Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 9 (1937)
- Issue
- 4 (9.1937)
- Date
- 1937-09-01
- Page
- Seite 15 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Noch anders ist das Verfahren bei der rhytmischen Schule, die ich nur noch kurz streifen möchte. Daß man ein Metrum in den poetischen Teilen der heiligen Schriften, bes. in den Psalmen, zu entdecken suchte7), ist nur zu verständlich, nicht aber, daß man „Versmaß" und „Versformen", poetisch geformte Äußerungen im ganzen Umfange der Prophetenbücher sieht, wie es in letzter Zeit geschieht. Es würde uns dies Bestreben auch ruhig lassen, wenn nicht diese Methode, welche ein Hieronymus bereits ablehnte, zum Prokrustesbett des biblischen Textes geworden wäre. Fügt sich ein Vers oder ein Versteil nicht ins Metrum, so wird er einfach gekürzt, verlängert, oder als Zusatz bezeichnet. Sinngemäße Erklärungen wenden oft aus Gründen des vermeintlichen Metrums verworfen. Eine Amputation wird leichten Herzens vorgenommen, um nur dem Rhythmus Genüge zu leisten. Greßmann, der wiederum im Prinzip für diese Schule ist, will sie nur mit gewissen Einschränkungen gelten lassen. Er spricht auch von „Mißbräuchen" und meint dann: „Es ist begreiflich, wenn bei solchen Mißbräuchen der Glaube an die Zuverlässigkeit und Unversehrtheit des überlieferten Textes wieder im Wachsen begriffen ist... Um dieser Angst willen predigt er Vorsicht, „Nur Nebensächliches zu streichen, oder hinzuzufügen", während der bekannte Tübinger Alttestamentier Volz schreibt, daß, s. E., „die alttestamentliche Forschung Sievers, dem Begründer der rhytmischen Schule, mehr Irreführung als Gewinn verdankt".8) Also und ähnlich9) sprechen Gelehrte, bei denen sonst Textkorrekturen gang und gäbe sind. Wenn wir diese und viele andere ähnlich klingende Urteile der Zunftgelehrten hören, und wenn wir sehen, wie die besonnensten unter ihnen, trotz gewissen Aufdämmerns, trotz gewisser Eingeständnisse, nicht die Kraft oder den Mut aufzubringen vermögen, die unhaltbaren Scheinergebnisse, aus dem Wege zu räumen, von vorgefaßten Anschauungen sich zu befreien, müssen wir zu folgendem äußerst harten, einmal von protestantischer Seite gefällten Urteil kommen. Ein deutscher Vikar Andreas Probs soll einmal gesagt haben: „Wenn das Wort Gottes zu den Vätern kommt, so gemahnt mich's gleich, als wenn einer Milch seihet durch einen Kohlsack, da die Milch schwarz und verderbt werden muß".10) Wir haben 7) Schon bei Asarja de Rossi, Meor Enajim, Kap. 60 zu finden. Später bei den Biurristen. Aufs schärfste dagegen S. D. Luzatto, in s. Vorrede zum Jesaia-Kommentar: Er sagt: moi ^ppo'ro Sao noaS nret Min nspm'wn Vgl. auch s. Ausführungen im Orient 1840, S. 6 ff. 8) Theolog. Literatunzeitung 1923, Nr. 16/17 Col. 338. 9) Cornill, Vorwort zu s. Kommentar zu Jeremia. E. König a. a. O. S. 51. 10) Vollmer, a. a. O. S. 53. 15