Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 9 (1937)
- Issue
- 5 (10.1937)
- Date
- 1937-10-01
- Page
- Seite 10 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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sonders fruchtbare Situationen da. z. B. wenn eine Fahrt gemacht werden soll, die für einen nicht in Frage kommt, weil er nicht lange wandern darf, und plötzlich ein anderer oder mehrere aufspringen, einen neuen Vorschlag zu machen, bei dem nun alle mittun können, weil sie alle auf etwas verzichtet haben; oder eine andere Gelegenheit: wir machen heute Nachmittag eine Singrast. Ja, aber einer liegt doch mit hohem Fieber, der kann doch nicht allein bleiben, sofort melden sich zwei, drei, die freiwillig auf die Singrast verzichten, um dem Kranken Gesellschaft zu leisten. Es gibt Gelegenheiten, bei denen sich das Verantwortungsgefühl auf einen größeren Kreis erstreckt, und das sind meistens dieselben, bei denen religiöse Formen — scheinbar schon erstarrt — neues Leben gewinnen. Beispiel: es sind Unruhen in Palästina, die deutschen Rabbinen haben einen halben Fasttag eingesetzt, die Gruppe beschließt: wir fasten einen ganzen Tag, verbieten auch das Rauchen, es muß ein Tag werden, der in unserem Leben spürbar wird, wir machen ein besonderes Lernprogramm, das hauptsächlich auf die Einheit von Thora, Volk und Land abgestimmt ist, wir stellen die Ersparnisse der Writschaftskasse an diesem Tag dem Fonds für die jüdischen Flüchtlinge aus Jaffa und anderen Städten zur Verfügung. Dieser Tag hat für das Gemeinschaftserlebnis ungeheure Bedeutung gehabt, weil er uns hinausgeführt hat in die Weite des Volkes und in die Tiefe sinnvoller Thora-Erfüllung. Wir haben die Selbstverwaltung der Gruppe nicht programmmäßig festgelegt, weil die Vertrauensbasis zwischen ihr und dem Leiter so fest ist, daß es überflüssig erscheint. Nach und nach sind die abendlichen Aussprachen zur festen Einrichtung geworden, und jedes Problem, das in unser Leben gehört, wird hier besprochen. Ein wichtiges ist z. B. die Verteilung der Vertrauensämrer. Es hat eine lange Zeit erfordert, bis die Gruppe die Errichtung einer Gemeinschaftskasse für gegeben hielt, nun ist es soweit, und der zum Kassenwart gewählte kann stolz sein auf sein Amt. Selbstverständliche Voraussetzung für seine Wahl ist das volle Vertrauen auf seine Ehrlichkeit, aber das genügt noch nicht, man muß sicher sein, daß er sich wirklich Gedanken macht über die nutzvollste Anwendung des Vermögens, daß er sparsam wirtschaftet und verständnisvoll Ansprüche des Einzelnen und des Gesamten abwägen kann. Der Junge, der ein halbes Jahr die Kasse geführt hat, hat damit eine sehr wichtige Grundlage für wirtschaftliche Betätigung im späteren Leben. Daß der Leiter mit der weitergehenden Entwicklung der Gruppe seine Autorität immer mehr zurücktreten lassen kann, ist klar geworden, aber — unbetont zwar — Ist sie immer da, und in Entscheidungsfragen, die über die Augenblickssituation ins Prinzipielle hineinreichen, ist er der Repräsentant unanzweifelbarer Werte. Trotz aller 10