Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 9 (1937)
- Issue
- 3 (7.1937)
- Date
- 1937-07-01
- Page
- Seite 14 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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wohnlich an die Aktivisten, an die Menschen des Vordergrundes, die gewiß unentbehrlich sind, die der Tagesarbeit zur Verfügung stehen. Wir übersehen die Funktion jener tiefen Menschen, die mit unserem Wollen übereinstimmen, uns tragen und unser Tun erst ermöglichen. Blau ist einer der Treuen, die unserer Bewegung seit frühester Zeit angehören und den Resonanzboden für unser Wirken geschaffen haben. Zu wenig würden wir sagen, wollten wir seine Rolle als Lehrer und Erzieher schildern. Ein Schulmeister ist er nie gewesen. Aber nie bin ich einem Lehrer begegnet, der so sehr zu wecken und anzuregen wußte wie er. Die Weite seines Wissens und seiner Bildung, die Tiefe seiner künstlerischen Interessen faszinieren und rufen zur Gefolgschaft auf. Talmid- Chacham und Neuphilologe, Denker und Schöngeist, Frommer und Sucher, mit großer Liebe alles Weise und Schöne umfassend und umarmend — kann man eine liebenswertere Gestalt ersinnen? Vielleicht bin ich r>nyS VlOB Ich bekenne mich in Liebe, Treue und Verehrung zu meinem Lehrer, dem ich nicht nur englische und lateinische Kenntnisse verdanke; auch die Liebe und die Fähigkeit zur Rezeption mancher Zweige der Kunst hat er in mir wachgerufen. Bei ihm habe ich Größeres erfahren: keiner hat besseren und plastischeren Unterricht erteilt in der edeltsten Kunst: Mensch zu sein, gütig, opferbereit, liabensfahig. Ein gemeinsamer Weg von fast 31 Jahren eint uns, von meiner Kindheit her bis auf den heutigen Tag. Wieviel Gutes habe ich erfahren! Aber mehr noch: wieviel Vorbildliches habe ich gesehen! Lehrer, Freund, Vater und Bruder — das alles kann e i n Mensch dem anderen sein. Wir alle verdanken ihm feinsinnige Studien — meist in Wohlgemuths Jeschurun, z. T. in unserem „Zion" erschienen — Arbeiten über Romane, die das jüdische Problem einschließen, so wurde er einer der besten Kenner und Deuter Zangwills. Ernstes hat er in einigen Aufsätzen zu Freuds Ausführungen über die Religion niedergelegt. Auch zum Problem des religiösen Zionismus, vor allem im Gebiete der Ideologie und der Erziehung, hat er einige wertvolle Beiträge geliefert. Mehr dürfen wir von ihm erwarten, wenn er einst in fleißiger Muße die Ernte seines Lebens wird einbringen können. Viele sind ihm aufs Tiefste verpflichtet und verbunden: Familie, Freudeskreis, Schule (die Haimlburger Talmud Tora-Oberrea'lschule, der er in ungemeinem Eifer und mit großem Gelingen dient). Viele sind deshalb mit ihren Wünschen dem teuren Manne nahe. Wir, die wir räumlich weit entfernt von ihm sind, hatten kürzlich die Freude, ihn nach jahrelanger Trennung in unserem Lande zu sehen. Freilich war die Freude getrübt durch die Sorge um seine Gesundheit. Aber wir waren auch Zeugen seiner Genesung, und unsere Hoffnung ist, daß er wiederkehren wird zu uns. Möge Armin Blau das Glück ungeminderten Empfangens und Schaffens auch weiterhin beschieden sein, möge er, so wie bisher, so auch fürder lehren und lernen, Freude schauen im eigenen Haus und bei denen, welche er liebt! Schönheit und Weisheit geleite ihm auch fernerhin und erhöhe ihm den Lebensgenuß. In Thora und Wissenschaft finde er auch weiter den fruchtbaren Sinn des Lebens und deute ihn in seiner harmonischen Weise. Wir brauchen ihn noch lange als Weiser, Mahner und freundlichen, wohlwollenden Beobachter und Anreger. Möge er das Wachstum unseres Landes, unserer Bewegung schauen, den Aufstieg der Überlieferung im Leben des Jischuw und hoffentlich auch der Diaspora ad multos annos! 14