Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 9 (1937)
- Issue
- 5 (10.1937)
- Date
- 1937-10-01
- Page
- Seite 6 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Wir müssen unsere Aufmerksamkeit auch der äußeren Form der Erfüllung der Gebote zuwenden, der Ordnung des Gebetes, der Verschönerung der Mizwot. imsKl nt Wenn der Lehrer es versteht, die Religion mit Schönheit und Ordnung zu verbinden, kann er das neue Geschlecht für die Thora gewinnen. Wir müssen das Kind zur Ordnung und Schönheit erziehen. Die Kinder in der Galut mußten unter bedrückenden Bedingungen leben. Wir pflanzen in ihnen Kraft und Stärke und erziehen sie zur seelischen Hingabe. Im Ghetto mußte die Religion hauptsächlich die Verbote betonen, das Fernhalten vom Bösen, damit der Jude nicht die ihm gesetzten Schranken durchbreche. Alles war verboten. Wenn die Juden sich in der damaligen Zeit für Poesie, Kunst und allgemeine Kultur interessiert hätten, wären sie zur Assimilation und zur Vermischung mit den Völkern gekommen. Deswegen haben sie sich von der allgemeinen Kultur ferngehalten und absichtlich dagegen gekämpft. Das Ziel war die Bezwingung des Triebes. Hierdurch entstand ein Geschlecht von Luftmenschen und Träumern, deren Fähigkeiten und Begabungen nur der Theorie dienten. Wir wollen die Kinder erziehen, positiv das Gute zu tun, wir wollen keinen freiwilligen Kampf. Wir erziehen ein Geschlecht zur Erfüllung von Pflichten und Aufgaben, aber nicht durch Verbote und Ängste, sondern . durch Freude, Freude am Leben und an der Mizwa. Der Misrachi erstrebt, ein Geschlecht zu erziehen, das die erhabenen Ideale des jüdischen Volkes kennt und zu schätzen weiß und für sie einen Platz im Leben sucht. Hierzu bedürfen wir besondere Einrichtungen und Lehrer, 'die mit dieser Anschauung vertraut sind. Darum unterrichten wir Talmud und die übrigen Quellen. Wer die Quellen nicht kennt, wird das Judentum nicht verstehen und auch nicht die moderne Literatur, auch nicht Menachem Mendel. Wir haben unser Ziel noch nicht erreicht. Von zwei Seiten werden wir bekämpft, einerseits verachtet das nationale Judentum das traditionelle Leben, andererseits rühmt sich die alte Generation, die personifizierte Quelle der Thora zu sein und kämpft gegen neue Wege der Erziehung. Beide Seiten üben ihren Einfluß aus. Es ist schwer, in diesem Kampfe zu obsiegen und eine Harmonie zu finden. Wir müssen die Erziehung im modernen Geist führen, die realen Fächer unterrichten, auf Verstand und Gemüt des Kindes einwirken, die Liebe zur Natur und zum Leben erwecken, die Aktivität anregen und gleichzeitig dafür sorgen, daß der Schüler ein vollkommener, thorakundiger, gottesfürchtiger Jude wird. Die Allgemeinheit erkennt noch nicht alle Anstrengungen, die wir gemacht haben. Deshalb hören wir von beiden Seiten Kritik, aber doch hat die Allgemeinheit Verständnis und schickt ihre Kinder in unsere Schulen. Auch Schulen anderer Richtung lernen von der Erziehungsweise des Misrachi und benutzen unsere Erfahrungen. 6