Judentum das politische Denken. Hier ist der „Misrachi" der Empfangende. Der „Misrachi" seinerseits will dem Zionismus das religiöse Gepräge geben. In dieser Wechselwirkung, die den Empfangenden zum Gebenden und den Gebenden zum Empfangenden machte, wurde der „Misrachi" ein organisches Glied der zionistischen Bewegung. Manchmal schien die Rolle des „Misrachi" innerhalb des Zionismus problematisch geworden zu sein, manchmal stand der „Misrachi" vor unausweichlichen Entscheidungen. Aber immer überwog das Verantwortungsbewußtsein für die nationale Gemeinschaft, aus der Erkenntnis heraus, daß Kritik von außen negative, destruktive Kritik ist, Arbeit von innen her aber umformende Wirkung zeitigen kann. Wollte das religiöse Judentum, das in seiner Mitte seit jeher die Zionssehnsucht lebendig erhielt, sich der Realität jüdischen Lebens nicht verschließen, so gab es keine andere Möglichkeit als den Zusammenschluß mit der Zionistischen Organisation. Die zionistische Bewegung bildet die Basis einer jüdischen Renaissance. Eine nationale Kultur wird aber nur echt sein, wenn sie gespeist wird von den Energien der religiös-nationalen Tradition des Judentums. Theodor Herzl gab der Bewegung bewußt kein Kulturprogramm, um den nationalen Rahmen nicht durch Kulturkämpfe zu gefährden. Später wurde es aber immer deutlicher, daß eine nationale Bewegung — dem Wesen des Judentums entsprechend — die Kulturfrage in ihren Problemkreis einbeziehen müßte. Die natürliche Konsequenz der misrachistischen Ideologie ist die Aufstellung eines in der Erziehungsgeschichte der Juden grundlegend 6

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