Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 9 (1937)
- Issue
- 5 (10.1937)
- Date
- 1937-10-01
- Page
- Seite 2 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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deutet. Selbst wenn das neue Jerusalem in den jüdischen Staat eingeschlossen würde, ist doch das wahre Jerusalem die Altstadt mit dem Platz des Heiligtums, an das alle geschichtlichen Erinnerungen und alle Hoffnungen für die Zukunft geknüpft sind. In welcher Zeit unserer Vergangenheit war ferner ganz Erez Israel in unseren Händen? Zur Beginn der Regierungszeit des Königs David stand Jerusalem nicht unter seiner Herrschaft, in den folgenden Jahrunderten wohnten die Philister an der Meeresküste. Mit der Vertreibung der zehn Stämme wurde der jüdische Staat noch wesentlich weiter verkleinert. Ebenso war es zur Zeit des zweiten Tempels. „Viele Orte, die nach dem Auszug aus Ägypten in Besitz genommen waren, wurden nach der Rückkehr aus Babel nicht wieder in Besitz genommen". Während der ganzen Zeit des zweiten Tempels war das Land nicht in vollem Umfang von Juden bewohnt. In der Thora selbst heißt es: „Wenn der Ewige, Dein Gott, Dein Gebiet erweitern wird . . .". Das wird auf die Zeit des Maschiach gedeutet, wenn das ganze, dem Abraham verheißene, Land in jüdischen Händen sein wind. Daraus sehen wir, daß vor dieser Zeit das Gebiet des jüdischen Staates kleiner sein wird. Viel wichtiger vom religiösen Standpunkt ist die Frage, wie die innere Gestaltung des jüdischen Staates sein wird, damit der jüdische Staat nicht der Thora und der jüdischen Tradition widerspricht, er nicht rein weltlich aufgebaut wird, daß man auf die Schabbatruhe nach der Vorschrift des Gesetzes und auf das Kasehruth in den öffentlichen Institutionen achtet, daß das Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern auf das Gesetz der Thora gegründet wird, nicht auf wirtschaftstheoretische Dogmen, daß die Arbeitgeber erfüllt sind vom Geiste der Thora, vom Geiste der sozialen Gerechtigkeit, und die Arbeitnehmer in ihnen keine Gegner sehen, daß das jüdische Recht die 'Grundlage des staatlichen Rechts besonders im Ehe- und Familienrecht bildet. Um diese Dinge müssen wir uns morgen, hierfür müssen wir kämpfen, wenn der jüdische Staat verwirklicht wird. Wenn diese Forderungen nicht erfüllt werden, kann der jüdische Staat nicht bestehen, dann haben wir kein Interesse an einem kleinen Gebiet in jüdischer Hand. Die nationale Idee ist im letzten Jahrhundert bei allen Völkern erstarkt. Der Nationalismus zeigt sich in der Liebe zu den alten Heiligtümern der Nation. Mit besonderem Eifer wird alles durchforscht, was die Nation in der Vergangenheit geschaffen oder erworben hat, dies wird verherrlicht und gepriesen. Unsere Nationalisten ahmen den Nationalismus der anderen nach, aber auch hier gilt das Wort unserer Weisen: „Ihren Fehlern habt ihr nachgeeifert, ihren Vorzügen habt ihr nicht nachgeeifert". Sie sagen, wir wollen sein „wie die Völker", aber in Bezug auf die Liebe zur Tradition unld zu den Heiligtümern der Nation, für die unsere Väter ihr Leben ge-