Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 9 (1937)
- Issue
- 5 (10.1937)
- Date
- 1937-10-01
- Page
- Seite 5 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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chen, sondern die ganze Religion wird dort als Märchen gelehrt, gewiß ein schönes Märchen von poetischem Wert, das die Phantasie anregt, aber es ist nicht mehr als ein Märchen. Die Religion ist losgelöst von der Thora. Sie ist etwas Äußerliches. Ich glaube, daß der allgemeine Zionist an der Tradition hängt, er weiß, daß es nicht richtig ist, den Schabbat zu verletzen und Trefa zu essen. Er baut eine schöne Sukkah, aber das kann nicht zu einer Weltanschauung führen. Der Zionismus kam nach dem Trugbild der Generation der Aufklärung. Er wollte die Juden wieder zu ihrer Nation zurückführen, die Liebe zu Zion an die Stelle der Assimilation setzen. Seine Erziehung leistete dazu Erhebliches. Auch die religiösen Kreise in Deutschland haben ein eigenes Erziehungswerk geschaffen, eine Verbindung von Thora und allgemeiner Bildung, es erweckte ein Gefühl der Aktivität im Judentum, das zur Judaisierung und zur Tradition führte. Aber das ist nicht der Erziehungsweg des Misrachi. Wir haben das Trugbild derer gesehen, die das Ghetto verlassen haben, die Verzweiflung, die sie ergriffen hat. Wir haben gesehen, daß im Ghetto und außerhalb desselben kein Platz ist für das Judentum, für das prophetische Ideal, daß Israel zum Licht für die Völker sein werde, deshalb sind wir zurückgekehrt in die Heimat nach Erez Israel. Das Judentum kann nicht ohne die Thora bestehen, und die Thora und die Prophetie nicht ohne Erez Israel. Unser Streben ist die Wiederbelebung des jüdischen Volkes und des Judentums im Heiligen Land. Ein Vertreter des allgemeinen Schulwerks hat hier ausgeführt, daß das eingehende Studium des Talmuds in der Galuth den Juden vom Leben losgelöst und den Typus des Menachem Mendel erzeugt hat. Das ist unrichtig. Die Talmudabschnitte aus dem Erbrecht, aus dem Verwahrungsrecht oder Arbeitsrecht sind nicht vom Leben losgelöst. Für das Volk, das auf seinem Boden lebt, sind diese Dinge nicht wirklichkeitsfremd. Man spricht jetzt vom jüdischen Staat, aber man kann sich keinen jüdischen Staat denken ohne jüdische Ethik und jüdisches Recht. Das ist lebendige Wirklichkeit. Das jüdische Volk, das jahrtausende für seine Ethik und seinen Glauben gekämpft hat, das den Namen Gottes geheiligt und allen Versuchungen der Inquisition widerstanden hat, kann keine Schulen gründen, die der Religion und der Thora verschlossen sind. Die religiöse Erziehung muß innerhalb der Schule erfolgen, nicht außerhalb. Bis jetzt war die Schechina, die Thora und das Volk in der Verbannung und das Land verödet. Wir waren losgelöst vom Leben. Jetzt wollen wir, um in der Sprache der Kabbala zu reden, die Schechina aus dem Staube erheben. Wir erstreben die Wiedergeburt der Thora. Nicht Menachem Mendel ist der Typ der Thorajünger, sondern Samuel Hanagid und Isaak Abarbanel, Menschen des öffentlichen Lebens und der Tat. 5